„Das Über-Icke“ ist ein ideales Album für diese Zeit. GROSSSTADGEFLÜSTER sind witzig, sarkastisch, klug, mitunter tiefsinnig, können Poesie und Posen, vermeiden Plattheiten und stammen aus Berlin. Weshalb ihr Elektro-Pop mit Spuren aus Hip-Hop, der Energie des Punk, Techno und YELLO auch weltläufige Klänge und Moritaten aus dem Milijöh bereithält: „Wer hat die ganze Welt gesehen… von der Havel bis an die Spree?“
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„Das Über-Icke“ platzt vor Charme und besitzt mit Jen Bender die perfekte Sängerin, die sowohl als Rotzgöre, verliebte Trunkenheitsfee („Huckepack“), laszive Chanteuse wie coole Kommentatorin überzeugt. Stil und Substanz. Aber auch ihre Partner in Crime Raphael Schalz und Chriz Falk machen instrumental und vokal eine gute Figur. Kein Problem, elektronische Tanzboden-Attacken mit klavier- und gezwitscherlastigen („diverse Vögel“) Balladen („Ein Tag“) zu verbinden, ohne einen Moment lang disparat zu wirken. Es gibt an allen Ecken und Enden etwas zu entdecken, von popkulturellen Zitaten über kleine Gimmicks („piu piu“) und Gemeinheiten, bis hin zu ironischen Verbeugungen vor klassischer Musik.
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Ein Album, das Kopf und Bauch befriedigt, hinter lockerem Plauderton philosophische Einsichten verstecken kann und nicht zur plumpen Comedyshow verkommt. Die Musik ist geprägt von Lust, Laune und der Neugier, Grenzen zu überschreiten. Wer ein bisschen Spaß an der Vielfalt der elektronischen Musikerzeugung findet, dürfte mit Vielem auf das „Das Über-Icke“ glücklich werden.
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„Matrjoschka“ ist der nachdenkliche, das Zeitgeschehen treffend kommentierende Mittelpunkt des Albums. So viel Spaß das antreibende „Ich kündige“ vermittelt (mit klasse Video und den herzerwärmenden Zeilen: „,Guck, ich zerreiße den Vertrag, schmeiß' die Fetzen in die Luft, wünsche einen schönen Tag, weil ich kündige. Jup! Komm mir nicht mit AGBs, die haben keine Gültigkeit, weil ich die gar nicht les', ey, ich kündige!“) steht dem GROSSSTATTGEFLÜSTER chansonesque Ernsthaftigkeit sehr gut.
Extraordinäre Punkte gibt’s für den „Schweigefuchs“.
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FAZIT: Das siebte GROSSSTADTGEFLÜSTER-Album ist wieder die Wucht in Tüten. Zum Tanzen, Liebhaben und genauen Zuhören bestens geeignet. Oder um es mit der Großstadt (ziemlich laut) zu flüstern: „Wenn eine hier auf Techno macht und scheppert bis das Blech zerkracht, dann… Icke!“
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 26.02.2024
Sebastian Pecznik
Jen Bender, Raphael Schalz
Axel tenner, Sebastian Pecznik
Raphael Schalz
Chriz Falk
Hannah von Hübbenet, Ludwig schulz (Violin), Diverse Vögel (Gezwitscher)
BMG
43:39
09.02.2024