In vielerlei Hinsicht verhält es sich mit einem neuen DORO-Album wie mit neuem Stoff von AC/DC oder MOTÖRHEAD: Wirkliche Neuerungen sollten nicht erwartet werden, viel eher macht die Düsseldorferin das, was sie seit mittlerweile vierzig Bandjahren eben macht. Sie präsentiert den ihr eigenen Hard Rock/Heavy Metal-Mix, der am besten auf der Bühne funktioniert.
In dieser Hinsicht ist auch „Conqueress – Forever Strong and Proud“ keine Ausnahme. Vor allem die Kollaborationen mit JUDAS PRIEST Sirene Rob Halford (ein Cover des Klassikers „Living After Midnight“ und der tolle Musical-Verschnitt „Total Eclipse Of The Heart“ (im Original von Bonnie Tyler) können sich hören lassen, wobei besonders letztere Nummer einiges Wachstumspotenzial mitbringt.
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Mit dem pathetischen „Children Of The Dawn“ und dem flotten „Fire In The Sky“ gibt DORO aber erstmal Gas und zeigt gleich von Anfang an, dass sie immer noch mit Leidenschaft für die Musik bei der Sache ist, genauso wie sie gesanglich nach wie vor keine Konkurrenz scheuen muss.
Ebensowenig scheut sie das altbekannte „Nieten, Motorrad, Rockmusik“-Klischee („Lean Mean Rock Machine“), wenngleich die Nummer kaum nennenswerte Eigenheiten verzeichnen kann.
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Ganz anders: „I Will Prevail“. Der Härtegrad wird ungewohnt stark angezogen, was DORO ausgezeichnet zu Gesicht steht und außerdem zeigt, dass die Dame eben noch immer Biss hat. Kurioserweise will die Freundschaftshymne „Bond Unending“ im direkten Anschluss erstmal nicht so recht passen. Mit der Zeit entwickelt aber gerade dieser relativ drastische Bruch zwischen hart und zart einen gewissen Reiz. Dass DORO und BROILERS-Frontmann Sammy Amara gesanglich sehr schön harmonieren, ist dagegen wenig verwunderlich, haben beide Musiker doch die Fähigkeit, eine Menge Gefühl in ihre Stimme zu legen.
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Mit dem von Streichern untermalten „Fels in der Brandung“ kratzt DORO dagegen sowohl textlich als auch musikalisch arg an der Kitsch-Grenze, wobei auch das kein Novum im Schaffen der Dame ist und daher kaum verwundert.
Leider klingen Stücke wie „Love Breaks Chains“ oder „Drive“ danach völlig beliebig und wie schon hundertfach gehört. Klar doch, aus der eigenen Wühlkiste zu recyclen ist legitim, ob es aber auch sinnvoll ist, darf bezweifelt werden.
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„Rise“ reißt das Ruder dann wieder in die richtige Richtung rum, klingt erfreulich metallisch und Frau Pesch liefert eine tolle Gesangsleistung, wodurch der Song einige Zeit nachhallt.
„Best In Me“ ist dann nochmal ein pianoschwangerer Schmachtfetzen, „Heavenly Creatures“ ein von Streichern durchsetzter Pathos-Rocker, ehe das bereits erwähnt „Total Eclipse Of The Heart“ den Sack zu macht.
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FAZIT: In erster Linie wirkt „Conqueres – Forever Strong And Proud“ wie ein Salut an die eigene Fanbase, oder die Erfüllung eines persönlichen Herzenswunsches von DORO, denn die Dame macht im Grunde genau das, wofür man sie liebt oder eben auch nicht. Damit unterstreicht sie aber auch ihren Status als unkaputtbare Instanz, die für ihre Musik und die Metal-Szene lebt. Das allein ist viel wert und darf immer wieder honoriert werden.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 30.12.2023
Stefan Herkenhoff
Doro Pesch, Rob Halford, Sammy Amara
Luca Princiotta, Bas Maas
Johnny Dee
Nuclear Blast Records
55:25
27.10.2023