<img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/9be8866867d648d3a3913323c64e2c30" width="1" height="1" alt=""> Obwohl THE PINEAPPLE THIEF in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiern, kann man durchaus der Meinung sein, die Band sei mit den jeweiligen Einstiegen von Keyboarder Steve Kitch (2005) und Drummer Gavin Harrison (2017; auch King Crimson, Porcupine Tree) zu einer anderen geworden. Der "alternative", bisweilen experimentelle Ansatz ist einer Zielstrebigkeit gewichen, die sich meistens in kompakten Kompositionen mit greifbarem "Fleisch" (Gitarren) an den Knochen widerspiegelt.
Den nächsten Höhepunkt dieser Entwicklung markiert nun "It Leads To This", ein in dreijähriger Arbeit verwirklichtes Destillat aus musikalischen Ideen, die in durchschnittlich knapp fünf Minuten auf den Punkt gebracht werden, und zwar mit Bandkopf Bruce Soords unverkennbarer Handschrift wie zur Stärkung einer im Lauf der Jahre phasenweise fragwürdig gewordenen Identität. Damit setzt das Quartett den Tenor der seiner letzten zwei Alben "Versions of the Truth" (2020) und "Give it Back" (2022) fort, die nicht nur in gleichmäßigem Abstand voneinander herauskamen, sondern auch stilistische Beständigkeit mit klaren Visionen verkörperten.
Das fast soulige 'Put It Right' fungiert auf seine sachte Art als längeres Intro, gleichwohl Soords Gesangsmelodie schon ein erstes Hook spendiert. 'Rubicon' erfüllt dann im Anschluss das Versprechen der Band, verstärkt mit Gegensätzen zu arbeiten; Härte und Zerbrechlichkeit, Ungestüm und Kontrolle, Dissonanz und Harmonie gehen auf "It Leads To This" tatsächlich Hand in Hand, hier etwas über eine Kontrastierung eines simplen wie schroffen Gitarrenriffs mit weiten, eleganten Melodiebögen. Am "extremsten" wirken die Wechsel im mal poppig pulsierenden und mal schwer krachenden 'All That's Left'.
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Soords über die Jahre hinweg kaum verändertes Anliegen, sich selbst und die Welt mittels Musik besser verstehen zu lernen, äußert sich im Laufe der Platte immer wieder in geistreichen Einzelzeilen, doch die letzten drei Tracks sind diesbezüglich besonders aufschlussreich. Überdies bilden das erst melancholische, dann bedrohliche 'Now It's Yours', das erhebende 'Every Trace of Us' und das halbakustische 'To Forget' mit seinem filmreifen Arrangements einen äußerst starken Endspurt.
Das Titelstück ist ein an- und abschwellender Zwitter aus breiten Gitarren/Keyboard-Akkordflächen und luftigen Momenten, die an Kammermusik ohne akustische Instrumente denken lassen. Dafür steht Soords längst ausgesprochen charismatisch gewordene Stimme stärker denn je im Brennpunkt. Das nach dem gleichen Prinzip aufgezogene 'The Frost' (tolle Harmonisierung der Vocals übrigens) hätte nicht klüger als erste Vorab-Auskopplung gewählt sein können, weil hier alle "Rädchen" ineinandergreifen: eine im minimalistischen Rahmen virtuos groovende Rhythmusgruppe, Gitarrenpower und vielschichte Keyboards - so klingt eine bestens aufeinander eingenormte Band.
FAZIT: "It Leads To This" erweist sich zum Jubiläum der Gründung von THE PINEAPPLE THIEF als (auf die Diskografie der Band bezogen) Top-3-Album. Die Alternative-/Artrock-Veteranen haben sich noch nie so ausdrucksstark kurz gefasst wie 2024, und dass die Songs über längere Zeit hinweg in
Gemeinschaftsarbeit entstanden sind, hört man überdeutlich. Eine reife Glanzleistung für den Kopfhörergenuss - auch wegen der raumgreifenden Produktion - und idealerweise in der Version mit Bonus-CD mit Alternativfassungen ("Y Aqui Estamos") zu genießen.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.02.2024
Jon Sykes
Bruce Soord
Bruce Soord
Steve Kitch
Gavin Harrison
Ksc
40:45
09.02.2024