Was vor einigen Jahren als Singer/Songwriter Straßenmusik-Projekt als Teil der Rotzfreche Asphaltkultur (RAK) begann, hat sich zu einer vierköpfigen Rock/Punk-Band gemausert, die aber weiterhin für ihre Ideale und Meinungen einsteht und gesellschaftskritische Themen aufgreift. Das wurde bereits mit der Vorabsingle „Lass Sie Los“ des Leipziger Quartetts WONACH WIR SUCHEN aus ihrem nun veröffentlichten zweiten Bandalbum „Mauern“ deutlich. Hier geht es um toxische Männlichkeit, Übergriffigkeit, Manipulation und Gewalt gegen Frauen. Kongenial umgesetzt in dem zugehörigen Video, in dem bekannten Künstlerinnen und Influencerinnen zu Wort kommen und Einblicke in den Sexismus und Übergriffigkeiten gegen Frauen im Netz geben, erschreckend komplementiert durch eine Auswahl an Original-Hasskommentaren, die die Protagonistinnen tagtäglich über sich lesen müssen. Dass das Video eine Triggerwarnung hat, ist daher (leider) erschreckend nachvollziehbar.
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Auch die anderen Songs des Albums widmen sich größtenteils gesellschaftskritischen Themen wie unsere soziale und ökologische Verantwortung („Anständig Sein“) oder soziale Isolation („Normal“). Aber nicht alles ist düster und so gibt es neben den schweren Themen auch einen Ausweg und Hoffnung, wenn wir denn die ‚Füße aus dem Sand ziehen und den Kopf hinterher‘ und nicht ‚Immer nur vom Meer träum(en)‘ („Vom Meer“).
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Musikalische bietet das Album einen Mix aus schepperndem Punk, krachendem Rock, manchmal angereichert mit etwas Garage-Feel („Lass Sie Los“), jazzigen Vibes („Hier Und Da“), funkig-groovende Gitarreneinwürfen („Sommer Aus“) oder Reggae-Anleihen („Dein Herz“). Aber es geht auch leise(r) wie das wie das nur von der Gitarre begleitete „Gefühle An“, das durch ein wunderbares Bläser-Solo abgerundet wird. Über all den mal rotzig-lärmenden oder nachdenklich-melancholischen Stücken ist die Stimme von PIRR, irgendwie zwischen BELLA B und RIO REISER, die den nötigen Straßenschmutz geschluckt hat, der diese Musik erst glaubwürdig macht.
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FAZIT: Auf ihrem neuen Album „Mauern“ greift WONACH WIR SUCHEN viele gesellschafts- und sozialkritische Themen auf und packt sie in wütende Punkrock-Stücke und nachdenkliche Singer/Songrwiter-Nummern. Der rotzige Sound und die von jahrelanger Straßenmusik gestählte und verstaubt-raue Stimme von PIRR verleihen den Stücken die nötige Glaubwürdigkeit und machen das Album zu einem nachdenklichen und aufrüttelnden Werk. Das uns aber auch etwas Hoffnung zeigt. Wenn wir uns denn aufmachen, die Dinge zu ändern. Am besten heute.
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 10.01.2025
Pirr
Pirr, Robbe, Fatima, Rodi
Robbe, Grüner
Falk
Hot Staff Brass Band (Bläser), Pirr (Mundharmonika)
wonach wir suchen GbR
39:21
10.01.2025