<img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/15a239e892e7426a91c9d63bf045a6e1" width="1" height="1" alt=""> Spätestens mit ihrem Metal-Blade-Debüt "Etemen Ænka" (2021) und der anschließenden Live-EP "Cycles Of Asphodel" (2022) haben sich DVNE auf breiterer Ebene bemerkbar gemacht - jetzt gilt es, diese relative Bekanntheit weiter auszubauen, und mit ihrer dritten LP hat die britisch-französische Band ein sehr probates Mittel dazu an der Hand.
"Voidkind" spinnt auf der inhaltlichen Ebene den Faden der Story weiter, auf der DVNEs Musik seit ihrer Gründung 2013 beruht. Es handelt sich um ein dystopisches Science-Fiction-Konzept (inspiriert von Dan Simmons' Roman "Hyperion" - 1989, Deutsch 1991 -, Videospielen und Mangas), in dessen Mittelpunkt eine verfolgte Religionsgemeinschaft steht. Die ausgesprochen detailverliebte Handlung samt ihren charakterlich aufwändig gestalteten Figuren haben die Musiker bereits mehr oder minder ausführlich in Interviews erörtert, während auf die Musik bezogen einmal mehr gilt: Man kann sich in die Geschichte vertiefen oder nicht, die Rezeption der Songs bleibt davon weitgehend unbeeinträchtigt.
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"Post-Metal" oder "Prog Sludge" bleiben plausible Begriffe zur stilistischen Einordnung, unabhängig davon nahmen DVNE den Schwung, den sie während der Konzerte im Zuge ihres letzten Albums gewannen, mit ins Songwriting und in die Aufnahmen von "Voidkind". Das teils beim Jammen erarbeitete Material kommt etwas rascher auf den Punkt als die Tracks der beiden Vorgänger, lediglich 'Eleonora', 'Reliquary', 'Abode of the Perfect Soul' und das mit zehn Minuten Spielzeit längste Stück 'Cobalt Sun Necropolis' sind episch ausgefallen. Komplex und nicht besonders leicht verdaulich ist die Platte trotzdem. Die Musik bricht häufig nahezu vollständig in sich zusammen, weshalb der Hörer einen langen Atem braucht (und ihn angesichts der Dramatik des Ganzen oft gespannt anhält), und drei verschiedene Stimmen tragen dem groß angelegten Rahmen in gleicher Weise Rechnung wie eng miteinander versponnene Gitarrenmelodien sowie entsprechend vielschichtige Harmonien.
Die kompakteren Nummern halten indes als Musterbeispiele für das Subgenre als Ganzes her: der wütende Opener 'Summa Blasphemia', das sehnsüchtige 'Reaching for Telos' sowie das vielleicht am ehesten als "Hit" durchgehende 'Sarmatae' mit seinen kurzen Vor-/Nachspielen 'Path of Dust' und 'Path of Ether'. Ein stets Auf und Ab in puncto Stimmung, krasse Dynamiksprünge, rhythmische Extravaganz und typischer Wechselgesang zwischen Growl und Clean.
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FAZIT: DVNEs "Voidkind" bietet durchweg packenden Post Metal im Sinne eines steten Kontrastprogramms aus brachialer Härte und Melodie. Die Band schreibt songdienlicher als je zuvor, doch das erneut an ein Textkonzept gekoppelte Album ist aufgrund seiner Komplexität immer noch nicht allgemeinverträglich - dafür wunderbar abenteuerlustige Musik für alle, denen Gojira zu stromlinienförmig, Klone zu labbrig geworden und The Ocean generell eine Herzensangelegenheit sind.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 09.04.2024
Allan Paterson
Daniel Barter, Maxime Keller, Victor Vicart
Victor Vicart, Allan Paterson
Maxime Keller, Victor Vicart
Dudley Tait
Metal Blade / Sony
58:23
19.04.2024