Es gibt Musiker, die mit all ihren Alben - bei den Cover-Artworks angefangen über die Musik bis hin zum eigenen Image - eine in diesen hektischen Zeiten wohltuende Kontinuität, Ruhe und Gelassenheit verkörpern. Ein Beispiel ist Paul Hiraga, der mit seinem Folkrock-Projekt DOWNPILOT seit vielen Jahren bei der stilbewussten Hamburger Indie-Plattenfirma Tapete einen sicheren Hafen gefunden hat - und deswegen auch ohne großen kommerziellen Erfolg immer weitermachen darf. Zum Glück. Und schön, dass es so viel Label-Treue zu einem Künstler, der absehbar unter dem Radar bleiben wird, noch gibt.
Der US-Amerikaner zahlt diesen Vorschuss aber auch regelmäßig in qualitativ hochwertiger Münze zurück - mit jedem Album aufs Neue. Die siebte DOWNPILOT-Platte seit dem starken Debüt "Leaving Not Arriving" (2003) ist nun sogar ein Höhepunkt in der mehr als soliden Diskografie des Sängers und Multiinstrumentalisten aus Seattle geworden. Und das, obwohl Hiraga hier gar nicht so viel anders macht als auf den Vorgängern "Radio Ghost" (2015) und "This Is The Sound" (2018), sondern in den zehn neuen Songs alles nur noch ein bisschen souveräner und erhabener präsentiert als von ihm gewohnt.
Schon das von blau zu grünbraun changierende Strand-Motiv des Albumcovers sticht hervor - auch früher waren DOWNPILOT-Alben stets edel eingepackt, aber dieses Artwork ist besonders gelungen. Dem Musiker zufolge ist es an einem seiner Lieblingsorte an der Küste von Oregon entstanden, den er gern zum Abschalten aufsucht. Und zu diesem besinnlichen, beruhigenden Naturschnappschuss passt dann auch die Musik.
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Schon der Midtempo-Opener "Black Eye" und das darauf folgende "Totems" mit verspielt-jazzigen Piano-Parts und feinen Refrains machen es dem Hörer leicht, Hiraga in seine Klangwelt zu folgen. Platten von DOWNPILOT haben es so an sich, dass sie wirklich noch als kohärente Songsammlung funktionieren - und nicht als Zusammenstellung von einigen Hits und viel Füllmaterial. Auf "The Forecast" hat Paul Hiraga freilich diverse echte Highlights platziert, die jede DOWNPILOT-Streaming-Playlist zieren könnten.
Etwa das in schönste Westcoast-Hymnik aufsteigende "My Favorite Neighborhood". Oder "Red Desert", wo Hiragas leicht angerauter Gesang prächtig mit einer prägnanten E-Gitarre und den Geigen-Sounds von Melinda Rice verschmilzt. Danach kehrt mit der verschatteten Klavierballade "Strangers Hotel" tief berührende Melancholie ein - hier hat Hiraga eine Melodie gefunden, die an Jeff Tweedys Folkrock-Großtaten mit Wilco heranreicht. Bei "Balancer" könnte es sich glatt um eine verschollenen Seventies-Preziose von Crosby Stills Nash & Young handeln, ehe das sphärische Instrumental "Antfinger" an einen Film-Soundtrack denken lässt. Auch danach bleibt das Album bis zum Titelsong in einem angenehm kontemplativen Flow.
DOWNPILOT ist de facto ein Soloprojekt, die letzten vier Alben hat Hiraga im Alleingang aufgenommen und abgemischt. Auch "The Forecast" ist, abgesehen von einigen Rice-Strings und dezenten Backing Vocals von Jeff Brown, Terry de Castro und Anne Marie Ruljancich, das Ergebnis einer künstlerischen Eigenbrötelei. Da Hiraga seine Kompetenzen beim Songwriting aber so gut wie selten zuvor ausspielt und sich mehrere wohlüberlegte Abweichungen im Detail erlaubt, geht das siebte Album seines bewährten Indiepop-Projekts als sein bisher bestes durch.
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FAZIT: Seit 20 Jahren macht Paul Hiraga im Quasi-Soloprojekt DOWNPILOT zeitlos schöne, für den ganz großen Erfolg vielleicht allzu unspektakuläre Musik. Mit dem neuen Werk "The Forecast" präsentiert der Künstler aus dem Nordwesten der USA sich als Songschreiber, Sänger, Multiinstrumentalist und Produzent in bestechender Form. Wer ein Faible für melodischen, psychedelisch angehauchten Folkrock und Slowcore hat, kann hier bedenkenlos zugreifen.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.03.2023
Paul Hiraga
Paul Hiraga
Paul Hiraga
Paul Hiraga
Paul Hiraga
Melinda Rice (Viola, Violine), , Jeff Brown, Terry de Castro, Anne Marie Ruljancich (Harmoniegesang)
tapete records
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17.03.2023