<img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/e37d228fb21746daadc42593b20c20b4" width="1" height="1" alt=""> Von ATROPHYs Urbesetzung ist 2024 nur noch Sänger Brian Zimmerman übrig, der Rest der neuen Besetzung der B-Liga-Thrasher aus dem US-Bundesstaat Arizona stammt aus extremeren Acts, allen voran Malevolent Creation (Bassist Josh Gibbs) - doch wirkt sich dies irgendwie auf den aktuellen Stil der Band aus?
Das 34 Jahre nach der zweiten LP "Violent By Nature" (das Debüt "Socialized Hate" erschien 1988) veröffentlichte Album "Asylum" klingt tatsächlich nach einem Querschnitt des bisherigen Schaffens, bietet also eine Mischung aus galligem Gedresche und Grooves, die allerdings nie in vom Zahn der Zeit verbissene Hüpf-Animationen ausufern. Zimmermans Stimme ist mit den Jahren fieser geworden, sein Gespür für griffige Hooks bleibt ungebrochen, wobei man sich wie vielleicht schon seinerzeit die Frage stellte, weshalb es Atrophy nie zu höheren Weihen geschafft haben.
Die Antwort lautet trotz Konzerten mit dem Who-is-Who der Szene (Slayer, Exodus, Suicidal Tendencies, Testament, Sacred Reich, Dark Angel…): Die Gruppe war Ende der Achtziger etwas zu spät am Start, und der Thrash-Kuchen weitgehend aufgeteilt. Das neue Material überbietet mitunter alte Kracher wie 'In Their Eyes', 'Process of Elimination' oder 'Chemical Dependency' und wirkt vor allem nicht zwanghaft auf "wir sind zurück gebürstet".
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Das tendenziell vertrackte Songwriting macht insbesondere das im Mittelteil sogar hymnenhafte 'High Anxiety', das tonnenschwere 'Distortion' und das dramatische Finale 'Five Minutes 'Til Suicide' langfristig reizvoll, während die bisweilen zweistimmigen Leads und Solos bis in die splissigen Haarspitzen inspiriert wirken. So gesehen war die Band nie besser, egal ob man sie für ihre Nebenrolle in der Schöpfungsgeschichte des Thrash unter ferner liefen ablegt oder zum Kult hochstilisiert.
FAZIT: ATROPHY melden sich unverhofft und ausgesprochen würdevoll zurück. "Asylum" ist ein vielseitiges Stück US-Thrash, kompositorisch mitreißend, glaubwürdig düster, musikalisch ansprechend und so unaufgeregt produziert, wie man es sich von den Trigger- und Kompressor-geilen (berühmteren) Teilen der Szene wünschen würde.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 06.03.2024
Josh Gibbs, Justin Stear
Brian Zimmerman
Nathan Montalvo, Mark Coglan, Kragen Lum
Jonas Shütz
Massacre / Soulfood
44:19
15.03.2024