Auf „For Love of Grace & the Hereafter“ nehmen die Punkrocker ICEAGE spürbar Tempo raus und schielen stärker in Richtung britischer Pub-Pop – inklusive rotziger LMAA-Attitüde. Schon der Opener „Ember“ taugt als Kneipen-Hymne: Pintglas hoch, Brust raus, Refrain mitgegrölt.
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Auch danach dominiert mit „Match Head Girl“ eher verschwitzte Geselligkeit als blanke Punk-Aggression. Doch wer nur die Party hört, übersieht die Details: melodiöse und rhythmische Finessen untermauern abwechslungsreiche Arrangements.
Überhaupt streut die Band munter Stilbrüche ein – 60s-Rock’n’Roll-Anleihen treffen auf schräge Flötentöne („The Weak“), ein Funkbeat zündet die Lunte für eine wilde Country-Rock-Nummer („Salve Dir Every Sore“). So erweitern die Dänen ihren Songkatalog um allerlei artfremde Zutaten – und sorgen so für reichlich Abwechslung jenseits des reinen Drei-Akkord-Durchmarschs.
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So wartet man gespannt darauf, welche musikalischen Brüche und Überraschungen die nächste Nummer bereithält. Verzahnte Gitarrenriffs im launig-poppig dahinschlurfenden „Tender Blades“ oder die Disco-Wave-Nummer „Star“ – die Band hat sich hörbar vorgenommen, sich in keine Schublade stecken zu lassen.
Und dieses Vorhaben treiben sie konsequent voran: Kaum meint man, den Sound verortet zu haben, wird mal am Tempo geschraubt oder kurzerhand die Zählzeit verschoben. In Dänemark scheint man auf jeden Fall eine Menge Zeit für musikalische Einfälle zu haben.
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FAZIT: ICEAGE schalten auf „For Love of Grace & the Hereafter“ etwas zurück, ohne an Biss zu verlieren. Statt durchgehendem Punk-Druck setzten die Dänen auf verschwitze Kneipenstimmung und eine Reihe stilistischer Hakenschläge. Und genau diese Mischung aus rotziger Lässigkeit und detailverliebten Arrangements macht den Reiz dieses Albums aus.
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 16.06.2026
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