Eine nächtliche Fahrt auf der Autobahn, durch einen Tunnel nach dem anderen, die Tachonadel klettert beständig die Temposkala empor und der Mensch auf dem Fahrersitz stellt sich Fragen wie: Wer bin ich?
Wer will ich sein?
Warum bin jetzt und heute hier und wie wäre es, die Karre kurzerhand gegen den nächsten Brückenpfeiler zu lenken?
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Dieses Gefühl innerer Zerrissenheit vertonen DIE BRENNENDEN WÄLDER in aufwühlendem Post-Punk, der mit jedem Song mehr und mehr nach vorne drängt. Das klingt oft und gerne stoisch und doch brodelt hier ein emotionales Feuer, dessen Funke stets kurz davor ist einen Flächenbrand auszulösen.
Thematisch proklamieren Stücke wie „Deine dumme Fresse“ plakative Wut auf die grassierende Inkompetenz in vielen Bereichen, oder besingen die ewige Suche nach Freiheit, der vielleicht auch ein gewisser Gedanke von Flucht innewohnt („Die Insel“).
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Musikalisch bietet das Trio Post-Punk, der mit dem Kopf durch die Wand will. Die Songs wirken stoisch, drücken beständig nach vorne und suggerieren einen unbedingten Bewegungsdrang. Dieser Drang muss nicht zwingend körperlicher Natur sein, sondern lässt sich auch auf die geistige und emotionale Lethargie unserer Gesellschaft übertragen. Denn stumpfer Egoismus und der moralische Zeigefinger liegen bekanntlich nah beieinander, wie die Band in „Jetzt wird es schwer“ treffend feststellt.
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Aber auch wenn DIE BRENNENDEN WÄLDER wenig farbenfroh daherkommen, sind hier keine totalen Pessimisten am Werk. Irgendwo schwingt in ihren Songs auch immer ein Funken Hoffnung, ein wenig Potenzial, das eigene Seelenheil finden zu können, mit. Und so sagen sie „Ja zum Wahnsinn“, fassen damit die aktuellen gesellschaftlichen Zustände treffend zusammen und verabschieden sich mit „Au revoir“ ins Wave-Post-Punk-Nirwana, das aber eher nach einem weiter schwelenden Emotionsbrand klingt, als kaltes Vergessen zu hinterlassen.
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FAZIT: DIE BRENNENDEN WÄLDER arbeiten sich auf „Schwer?“ durch emotional starken Tobak und klingen auch musikalisch eher düster. Trotzdem stecken die Musiker nicht den Kopf in den Sand, sondern liefern ein Album, zu dem es sich sowohl hervorragend ins Vergessen tanzen lässt, als auch ein waches Ohr und ein wacher Geist gefragt sind. Die gesellschaftskritischen Texte wirken zwar einerseits sehr direkt, haben aber andererseits auch mehr als nur eine Ebene und bringen dadurch unter gewissen Umständen auch etwas Potenzial für Heilung und Erkenntnis mit sich.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 02.10.2023
Jeannine Max
Philipp Taraz
Philipp Taraz
Jan Weiler
Eigenproduktion
29:23
25.05.2022