DREI SEKUNDEN bis zum Kollaps?
Naja, ganz so schlimm kommt es nicht, aber der kalte Minimal-Sound, der auf „Der Deutsche Frühling“ zu hören ist, bietet zumindest ein interessantes Spiel mit Gegensätzen, das nicht jedem bekommt.
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Die elektronische Kälte, das sphärische Fiepen des Synthesizers sollte nicht des Hörers Feindbild sein um diese Musik genießen zu können. Dabei klingen die Songs trotzdem nicht eintönig. Klar, allzu viel Variation in einem Stück findet sich nicht, aber DREI SEKUNDEN arbeiten vor allem mit Stimmungen.
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Einprägsamstes Element ist dabei der Gesang von Reiner Sladek, der mit seinem dunkel-warmen Timbre für manchen Kontrast zur elektronischen Musik sorgt. Dabei ist dieses Album zu keiner Zeit tanzbar, denn dazu wiegen die Themen und Stimmungen zu schwer, drücken zu sehr auf den Magen.
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Aber in so mancher Eintönigkeit der Stücke liegt auch das Potenzial für Befreiung und Reflektion. Mit Themen wie Liebe, Freiheit und Kontrolle streifen DREI SEKUNDEN außerdem ein breites Feld, das sich beliebig auf die individuelle Lebenssituation des Hörers übertragen lässt.
Voraussetzung dafür ist, ebenjener hat ein Faible für kühle Elektronik, die je nach Stimmung auch mal einschläfert, ehe die mitschwingende Sehnsucht tief ins Herz stechen kann.
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FAZIT: DREI SEKUNDEN wissen ihre persönlichen Erfahrungen durchaus in interessante Klänge zu gießen. Dabei ergibt sich ein etwas diffuses Gefühlschaos, das ohne ein Faible für elektronische Musik nur schwer zu entdecken sein dürfte. So oder so ist „Der Deutsche Frühling“ ein spezielles, aber eben auch interessantes Album.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 09.04.2024
Reiner Sladek
Lenz Lehmair
Lenz Lehmair (Synthesizer, Sounds)
ZickZack Records
46:38
22.03.2024