<img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/854862acec1f48d7aa6db5877daee8ee" width="1" height="1" alt=""> Mit vier Alben in zwölf Jahren (je zwei EPs und Splits nicht mitgerechnet) legen THE INFERNAL SEA einen guten Schnitt hin, und obwohl sich die verhüllten Mitglieder zuvor teilweise im technischen Death Metal beziehungsweise Metalcore tummelten, könnte „Hellfenic“ , das neue Werk der Briten, kaum treffender ins zeitgenössische Black-Metal-Geschehen passen.
Die Band ist an und für sich nahezu völlig orthodox, fährt aber einen druckvoll transparenten Sound, der noch genügend kratzige Rohheit für die Szenebasis aufweiset. Das Quartett hat zwar in der Vergangenheit mal Darkthrone gecovert, schlägt aber, was Norwegen angeht, chirurgisch genau in die Kerbe von 1349 und stellenweise sogar Mayhem, gleichwohl es harmonisch etwas konservativer und selten dissonant zugeht. Der vertonte D-Zug 'The Hunter' und die peitschende Single 'Bastard Of The East' gehen in diese Richtung und stünden im Grunde auch den jüngeren Watain ganz gut.
'Shadow Of The Beast' verschränkt eine Melodien betonende flotte Gangart mit massiv drückenden Parts und halb klaren Vocals in den Kehrversen, wobei man Dean Lettice überhaupt als bestechenden Black-Metal-Frontmann hervorheben muss - gut verständlich, ausdrucksstark und glaubwürdig böse. Bassist Chris Revett setzt zwischendurch ebenfalls melodische Akzente, und mit dem nicht nur unterschwellig traditionellem Epic Metal huldigenden 'Witchfinder' landet die Gruppe sogar einen kleinen Hit.
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Der größere ist indes 'Black Witchery', komplett mit punkigem "one, two, three, four"-Einzählen und rock'n'rolligen Solos, die an so etwas wie nordische Motörhead denken lassen. Anscheinend gehen THE INFERNAL SEA gerne zwanglos mit der Materie Black Metal um und lassen trotz ihrer visuellen Geheimnistuerei/Ernsthaftigkeit zuallererst die Musik sprechen - und darin ist alles erlaubt, was Spaß macht, auch ein monumentales Finale von neun Minuten wie 'Messenger Of God'.
FAZIT: Facettenreicher Black Metal ohne jegliche Abgeschmacktheit und trotzdem völlig traditionell - diese Beschreibung dürfen sich THE INFERNAL SEA für ihre vierte LP ins Schwarzbuch schreiben, doch "Hellfenic" bietet ganz grundsätzlich trickreiches Songwriting, wie man es im extremen Bereich eher in Ausnahmefällen als regelmäßig aufgetischt bekommt.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.01.2024
Chris Revett
Dean Lettice
Jonathan Egmore
James Burke
Candlelight / Universal
43:06
26.01.2024