Jamaika-Feeling trifft auf kölsche Stadtmentalität.
Ska trifft Reggae, wobei der Punk-Anteil, nur in Nuancen zum Vorschein kommt. Stattdessen sorgt der Two-Tone-Anteil für ein Gefühl von Ironie, das u.a. auch in Texten von Stücken wie „Merz lass nach“ den ein- oder anderen Seitenhieb in Richtung Rassismus mit gewitzter Formulierung verteilt.
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Gleichzeitig ist das musikalische Gefühl von Leichtigkeit und Strandurlaub, das in allen Stücken dank der dominanten Bläser und Off-Beat-Rhythmen zum Vorschein kommt, wahlweise willkommene Alltagsflucht oder eben authentische Vertonung eines emotionalen Zustandes. Denn der Moment lässt sich selbst dann genießen, wenn die Zukunft ungewiss erscheint.
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Diese musikalische Lockerheit, mit der KAPELLE #3 auf Albumlänge ans Werk gehen, bringt eine Extraportion gute Laune mit, wobei sich der Graben zwischen Realitätsflucht (die Musik) und ironischer Situationsanalyse (die Texte) als weniger tief erweist, als es anfangs scheint.
Denn das allgemeine Gefühl, welches diese „Momentaufnahme“ vermittelt, wirkt eher wie eine Ansammlung geselliger Stammtischgespräche als eine Zeigerfingerpredigt, womit sich Musik und Text kaum im Wege stehen.
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FAZIT: KAPELLE #3 servieren eine „Momentaufnahme“ und setzen dabei auf sprachlichen Witz, bei gewichtigen Themen. Dabei ist das sprachliche Schwert aber kaum allzu scharf, denn das lebensfrohe Gefühl, welches in der Natur der Musik liegt, wird kaum von den Inhalten mancher Texte weggewischt. Insofern ist das Album eher aufgrund seiner musikalischen Natur nicht für jeden was, aber wer mit positiv gestimmter Musik und kölscher Leichtigkeit in den Texten warm wird, der macht hier kaum etwas verkehrt.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.10.2026
Robert Herold
Peter Baldus, Tillmann Oberst, Fabian Menz, Jochen Semisch
Christian Buhtz, Jan Pöhlmann
Luc Rod
Fabian Menz
Tillmann Gruhn (Posaune), Tillmann Oberst (Posaune), Jochen Semisch (Saxophon)
Abbruch Records
39:58
25.09.2026