<img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/22a6b0c6f0ec41c889175a9159b14499" width="1" height="1" alt=""> Nach ihrem Quasi-Comeback „A Dying Wish“ scheint es bei THULCANDRA wieder geregelt weiterzugehen, und dass das Nebenprojekt von Obscura-Kopf Steffen Kummerer keinen Fußbreit von seiner Linie abweicht, Hommagen an die frühen Dissection (und andere Vertreter des schwedischen Black/Death Metal der frühen Neunziger) zu komponieren, liegt in der Natur der einmal mehr mit einem Cover in Blautönen versehenen Sache „Hail The Abyss“.
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Abgesehen von einem sehr deutlichen Kniefall vor Celtic Frost und einem getragenen achtminütigen Epos zum Schluss arbeiten sich die Bayern souverän an den Vorgaben „The Somberlain“ (1993) und „Storm Of The Light´s Bane“ (1995) ab, ohne einen wesentlichen Mehrwert in Form richtig denkwürdiger Songs zu bieten.
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Ein paar im Guten wie Schlechten unauffällig brave Nummern wie ausgerechnet der Opener ´In the Eye of Heaven´ oder ´As I Walk Through the Gateway´ haben sich eingeschlichen, komplett mit zweckmäßigen Akustikparts und einem Flair, das an zu schnell abgespielte Iron-Maiden-Platten denken lässt, wie man es von THULCANDRAs ausgewiesenen Vorbildern her kennt. Das Titelstück bietet dabei wirklich großartiges Blastbeat-Sperrfeuer im Wechsel mit lebhaften Thrash-Parts, wie man sie seit ´Night´s Blood´ liebt, und das schreitende ´Acheronian Cult´ hat ein bisschen was von ´Where Dead Angels Lie´.
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Die akustischen Zwischenspiele ´At Night´ und ´In Darkness We Descend vermitteln den Eindruck, man hätte es mit einem in sich geschlossenen Gesamtwerk zu tun, wobei THULCANDRA ihr Heil anscheinend vorsätzlich abseits offensichtlicher Wege (Songstrukturen) suchen, um den Tribut-Charakter vielleicht ein wenig zu relativieren und im Auge der breiten Szene-Öffentlichkeit relevant zu bleiben. Ob das so ist oder nicht: Nötig hat es die Band auf keinen Fall, da sie immer mehr war als eine doofe Cover-Kapelle - und auch mehr bleiben wird.
Die Widerhaken-Melodien in ´Velvet Damnation´ und ´Blood Of Slaves´ sowie der monumentale achtminütige Rauswurf ´The Final Closure´ sprechen dahingehend deutliche Worte, die Celtic-Frost-Hommage ´On the Wings of Cosmic Fire´ überrascht tatsächlich mit primitivem Midtempo-Groove und Tom-Warrior-"Uh!".
FAZIT: Auf "Hail The Abyss" klingen THULCANDRA ein bisschen so, als würden sie nur ihren Schuh herunterspielen. Das Quartett ist versiert genug, um im gegebenen Dissection-Worship-Rahmen logisch aufgehende Songs zu schreiben, wirkte aber noch auf seinem letzten Album deutlich motivierter. Bemühungen, die Schablone nicht zu brav nachzuzeichnen, resultieren in Stücken, die entweder merkwürdig zahm oder unnötig vertrackt wirken, aber bei einer Bilanz von vier Mehr-oder-weniger-Volltreffern in einer Diskografie von nun fünf LPs kann ja auch mal nur gehobener Durchschnitt drin sein.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 10.05.2023
Carsten Schorn
Steffen Kummerer
Steffen Kummerer, M. Delastik
Erebor
Napalm / SPV
48:39
19.05.2023