Nachts sprießen Pilze aus dem Boden. Warum? Nun, laut Pressetext wurde „Oumuamua“ grundsätzlich in nächtlichen Studiosessions verwirklicht. Das bedeutet aber nicht, dass THE DOGHUNTERS verschlafen klingen.
Das Album gerät mit einer knappen halben Stunde Spielzeit sogar angenehm knackig und lässt schon aus zeitlichen Gründen wenig Raum für (zu) abstruse Traumreisen.
Psychedelisch klingt der Sound trotzdem, aber es findet sich auch eine Menge erdiger Groove. „Kings“ vermengt z.B. Reggae-Elemente (die Strophen) mit flippigem Rhythmus und spacigen Sounds, bevor „Sabai Sabai“ auf Hüftschwinger-Groove setzt, nicht ohne im Refrain psychedelische Weiten zu ergründen.
Ein Pluspunkt des Albums ist auch, dass keiner der Songs die Fünf-Minuten-Marke knackt. Dadurch bleiben die Kompositionen straff, obwohl sich in jedem Song genug Raum für Astralreisen, Traumbilder und halluzinogene Tunnelreisen in andere Dimensionen findet.
Die Musik pulsiert, das Keyboard webt ätherische Klangteppiche und auch die Gitarren driften wahlweise gerne in hippiesken LSD-Äther ab („Giza“) oder grooven aus den bröckelnden Wänden der Weltraum-Garage („Elephant Kiss“). Am Ende scheint „The Sun“ durch das beschlagene Fenster besagter Sternenbude. Das Licht flutet in hohen bzw. tiefen Wellenbewegungen in den unaufgeräumten Raum. Mit minimal spanischem Touch (Stimmung und Groove) poltert die Nummer abschließend ein wenig unkontrolliert umher, findet rasselnd zur Ruhe und endet in einem aufgekratzten Crescendo, bei dem die Musiker nochmal alles geben.
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FAZIT: Vielleicht ist es gar nicht schlecht, dass „Oumuamua“ nur knapp die halbe Uhrenrunde voll macht, denn das Album ist ein spaciges Energiepaket, das nicht ganz einfach zu verdauen ist. THE DOGHUNTERS jagen ihre Hunde durch ein musikalisches Pilzfeld und bestreiten eine ausgeflippte Reise durch Raum und Zeit, die in diesem Format gerade solange dauert, dass sie nicht zu sehr anstrengt. Vielleicht ist diese Musik aber auch nicht dafür gedacht, bei komplett klarem Geist genossen zu werden…? Wer weiß das schon so genau…
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 06.05.2023
Clemens Haberl
Max Bäckmann, Stefan Becker, Markus Haberl
Stefan Becker, Markus Haberl
Markus Haberl
Paul Bäckmann
Tonzonen Records
29:01
21.04.2023