<img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/632b443f7be945ee9e8e376991a677b7" width="1" height="1" alt=""> "The Mutiny" war 2021 ein klassischer Sleeper: überzeugend vom Start weg, aber zunächst kein Anwärter auf einen der Plätze in der Jahresbestenliste. Dann wollte das zweite MOLYBARON-Album allerdings nicht aus dem Player weichen und entpuppte sich schließlich als Dauerbrenner, von dem man (der Schreiber dieser Zeilen) bis zuletzt nicht genug kriegen konnte. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen an den Nachfolger.
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"Something Ominous" ist seinem Titel und Artwork gemäß düsterer ausgefallen, doch die 2014 gegründete französische Band mit dem irischen Frontmann hält an ihrem metallischen Alternative-Prog-Stil im weiteren Sinne fest - und haben den bereits hohen Ohrwurm-Faktor weiter gesteigert. Richtig neu ist allenthalben die Tendenz zu Sprechgesang in 'Billion Dollar Shakedown'
Die Refrains aller zehn Tracks sind schnell verinnerlicht, die Songs insgesamt machen süchtig, was an MOLYBARONs vollkommener Kombination aus Eingängigkeit mit detailverliebtem Songwriting und Spiel sowie einer unentrinnbar mitreißenden Leadstimme liegt: Wer Gary Kelly bislang noch nicht begegnet ist, kann sich ihm spätestens während des melancholischen, aber letztlich doch erhebenden 'Set Alight' nicht mehr entziehen.
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Mit der Einstellung eines neuen zweiten Gitarristen sind merkwürdigerweise auch die immer noch dezent eingesetzten Synthesizer etwas präsenter im Mix geworden, was mit dazu beiträgt, dass "Something Ominous" noch wuchtiger klingt als das schon mächtig drückende 2021er Werk und das selbstbetitelte Debüt von 2017.
Auf der textlichen Ebene ist "Something Ominous" ein Kind seiner Zeit, wie es der Vorgänger im Grunde genommen auch bereits war: Gesellschaftliche und politische Misstände, Medienkorruption und persönliche (seelische) Probleme - höre das glaubhaft verzweifelte 'Breakdown' - stehen an der Tagesordnung, wozu der immerzu energetische Duktus (Ausnahme, die Gänsehautballade 'Daylight Dies in Darkness') der Gruppe bestens passt.
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Ansonsten die Empfehlung: Das ballernde 'Dead on Arrival' und den Über-Hit 'Vampires' hören, dann dürfte einer langen Liebe mit Band und Platte nichts mehr im Weg stehen.
FAZIT: MOLYBARONs dritter Longplayer sollte die Band auch in Hinblick darauf, dass sie derzeit aggressiv tourt (super Paarung mit Soen) und bei Festivals auftritt, ein gutes Stück weiter vorwärts bringen. Wer große Gesten mit gesundem Pathos und Arena-Hooks mit progressivem Anspruch in Sachen Songstrukturen und insbesondere Rhythmik (virtuose Fingerübungen wird man nicht hören) gepaart sucht, kriegt kaum etwas Besseres als "Something Ominous".
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 06.09.2023
Sebastien de Saint-Angel
Gary Kelly
Gary Kelly, Florian Soum
Camille Greneron
Inside Out / Sony
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15.09.2023