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TNNE: Life 3.0

Stil: Progressive Rock

Cover: TNNE: Life 3.0

Auch bei TNNE – den aus NO NAME hervorgegangenen Luxemburger Proggern – geht das Leben weiter. Und aus musikalischer Sicht sogar in seiner 3.0-Version. Und für diese ließen sie sich gleich satte 6 Jahre nach <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2017/TNNE/Wonderland/" target="_blank" rel="nofollow">„Wonderland“</a> Zeit.

Allerdings wuchs das Konzept hinter „Life 3.0“ nicht auf dem eigenen 'Prog-Mist' von TNNE, sondern basiert auf dem vierteiligen Fantasy-Roman-Zyklus „Otherland“ (allerdings nur dem ersten Teil „Stadt der goldenen Schatten“) des amerikanischen Schriftstellers Tad Williams, in dem es um die unmittelbaren Gefahren einer sich der kompletten digitalen Abhängigkeit hingebenden Welt geht. Denn in „Otherland“ haben ein paar größenwahnsinnige Exzentriker (die Gralsbruderschaft) bereits eine virtuelle Parallelwelt erschaffen – ähnlich wie in Orwells '1984' – und beherrschen darüber mit einem gigantischen Kontrollsystem – dem 'Netz' – die gesamte Menschheit. Nun also kommt es auf die wenigen Widerständler an...

Und genau mit „The Net“ beginnen TNNE dann auch ihr aus bisheriger Sicht Opus Magnum „Life 3.0“. Hierbei laden sie gleich zu Anfang den Hörer in eine Art Soundtrack ein, indem sie Rob Rinaldetti mit tiefer Stimme den Prolog „The Net“ sprechen lassen, der einem Filmtrailer ähnlich die Spannung aufbaut, welche die Thematik des Buchs ausmacht, um dann gleich mit dem viertelstündigen „Dreaming Awake“ alle Schönheiten und Trümpfe Progressiver Rockmusik zwischen Retro, Neo (besonders „No Man's Land“ und „Behind The Mirror“) und zarten Jazz- („Dreaming Awake“), aber auch härteren Momenten („Heavenly Visions“) auszuspielen.

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Bevor dann „Harvest“ zum kurzen instrumentalen Finale ausholt, wird in dem vorherigen knapp 8 Minuten langen „Heavenly Vision“ tatsächlich die himmlische Vision entwickelt, dass mithilfe von Musik der 'Soundtrack des Lebens' völlig neu, natürlicher und besser als in der 'Otherworld' geschrieben werden kann, wobei sich TNNE voller progressiver Komplexität noch einmal gehörig ins Zeug legen. Dabei tauchen mal ein paar IQ- oder ARENA-, dann wieder deutlichere RPWL-Erinnerungen auf, während man sich auf die neoprogressive Lebensreise mit TNNE begibt. Und dass Sänger PATRICK KIEFER mitunter einige Parallelen zu den Stimmbändern von YOGI LANG aufzuweisen scheint, ist ein weiterer Pluspunkt für TNNE und ihr „Life 3.0“, das die Stärken guten Progrocks ausgiebig auslebt, selbst wenn dabei so einige Klischees nicht ausgelassen werden. Nur machen doch gerade diese die Stärke progressiven Musikdenkens und -machens aus, das sich trotz aller Kleinrederei und Nischenverdammung zum Glück einfach nicht unterkriegen lässt: „He felt good and turned up the volume / The beating drums were everywhere.“

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FAZIT: Auch wenn aus den Luxemburgern NO NAME bereits vor 12 Jahren TNNE wurden, so bleiben sie ihren musikalischen, aber auch textlichen Gepflogenheiten zwischen Retro- und Neo-Prog mit konzeptionellem Hintergrund treu, wobei sie dieses Mal in „Life 3.0“ den ersten Teil aus Tad Williams Roman-Vierteiler „Otherland“ zugrunde legen (Auf dem Klappentext des Buchs ist folgendes zu lesen: "'Otherland' ist der 'Herr der Ringe' des 21. Jahrhunderts.") und diesen im Stile eines progressiven Soundtracks genauso komplex vertonen wie es auch das recht kompliziert zu lesende Buch über die Gralsbrüderschaft, die sich einen digitalen Überwachungsstaat erschafft, ist. So schwierig das Konzept auch sein mag, bei TNNE lässt man sich nur zu gerne darauf ein. Passt!

Punkte: 13/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 25.02.2023

Tracklist

  1. The Net
  2. Dreaming Awake
  3. No Man's Land
  4. Behind The Mirror
  5. Heavenly Visions
  6. Harvest

Besetzung

  • Bass

    Stephane Rosset

  • Gesang

    Patrick Kiefer

  • Gitarre

    Cédric Gilis

  • Keys

    Alex Rukavina

  • Schlagzeug

    Gilles Wagner

Sonstiges

  • Label

    Progressive Promotion Records

  • Spieldauer

    42:51

  • Erscheinungsdatum

    27.01.2023

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