Bekanntlich steht ALVIN LEE ja nur zu gerne auf schwer motorisiertes Gefährt und macht daraus auch auf seinen Platten-Covern kein Geheimnis, ob das nun <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2017/Alvin-Lee--Ten-Years-Later/Rocket-Fuel--1978-Remastered-180g-Vinyl/" target="_blank" rel="nofollow">sein 1978er-Album „Rocket Fuel“</a> oder in diesem Falle „Detroit Diesel“ des Jahres 1986 ist. Den Druck dieser Hoch-PS-Motoren kann man förmlich auch auf den Platten des mit TEN YEARS AFTER längst zur Legende gewordenen singenden Gitarristen hören. Immer, wenn der ehemalige TEN YEARS AFTER-Frontmann zu Gitarre und Mikro greift, um dreckigen, aber auch geradlinigen und druckvollen Blues Rock zu spielen, dann liegt ein hochexplosives Musik-(Benzin-)Gemisch in der Luft.
Doch nicht nur das: ALVIN LEE gelingt mit diesem Album eins seiner absoluten Meisterwerke, das nicht nur rockt, sondern auch in vielen anderen musikalischen Stilen – wie beispielsweise dem Rockabilly („Back In My Arms Again“) – wildert und zudem in seinen rockigen Momenten gar so klingt, als hätten die ROLLING STONES mit der Unterstützung von ZZ TOP (Man höre nur „Too Late To Run For Cover“ oder „Don't Want To Fight“) sich 1986 drangemacht, ein besseres Album als ihr nur schwaches, sich dem Zeitgeschmack der 80er anbiederndes, „Dirty Work“ aufzunehmen.
Aber es gibt auch mit „Talk Don't Bother Me“ eine Blues-Ballade darauf, die ein GARY MOORE in seinen emotionalsten Momenten nicht besser hinbekommen hätte.
<center><iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/53ZnWB80DsQ" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" allowfullscreen></iframe></center>
Außerdem tritt Lee mit Gasmusikern auf „Detroit Diesel“ an, die einem schon beim Lesen der Besetzungsliste einen Schauer über den Rücken jagen. Beispielsweise begleitet ihn bei der bereits erwähnten faszinierenden Blues-Ballade GEORGE HARRISON an der Slide Guitar und TIM HINCKLEY an der Hammond Orgel. Aber auch JON LORD („Ordinary Man“ und „Let's Go“) oder JOE BROWN („Heart Of Stone“) und viele mehr sind sich nicht zu schade, den Sound dieses meisterhaften Albums um ihre Präsenz zu erweitern.
Und wenn das Album dann mit „Let's Go“ ausklingt, hat man absolut keine Lust darauf, dieser Aufforderung zu folgen, sondern begibt sich höchstens zu seinem Plattenspieler, um die LP umzudrehen und schon beginnt die rasante „Detroit Diesel“-Fahrt mit ALVIN LEE von vorn.
<center><iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/uXedZ_EsI_4" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" allowfullscreen></iframe></center>
FAZIT: Da Repertoire Records offensichtlich eine fast intime Leidenschaft für den ehemaligen TEN YEARS AFTER-Kopf mit einer Vorliebe für schwer motorisierten Blues-Rock ALVIN LEE hegen, gibt es nun neben den weiteren bisher von dem Label veröffentlichten älteren LP's des Meistergitarristen mit der Rock-Röhre das nächste fein für 180g-Vinyl aufbereitete Album, das klang- und druckvoll in bester Klangqualität aus den Boxen ballert, sodass es eine wahre Freude ist, vor seiner Anlage den Lautstärkepegel ordentlich zu erhöhen – kristallklar werden wir dabei vom „Detroit Diesel“ überrollt. Und dass auf dem Album so namhafte Musiker wie GEORGE HARRISON Und JON LORD mitwirken, spricht nicht nur für die großartige musikalische Qualität sondern macht es gleich noch für die alles sammelnden Fans der BEATLES und DEEP PURPLE interessant.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 02.05.2023
Leo Lyons, Mick Fe'at, Bozz Burrell
Alvin Lee, Steve Gould
Alvin Lee, George Harrison, Steve Gould
Tim Hinckley, David Hubbard, Jon Lord, Steve Gould
Alan Young, Bryson Graham
Joe Brown (Fiddle), David Hubbard (Emulator), Steve Gould, Mick Fe'at, Vicky Brown, Joe Brown, Tim Hinckley (Harmoniegesang)
Repertoire Records
38:51
30.03.2023