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Treedeon: New World Hoarder

Stil: Sludge, Noise, Doom Metal

Cover: Treedeon: New World Hoarder

Die zwei Berliner Düstermänner und eine Düsterfrau von TREEDEON haben sich geschlagene fünf Jahre Zeit gelassen, um ihrem finsteren Brocken „Under The Machineel“ einen Nachfolger hinterherzuschicken, der sogar noch düsterer ist. Hier ist er nun: „New World Hoarder“. Sechs Stücke, in denen nach alter Rezeptur erneut Sludge auf Noise und Doom Metal sowie viel bedrohlich anmutendem Geschreie und Sprechgesang trifft und dabei eine Atmosphäre verbreitet, die jeden optimistischen Lichtstrahl während der brutal-dunklen Dreiviertelstunde außen vor lässt. Das Motto darf man dann gerne auch dem Titeltrack entnehmen, der dem der LP beigelegten Textblatt entlehnt ist: „Let's just ignore it all / Earth rise to fire / Sky fall / Who needs to breathe anymore … Our sins are rising“.

„New World Hoarder“ ist eine Abrechnung mit unserer Leichtsinnigkeit und Eilfertigkeit, die unser zerstörerisches Dasein befeuert, bis es zu spät ist. Wir ordnen die Welt nach unseren Bedürfnissen neu bis sie keine natürliche Chance mehr hat.

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Selbstverständlich erfordert eine dermaßen verbale Kraft auch ein gewisses musikalisches Umdenken. Daher lassen es TREEDEON nicht mehr so sludgeig-riffgeladen krachen, sondern setzen verstärkt auf die Doom-Metal-Schiene mit einigen Noise-Einlagen sowie extrem fetten Bässen, welche all die Wut stärker Richtung Finsternis kanalisieren. Und dass dabei gleich männliche wie weibliche 'Schrei-Monster' zum Einsatz kommen, macht die Wirkung deutlich spannender, auch wenn auf Dauer dann doch etwas vokale Eintönigkeit todesmetallische Botschaften verbreitet. Da wünscht man sich an einigen Stellen eben doch geschickter eingesetzten Klargesang anstatt das übertrieben düstere Grummeln.

Auf die Dauer wirken einige bassgeladenen Eruptionen manchmal etwas eintönig, da sie einfach zu wenig Höhen zulassen. Denn speziell wenn der Bass verstummt und klarere Klänge auftauchen, entwickelt „New World Hoarder“ seine eigentlichen Stärken, die besonders in dem die LP-B-Seite eröffnenden „Viking Meditation Song“ zum Ausdruck kommen.

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Hierbei muss natürlich erwähnt werden, dass TREEDEON das Glück haben, ihr Album bei Exile On Mainstream Records zu veröffentlichen, denn deren Label-Philosophie, grundsätzlich ein Album auf Vinyl in Kombination mit einer CD zu veröffentlichen – aber eben nicht separat – ist bewundernswert. Noch dazu, wenn der Rillen-Sound so druckvoll aus den Boxen wummert, dass einem dabei fast die Blumen von den Fensterbänken fallen. So schwarz wie das Vinyl ist eben auch der Doom-Metal-Klang von „New World Hoarder“.

Bemerkenswert ist bei TREEDEON zudem, dass mit Yvonne Ducksworth eine Musikerin hinter dem Bass steht, die sich auch ausgiebig als Sängerin (beispielsweise auch beim Titeltrack) einbringt und maßgeblich an den Texten beteiligt ist, in denen sie viel Frust rauslassen kann. Sie selber meint dazu, dass gerade in den schlechten Zeiten Musik besonders hilfreich sein und mehr bewegen kann: „Die existenzielle Ungewissheit des Lebens auf diesem Planeten, mit diesen Menschen, die glauben, dass sie dieses zerbrechliche Biosystem kontrollieren und für sich ausbeuten können, zwingen uns ihre politischen, kommerziellen und religiösen Ansichten auf, während wir eigentlich nur friedlich und sanft miteinander umgehen wollen. Das ist schmerzhaft.“

Und gerade darum klingt „New World Hoarder“ eben nicht friedlich und sanft, sondern hart, laut, dunkel und schmerzhaft. Eine in Noise, Sludge, Doom und Metal gegossene Anklage gegen das gedanken- und gewissenlose Establishment. Und genau dem hauen sie dann mit dem abschließenden 12 Minuten langen Opus „Läderlappen“, das finale und abwechslungsreichste Highlight des Albums, nochmal gehörig in ihre lügenerprobte Fresse: „We fully pack our rooms / Turn them into our tombs / Choosing lies for our fall“.

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FAZIT: Das Berliner Sludge/Noise/Doom-Metal-Trio TREEDEON erhebt mit knarzendem männlichen und weiblichen Schrei/Sprech-Gesang auf ihrem Album „New Worlds Hoarder“ eine finstere Anklage gegen die schmerzhafte Zerstörungswut des selbstverliebten, modernen Zeitgeistes. Natürlich muss dabei die tiefe Dunkelheit sich aus wummernden Bässen über die sechs Songs ausbreiten, ihnen aber trotzdem noch Raum für knackige, riffgeladene Momente lassen, während der anklagende Gesang schreiend um Aufmerksamkeit brüllt, damit die düsteren Texte ihren apokalyptischen Raum einnehmen können. Manchmal etwas anstrengend und in die Länge gezogen, insgesamt aber ein doom-metallisches Achtungszeichen, das man besonders auf Vinyl genießen sollte.

Punkte: 11/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 19.03.2023

Tracklist

  1. <b>Seite A:</b>
  2. Nutcrème Superspreader
  3. Omega Time Bomb
  4. New World Hoarder
  5. <b>Seite B:</b>
  6. Viking Meditation Song
  7. RHV1
  8. Läderlappen
  9. <b>CD:</b>
  10. Nutcream Superspreader
  11. Omega Time Bomb
  12. New World Hoarder
  13. Viking Meditation Song
  14. RHV1
  15. Läderlappen

Besetzung

  • Bass

    Yvonne Ducksworth

  • Gesang

    Arne Heesch, Yvonne Ducksworth

  • Gitarre

    Arne Heesch

  • Schlagzeug

    Andy Schünemann

Sonstiges

  • Label

    Exile On Mainstream Records

  • Spieldauer

    LP + CD – 45:01

  • Erscheinungsdatum

    17.03.2023

© Musikreviews.de