<img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/861b8d8b62c443298a938e2a00f3226a" width="1" height="1" alt=""> Nach dem letzten Studio-Knaller "Songs from the Hard Shoulder" (2022) und dem opulenten Live-Doppelalbum aus dem vergangenen Jahr hauen THE TANGENT eine weitere umfangreiche LP mit neuen Kompositionen heraus und halten ihr astronomisch hohes Niveau. Ein wesentlicher Unterschied gegenüber dem Vorgänger: "To Follow Polaris" verpasst dem angestammten Retro-Prog-Sound der Gruppe eine dezente Frischzellenkur - notwendigerweise, denn die "Band" ist vorübergehend ein Ein-Mann-Betrieb.
Auf seine alten Tage nimmt Andy Tillison sicherlich keine einschneidende Kurskorrektur mehr vor, doch die aktuellen Kompositionen des ansonsten als Quintett operierenden Ensembles sind mit Überraschungen gespickt, die The Tangent selten in so hoher Dichte geboten haben. Produktionstechnisch wird an alten Tugenden festgehalten, doch das Material kommt eine Spur druckvoller daher als zuletzt, und speziell in der Synthesizer-Abteilung fügt Tillison den traditionelle Klängen auch einige unverbrauchte hinzu.
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So taucht das Hörerlebnis vom Start weg in ein Wechselbad aus Vertrautheit und neuen Eindrücken. 'The North Sky' ist sowohl in seiner elfminütigen Vollform als auch als kompakter 'Radio Edit' ein Hit mit hymnischem Refrain-Hook, während ringsum eine ganze Menge geschieht: Yes-Gesangsharmonien treffen auf trippige Breakbeats, satter Orgel-Hardrock auf Folk Prog mit Flöte (alle Bläser stammen diesmal aus der Retorte), und so geht's munter weiter.
'A Like in the Darkness' (man beachte das Wortspiel und die entsprechend hintersinnigen Lyrics) passt mit seinen schroffen Zwischentönen, finsteren Rhoads-Piano-Einlagen und E-Drums gar nicht so recht ins Bild der harmonieverliebten Nostalgiker, als die der Szenegänger The Tangent ansieht, doch solche Brüche stehen dem diesmal nur vom Bandleader selbst vertretenen Ensemble ausgezeichnet - auch im 21-minütigen Kernstück 'The Anachronism' mit seinen collagenhaften Soundtrack-Momenten und dissonanten Gitarren-Eruptionen im Mittelteil.
Der Spannungsbogen des abschließenden 'Tea at Betty's Simulation' (17:31 Minuten) ist dem nicht ebenbürtig, es handelt sich eher um einen ausladenden Zusammenschluss von Ideen, die wohl beim Improvisieren entstanden und von einem ruhigen Jazz-Intro bis zu nahezu metallisch harten Rhythmussperenzchen reichen. Das sanfte 'The Fine Line' und 'The Single' (selbstredender Titel - noch ein poppiges Highlight mit AOR-Einschlag) runden dieses nicht nur hinsichtlich seiner Entstehung außergewöhnliche Werk auf leicht zugängliche Weise ab.
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FAZIT: "To Follow Polaris" nimmt eine Sonderstellung in THE TANGENTs Diskografie ein, weil Andy Tillison allein dafür verantwortlich zeichnet. Nichtsdestoweniger bleibt die Band dahinter als solche erkennbar, bloß dass die notgedrungen andere Arbeitsweise (die übrigen Mitglieder gingen anderen Verpflichtungen nach) eine bisher ungekannte Vielseitigkeit bewirkte. Flucht nach vorne, Identität bewahrt und die gewohnte Klasse bewahrt - alles richtig gemacht! Und die 14. Studioproduktion entsteht dann bald wieder im Quintett.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 30.04.2024
Andy Tillison
Andy Tillison
Andy Tillison
Andy Tillison
Andy Tillison
Inside Out / Sony
75:38
10.05.2024