Im Post-Hardcore-Genre ist es nicht unüblich, Schmerzgrenzen auszuloten, bzw. sie auszuleben. Die Amis von TOUCHÉ AMORÉ bilden da keine Ausnahme und bewegen sich mit ihrem aktuellen Werk „Spiral In A Straight Line“ im Bereich emotional aufwühlender Schreimusik.
Dabei schwingt in sämtlichen Songs (auch aufgrund des zerbrechlich-aggressiven Schrei-Gesangs von Jeremy Bolm) eine melancholische, in manchen Teilen vielleicht sogar depressive Note mit. Gleichzeitig sind Stücke wie der energische Opener „Nobody’s“ griffige Ohrwürmer, deren Groove den Körper regelrecht durchzuckt.
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„Disasters“ klingt im Anschluss wahrlich nach emotionaler Apokalypse. So melancholisch die Gitarren hier ans Werk gehen, so zerbrechlich wirkt z.B. der Mittelteil des Songs, in dem der Gesang doch recht aggressiv auf die Tränendrüse drückt.
„Hal Ashby“ ist nicht nur eine akustische Ehrerbietung an den gleichnamigen Regisseur, sondern eine der zerbrechlichsten Nummern auf „Spiral In A Straight Line“, die aber, dank dezentem Indie-Vibe, eine Menge Ohrwurmpotenzial mitbringt.
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„Force of Habit“ schält sich als melancholischer Smasher zwischen Schmerz und Selbstaufgabe mit der Zeit als eine der mitreißendsten Nummern auf der Scheibe heraus, ehe „Mazzanine“ mit Dissonanzen jongliert und eine Menge (Auto-)Aggression suggeriert (da kann das letzte Drittel noch so verkappt tränenreich klingen).
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Generell halten sich in den Kompositionen Schmerz und Wut die Waage, was auch die Genre-typische Energie und aufgekratztes Geschrei neben tieftraurigen Texten nicht ungewöhnlich erscheinen lässt (z.B. in „Finalist“).
Ein wenig ungewöhnlicher mag da eher das ruhige „Subversion (Brand New Love“) wirken, denn der balladeske Start überrascht zunächst. Der Indie-Charakter des Songs steht TOUCHÉ AMORÉ aber hervorragend zu Gesicht, schält er doch die tiefgehende Emotionalität, die sich auch in den Texten wiederfindet, noch mehr nach außen.
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„Goodbye for Now“ beendet „Spiral In A Straight Line“ als emotionales Auf und Ab zwischen Schmerz und Ruhe sowie Geschrei und indiehaftem Damengesang von Julien Baker. Das Ergebnis klingt über weite Strecken wie eine spontane Jam, entstanden aus schmerzgeschwängerter Wut auf sich selbst.
Womit das Ende für dieses Album mehr als passend ausfällt.
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FAZIT: TOUCHÉ AMORÉ erfinden den Post-Hardcore mit „Spiral In A Straight Line“ sicher nicht neu, aber sie präsentieren einen spannenden Mix aus unterschiedlichen Stilmitteln, ohne aus dem eigenen Genre-Korsett auszubrechen. Die Songs sind gut gemacht und fallen auch emotional griffig aus, womit die Anforderungen an das eigene Genre überzeugend erfüllt werden.
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Erschienen auf www.musikreviews.de am 28.01.2025
Tyler Kirby
Jeremy Bolm
Clayton Stevens, Nick Steinhardt
Clayton Stevens
Eliot Babin
Rise Records
31:55
11.10.2024