Einfach geht ganz sicher anders. ASSASSUNs pulsierender Synthpunk/Darkwave-weißderGeierwas-Sound zeichnet sich durch eine tiefsitzende Verbitterung aus, die, gemäß dem Titel, auch das Potenzial zum Nervenzusammenbruch hat.
Und doch wirkt „Chronik Quicksand Depression Morning“ geerdet. Vielleicht rührt diese Erdung nicht zwingend vom Klang der Musik her, denn Nummern wie das pumpende „Amniotic Concrete“ wirken wie eklektisch zuckende Bandwürmer, die sich wenig angenehm, aber eindringlich in den Kopf des Hörers graben.
Der Bezug zur erlebbaren Realität findet sich in den Texten. Egal ob es darum geht, aus dem Jetzt ausbrechen zu wollen („The Ivorys And I“) oder ob „Shapeshifters“ mit nervösen Zuckungen durch den Gehörgang springt und sich u.a. mit der Frage nach der eigenen Identität beschäftigt.
„Torpescence“ treibt das Gefühl von Fingernägeln, die auf einer Schiefertafel kratzen, auf eine unangenehme Spitze. Die blechernen Sounds springen im Zickzack, der Song wirkt wie bis zum Zerreißen angespannt und kommt doch unverschämt tanzbar daher, ehe „Joie de vivre“ sich im atmosphärischen Äther verliert.
Der finstere Puls von „Sun Gloating“ setzt dem drögen Minimalismus stoische Elektronik entgegen, ehe „Down On Me“ beinahe nach einer Kapitulation klingt. Eine Kapitulation vor sich selbst und der Akzeptanz dessen, dass alle Anstrengung auf Veränderung oder die eigene Weiterentwicklung letztendlich am Stoizismus der Realität scheitern.
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FAZIT: ASSASSUN sind der vertonte Zwiespalt zwischen der Überforderung an der Realität und der Absicht, diese Realität nach dem eigenen Willen zu formen. Der Titel „Chronic Quicksand Depression Morning“ kommt damit auch einer Zustandsbeschreibung gleich, denn was ist der Morgen wert, wenn der Tag den Geist unweigerlich auszehrt? Die musikalische Anstrengung kommt also nicht von ungefähr.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.05.2023
Alexander Leonard Donat
Alexander Leonard Donat
Alexander Leonard Donat (Synthesizer & Sounds)
Blackjack Illuminist Records
42:31
24.03.2023