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Karcius: Black Soul Sickness

Stil: Progressive Rock, Metal, Ambient, Fusion

Cover: Karcius: Black Soul Sickness

KARCIUS hat die Krankheit der schwarzen Seele befallen – und sie ergießen deren musikalische Viren nunmehr auch mit „Black Soul Sickness“ auf die Freunde und Hörer ihres Musik-Gebräus aus Progressive Rock, Fusion und Metal. Finster und düster sowie berauschend und hypnotisierend zugleich. Hierbei brauen die Kanadier einen Cocktail der besonderen Art, dem man bei den beständigen Wechseln aus metallischen und akustischen Klangspielereien anfangs kaum zu folgen vermag und der einen mit jedem Hördurchgang immer mehr fasziniert. So bleiben sich die Kanadier komplett der Eigenbeschreibung unter ihrer bandcamp-Seite treu, wenn sie in dieser (frei übersetzt) kurz und knackig hervorheben: „KARCIUS ist eine Band aus Montreal, Kanada, die sich von anderen abhebt. Ihre experimentierfreudige musikalische Vision zeichnet sie aus. Gemeinsam kreieren sie eine einzigartige Mischung aus Rock, Pop, afrikanischer Musik, Klassik, Jazz und Ambient“.
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Hier gibt es keinen Hör- geschweige denn Impfzwang, sondern nur die freie Wahl, sich ohne Zwänge auf „Black Soul Sickness“ ein- und befallen zu lassen. Die Musik reißt einen mitunter hin und her oder entfacht metallisch schmerzende Krämpfe, denen dann die akustischen Pillen eine ganz neue, beruhigende Wirkung verleihen, um sogleich wieder und wieder neu auszubrechen. Dass die Jungs zudem aus dem Jazz-, Post- und Rockbereich, der in seinen Anfangszeiten nur auf die instrumentale Seite setzte, kommen, ist auch auf „Black Soul Sickness“ unüberhörbar.
Und es setzt genau dort an, wo der kanadische Fünfer mit <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2022/Karcius/Grey-White-Silver-Yellow--Gold/" target="_blank" rel="nofollow">ihrem vier Jahre zurückliegenden Vorgänger „Grey White Silver Yellow & Gold“</a> aufhörte und unseren Kollegen König zu dem begeisterten Fazit veranlasste: „Das Album geht gleich in die Vollen, um dann abzubremsen und auch in Zeitlupe Größe zu beweisen. Handwerklich tadellos, ausdrucksvoll und reich an Momenten, die Kopf, Bauch und Seele im Sturm einnehmen. Prog at it’s best.“
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Wie sehr diese Beschreibung den progressiven Nagel auf seinen musikalischen Kopf samt akustischem Span-Flug trifft, eröffnet einem bereits der breit angelegte, über 13 Minuten lange Album-Opener „Wallow“, der ruhig, etwas floydianisch beginnt und dann die ganze Bandbreite heftig rockender Metallismen und fragil beruhigenden Akustizismen runterspielt. Auch durch den Gesang sowie die schwere textliche Thematik rund um die kranke menschliche Psyche (alles nachzulesen im achtseitigen Textbooklet des zweiflügeligen Digipaks) kommen einem doch tatsächlich Matthew Parmenter samt der großartigen DISCIPLINE in den Sinn. Ein Riff jagt das nächste, um kurze Zeit später ausgebremst zu werden, nur um sich daraufhin mit noch mehr Härte und druckvollen Bässen sowie treibendem Drumming zu erheben. Nach diesen epischen Breitwandsounds ist man von „Black Soul Sickness“ angesteckt und dieser Virus wütet in ähnlicher Weise über die verbleibenden sechs Stücke (jeweils zwischen drei und acht Minuten) hinweg ungebremst weiter.
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Mal entwickelt hier eine Orgel ihr Eigenleben („Awakening The Spirit“) und selbst eine Ballade („Slow Down Son“) darf nicht fehlen oder der Sänger knallt einem seine harten (bis zum Schreien hin) wie zarten Stimmeskapaden entgegen, während die Grundstimmung sich immer weiter in den finsteren Bereichen bewegt – wie in einem Fiebertraum, der sich nach und nach zu einem Horror-Trip entfaltet und einen bis zum stimmungswechselnden Finale „Dusting My Coat“, eine zum Ende hin Hardrocknummer, welche als Ballade beginnt, mitreißt und so in den knapp vier Minuten das Spektrum hinter „Black Soul Sickness“ beeindruckend zusammenfasst: „No, I never thought that this could happen / I wish we had more time than this.“
Oh doch! Es passiert sehr viel auf diesem 2026er-Album von KARCIUS, für das man sich jede Menge Zeit nehmen sollte. Es lohnt sich!
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FAZIT: Die kanadischen Prog-Metallisten KARCIUS verbreiten mit „Black Soul Sickness“ einen schwer beeindruckenden, sehr ansteckenden Virus auf dem ziemlich düster ausgefallenen Album, das getreu ihrer eigenen Strategie nicht nur die lauten mit den leisen Musik-Momenten, sondern gleich „eine einzigartige Mischung aus Rock, Pop, afrikanischer Musik, Klassik, Jazz und Ambient“ in sich vereint. Ein Album, das – wie bei den Kanadiern schon liebevoll gewohnt – voll beängstigender Tiefe und berauschender Schönheit die geheimnisvollen Spuren der kranken, schwarzen Seele zu entschlüsseln versucht.

Punkte: 13/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 03.06.2026

Tracklist

  1. Wallow
  2. Out Of Nothing
  3. Darkest Heir
  4. Slow Down Son
  5. Rise
  6. Awakening The Spirit
  7. Dusting My Coat

Besetzung

  • Bass

    Sylvain Auclair

  • Gesang

    Sylvain Auclair

  • Gitarre

    Simon L'Espérance

  • Keys

    Sébastien Cloutier, Simon L'Espérance

  • Schlagzeug

    Thomas Brodeur

Sonstiges

  • Label

    Karcius Music/Just For Kicks

  • Spieldauer

    45:16

  • Erscheinungsdatum

    08.05.2026

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