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Blondshell: Violins

Stil: Singer/Songwriter, Indie-Rock, Psychedelia

Cover: Blondshell: Violins

Man sagt ja, dass mit einer neuen Frisur (und/oder einer neuen Haarfarbe) auch immer ein neues Kapitel im Leben aufgeschlagen wird. Im Falle der kalifornischen Musikern SABRINA TEITELBAUM (sehr viel besser bekannt unter ihrem Künstlernamen BLONDSHELL) könnte das zumindest in musikalischer Hinsicht auch für ihr drittes Album „Violins“ gelten.

Denn frisch blondiert begibt sie sich mit ihrem bewährten Team auf die Suche nach Möglichkeiten, ihre Songs musikalisch und inhaltlich neu zu formatieren. Die Sache war nämlich die, dass die Songs (und teilweise auch der Sound) von BLONDSHELL – abgesehen von Zufallstreffern – bislang oft unterhalb der Grenze ihrer Möglichkeiten zu verharren schienen und teils einen suchenden, fragmentarischen Charakter aufwiesen. Damit scheint nun Schluss zu sein, denn auf „Violins“ werden keine Kompromisse mehr gemacht.
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So etwa sieht Teitelbaum keine Notwendigkeit mehr darin, ihre Gedanken hinter Metaphern oder fiktiven Geschichten zu verbergen, sondern entwickelte eine unglaublich offenherzige, authentische Weise, eben diese Gedanken unverblümt und im Klartext ohne Filter zum Ausdruck zu bringen. So spricht sie über Krankheit, Tod, Abhängigkeiten, mentale Gesundheit, Körperlichkeiten, Selbstwahrnehmung, Beziehungsdynamiken und selbstverständlich auch die allgegenwärtigen Themen Empowerment und Selbstverwirklichung.

Das neue songwriterische Selbstbewusstsein macht sich musikalisch durch einen entsprechend voluminösen Sound bemerkbar. Auch wenn Stücke wie der Opener „Violins“, der Closer „Für Elise“ – aber auch „Lucky“ oder „Sea Legs“ sich zunächst mit balladesker Zurückhaltung beim Hörer anmelden, geraten doch die meisten Tracks zu monumentalen, fast schon überwältigen Grunge- und Rock-Hymnen, die dann von Produzent YVES ROTHMAN auch entsprechend voluminös und druckvoll in Szene gesetzt werden.
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„Ich hatte nicht mehr das Gefühl (im Studio) im Dunklen zu tappen“, sagt die Musikerin selbst. Gerade diese Aussage bringt das neue Selbstbewusstsein am besten zum Ausdruck, denn auf ihren ersten beiden Alben schien es oft Bedenken gegeben zu haben, die musikalischen Ideen konsequent auszuformulieren.

Nicht so auf diesem Album. Hier wird nicht mehr gebremst und gezögert: Gleich der Opener „Violins“ gerät nach einer folkigen Einladung zu einer brachialen Indie-Pop-Hymne während sich „Heart Has To Work So Hard“ über einen polternden Groove zu einer mächtigen Power-Ballade auftürmt. Das ist ganz ähnlich wie bei dem Track „Reinstall“ am „Violins“-Ende. Dieser Song über einen Ausflug nach Carmel, bei dem Familienbeziehungen neu sortiert werden, beginnt als konventionelle Piano-Ballade (etwas ganz Neues für BLONDSHELL), kippt dann aber etwa zur Hälfte ins Monumentale, Epische um. Dabei müssen nicht alle Tracks mit Grunge-Sounds alleine auskommen. „Stone Fruit“ etwa bietet Glam-Flair und „Two Fried“ überrascht mit Chamber-Pop-Verspieltheit.
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Eigentlich verharrt so nur der Track „New Shape“ in seinem moderat-balladesken Setting und bewahrt seinen akustischen Charakter bis zum Ende, obwohl sich auch hier dann wieder Klangwellen auftürmen. Der Song handelt davon, zu Hause zu bleiben und dort über verpasste Chancen und amouröse Verwicklungen zu resümieren – da kann man schon mal entspannt an die Sache herangehen. „Knotted“ ist zwar ähnlich strukturiert, eröffnet aber schon mit Indie-Gitarren-Sounds und ist demzufolge weniger entspannt angelegt.

Noch eine Auffälligkeit sollte unbedingt erwähnt werden: Der letzte Track „Für Elise“ ist keineswegs eine Beethoven-Coverversion – viel mehr träumt BLONDSHELL hier davon, auf einer Hochzeit gerne „Für Elise“ hören zu wollen und kleidet diesen Traum aber ihrerseits musikalisch in ziemlich mächtige Powerchords.
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FAZIT: Mit ihrem dritten Album „Violins“ scheint BLONDSHELL zu ihrer musikalischen Mitte gefunden zu haben. Das Album funktioniert als beeindruckendes klanglichen Monument ebenso wie als brillante Songsammlung. SABRINA TEITELBAUM macht mit diesem Album einen großen Schritt nach vorne. Und genauso stellt man sich die kreative, künstlerische Weiterentwicklung einer sensiblen Künstlerin im Idealfall vor.

Punkte: 13/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 03.10.2026

Tracklist

  1. Violins
  2. Heart Has To Work So Hard
  3. Lucky
  4. Sea Legs
  5. New Shape
  6. Stone Fruit
  7. Two Fried
  8. New Age Trojan Horse
  9. Knotted
  10. Reinstall
  11. Für Elise

Besetzung

  • Bass

    Anna Butterss

  • Gesang

    Sabrina Teitelbaum

  • Gitarre

    Sam Stewart, Pierre Simon

  • Schlagzeug

    Bosh Rothman

Sonstiges

  • Label

    Partisan Records

  • Spieldauer

    39:34

  • Erscheinungsdatum

    25.09.2026

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