Wie klingt eigentlich JOY DIVISION auf Garagen-Rock-Tripp, rein instrumental, klangtechnisch etwas verwaschen sowie ziemlich verhallt und mit ein paar Surf/Americana-Country-Zügen?
Klare Antwort: So wie „Surfin' Pleasures“ von THE ROUTES!
Schon der erste Eindruck – noch bevor die LP ihre Runden auf dem Plattenteller zieht – verweist uns schon mit unverkennbarer Offensichtlichkeit auf das JOY DIVISION-Cover von „Unknown Pleasures“ aus dem Jahr 1979.
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Und dann erst die Musik dieses anglo-japanischen Garage-Rock/Garage-Punk/Surf-Gitarren-Trios, das so offensichtlich nicht nur JOY DIVISION, sondern auch rundum den 60er-Jahre-Gitarrenband-Charme irgendwo zwischen THE SHADOWS und THE SPOTNICKS oder JOHNNY AND THE HURRICANES sowie THE VENTURES wiederauferstehen lässt. Also in den Zeiten der als Beispiel benannten Bands wären die drei Herren ein echter Top-Act. Heutzutage aber klingt „Surfin' Pleasures“ und diese rein instrumentale Bearbeitung von ausschließlich JD-Songs doch eher exotisch, was bei dem Mega-Song „Love Will Tear Us Apart“ beginnt und dem düster gehaltenen „Ceremony“ endet.
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Zwar spürt man hier die JOY DIVISION-Aura, aber viel mehr eben doch den instrumentalen Surf-Charakter der 60er-Gitarren-Bands. Und ja, das macht verdammt großen Spaß – vorausgesetzt, man schwelgt gerne in Erinnerungen und legt auch heutzutage noch eine seiner unzähligen THE SHADOWS-Platten auf, die ja bekanntlich auch leidenschaftlich von den BEACH BOYS geliebt wurden.
Übrigens 'vergreifen' sich THE ROUTES mit diesem Album nicht das erste Mal durchgängig für ihre LP an einer Band, sondern überraschten beispielsweise vor zwei Jahren auf „The Twang Machine“ mit ihren surfigen Interpretationen von KRAFTWERK-Klassikern und verschonten auch weitere Bands, wie beispielsweise THE BUZZOCKS, nicht davor, ihre Garagen-Sound-Hände an deren Musik anzulegen.
Das alles ist natürlich Geschmackssache und lässt wohl all diejenigen kalt, die nicht gerne noch heute in einer Zeit wildern, in der man seine Musik besonders aus der Jukebox genossen hat und zu reinen Gitarreneskapaden, welche beispielsweise auch bestens in den einen oder anderen QUENTIN TARANTINO-Film passen würden, ausflippen konnte.
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In diesem Sinne: Viel Vergnügen bei einem Ritt durch die weite Steppe in Richtung eines einsamen Saloons, hinter dessen Türen uns der wahre Horror und das große Gruseln erwartet. Nur dass auf der Bühne dazu in herzlichem Einklang mit der whiskeyschwangeren, weil sonst zu furztrockenen Atmosphäre JOY DIVISION und THE ROUTES ihr gemeinsames Stelldichein geben, während ein paar mordgierige Cowboys ihre Revolver durchladen und die blutrünstigen Indianer ihre Messer wetzen...
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FAZIT: Aber hallo, das muss man sich erstmal trauen, was uns hier die in Japan ansässigen THE ROUTES anzubieten haben. THE ROUTES bieten mit dieser Platte voller Kult-Songs von JOY DIVISION ihre ureigenen Garage-Rock/Punk/Surf-Sounds (also Cover-Versionen kann man das eigentlich nicht nennen), die nicht nur JOY DIVISION, sondern auch rundum den rein instrumentalen 60er-Jahre-Gitarrenband-Charme irgendwo zwischen THE SHADOWS und THE VENTURES wiederauferstehen lässt. Das hat was Freches wie Geniales und Provokantes. Und es klingt schon jetzt nach echtem Kult. Zumindest genau nach dem, der schon gut 60 Jahre auf dem Buckel hat und leider im Zeitalter der Beatmusik, zwecks mangelnden Gesangs, in Vergessenheit geriet. THE ROUTES sind eben mehr die surf-gitarren-soundigen 'Jukebox-Heroes' aus Japan als die glattgebügelten Brit-Popper mit dicker Hose und E-Gitarre...
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 31.12.2024
Toru Nishimuta, Chris Jack
Chris Jack
Bryan Styles
Chris Jack (Percussion)
Topsy Tuvy Records
41:46
08.11.2024