GREEN CARNATIONs zweiter Langdreher nach einer längeren Band-Pause ist gleich Bestandteil eines ambitionierten Projekts: Er bildet den Auftakt für eine dreiteilige, mit „A Dark Poem“ betitelten Reihe lose zusammenhängender Musikalben, die in kurzem Abstand veröffentlicht werden, wobei der Nachfolger des hier gegenständlichen, „The Shores of Melancholia“ benannten ersten Parts schon in den Startlöchern steht.
Zwar kann man das abwechslungsreiche musikalische Geschehen dieser sechs neuen Tracks dem Progressive Metal zurechnen, insgesamt ist dem norwegischen Kollektiv jedoch daran gelegen, eine grundsätzliche Zugänglichkeit aufrechtzuerhalten, was nicht nur an Kjetil Nordhus‘ samtweicher Vokallinie, sondern auch den nachvollziehbaren Song-Strukturen liegt. Dem Ideenreichtum und – man könnte sagen: – der Kühnheit der Songwriter ist es dabei dennoch zu verdanken, dass an dem einen Ende psychedelische, von sanfter Bassline getragene Prog-Rock-Stücke („Me, My Enemy“), an dem anderen Ausflüge in nordisches Extrem-Metal-Terrain, inklusive Einsatz harscher Vocals des ENSLAVED-Frontmanns Grutle Kjellson, stehen („The Slave That You Are“).
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Stellenweise kommen einem, insbesondere in den Doom-Metal-Abschnitten (etwa des mit Jahrhundert-Refrain versehenen Openers „As Silence Took You“), die Briten von PARADISE LOST in den Sinn, solange wie GREEN CARNATION nicht ihre Vorliebe für orgelgesättigten Siebziger-Hardrock ausleben oder ihr Liedgut, wie in der Single-Auskopplung „In Your Paradise“, mit folkigen Flötentönen anreichern. In rein instrumentaler Hinsicht gibt es an diesem Album einiges zu lieben und zu entdecken, und die genannten Stilelemente repräsentieren demgemäß nur eine exemplarische Auswahl. Zu den wunderschön wehmutsvollen Gitarren des fast zehnminütigen Rausschmeißers „Too Close To The Flame“ wurde hier beispielsweise noch kein Wort verloren.
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FAZIT: GREEN CARNATION können mit ihrer eingängigen Natur von Beginn an Haken auswerfen und den Hörer catchen, nicht zuletzt aufgrund der wunderbaren elegischen Vocals, gleichzeitig besitzt dieser erste Teil der „A Dark Poem“-Trilogie genug progressive Facetten, sodass ebenso der langfristige Genuss garantiert ist. So muss das!
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 19.04.2026
Stein Roger Sordal
Kjetil Nordhus
Bjoern Harstad, Stein Roger Sordal
Endre Kirkesola
Jonathan Perez
Ingrid Ose (Flute), Grutle Kjellson (Harsh Vocals), Henning Seldal (Percussion)
Season Of Mist
42:43
05.09.2025