Kennt jemand schon ATSUKO CHIBA?
Die Band steht offensichtlich auf alles, was man so fein unter dem Begriff 'Experimental Rock' zu katalogisieren versucht – also Psyche-, Prog-, Kraut-, Post- und Indie-Rock. Das findet man selten im Gesamtpaket. Auf „Water, It Feels Like It's Growing“ ist dies doch tatsächlich alles zu entdecken und wenn einem dabei die seltsamsten Ideen des Crimson-Oberköngs FRIPP sowie die skandinavische SIGUR RÒS-Atmosphäre oder experimentellen THE MARS VOLTA in den Sinn kommen, liegt man gar nicht so falsch.
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Doch auf dem Album der australischen Klang-Experimentalisten gibt’s noch viel mehr zu entdecken, denn die eigenen Beiträge am kompletten Rockinstrumentarium, bei denen speziell die Synthesizer eine wichtige Stellung einnehmen, und sofort einprägsamen, irgendwie sphärisch klingenden Stimmen, werden durch umfangreiche Streichinstrumente, welche dem Album einen symphonischen Hinter-, aber auch -Vordergrund verleihen und durch Bläser, die speziell den experimentellen Bereich ausfüllen, erweitert.
Dabei entwickeln sich einige Stücke, die sich konzeptionell allesamt um die Beziehung eines Menschen zu seiner Umwelt drehen, von atmosphärischer Verspieltheit und himmlisch erscheinender Ruhe in Richtung eines erst brodelnden und dann ausbrechenden Musik-Vulkans. Oder um bei dem 'Wasser'-Bild zu bleiben, welches dem Albumtitel innewohnt: Irgendwann wird bei ATSUKO CHIBA aus dem friedlich dahinfließenden Bach eine riesige Flutwelle. Und die reißt einen auf „Water, It Feels Like It's Growing“ im allerbesten Sinne mit.
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FAZIT: Ein stilistisch extrem vielfältiges und sich vielen Experimenten zwischen Psyche-, Prog-, Kraut-, Post- und Indie-Rock öffnendes Album, das einen genauso mitreißt wie die Flut, welche angedeutet schon dem Albumtitel „Water, It Feels Like It's Growing“ innewohnt. Dazu kommen fette orchestrale Arrangements, die von Streichern und Bläsern verwirklicht werden, während das kanadische Post-Rock-Quintett ATSUKO CHIBA mit Stimmen – die mitunter an DEATH CAB FOR CUTIE in Kombination mit THE MARS VOLTA erinnern – einen auf die Reise voller Höhen und Tiefen mitnimmt und in die unendliche Tiefe des Ozeans reißt, um einen am Ende wieder an die von der Sonne beschienene Oberfläche zu katapultieren. Schwer beeindruckend und mitunter verwirrend zugleich.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 27.01.2023
David Palumbo
Karim Lakhdar, David Palumbo, Vivianne Roy
Eric Schafhauser, Kevin McDonald, Karim Lakhdar
Karim Lakhdar, Kevin McDonald, Eric Schafhauser
Anthony Piazza
Anthony Piazza (Projektionen), Streicher, Bläser
Motherland
36:18
20.01.2023