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Mørkgrim: Sogur frá Norðfirði

Stil: Nordic Folk Black Metal

Cover: Mørkgrim: Sogur frá Norðfirði

Wenn es darum ginge, Black Metal auch noch anno 2026 in all seiner Absonderlichkeit zu skizzieren, würde MØRKGRIM mit "Sogur frá Norðfirði" eine treffliche Legende liefern, um die zweifelhafte Faszinationskraft nicht nur der Musik zu erklären.

Doch der Reihe nach: Das Ein-Mann-Projekt MØRKGRIM wurde (dem Promo-Schrieb zufolge) in einer Zeit ins Leben gerufen, in der in Norwegen plötzlich Black-Metal-Bands auf der Bildfläche auftauchten wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Herbstwaldboden. Bereits anno 1994 von Hrafngrímnir gegründet, veröffentlichte MØRKGRIM – Trommelwirbel! – NICHTS, nur um der Szene 1999 komplett den Rücken zu kehren, weil Hrafngrímnir nicht gefiel, in welche Richtung sich selbige entwickelte – anstatt dem Verabscheuten etwas Eigenes entgegenzusetzen (wäre ja vielleicht auch eine Möglichkeit…?!).

Rund drei Jahrzehnte später, wir leben derweil im Zeitalter von "künstlicher (vermeintlicher) Intelligenz" und mit einer noch weit größeren, selbst für langjährige Fans nahezu unüberschaubaren Anzahl an Black-Metal-Veröffentlichungen, fühlt Hrafngrímnir, dass die Zeit gekommen ist, MØRKGRIM wiederzubeleben. Damit die Musik authentisch klingt, bricht der bis dahin vor allem im amerikanischen Hiphop aktive Produzent seine Zelte in Miama ab und begibt sich – quasi auf den Spuren von Vintersorg bis Noitila – in die Abgeschiedenheit des norwegischen Waldes, um dort in einer Hütte ohne moderne Annehmlichkeiten endlich das Debütalbum einzuspielen – merke: Hinterwäldler-Black-Metal ist dann echt, wenn bei den Aufnahmen auf eine zeitgenössische Toilettenspülung verzichtet wurde!

Mag dieser Teil der Aufnahmen halbwegs archaisch tönen, passt der Klang des von Nils Fjellström eingespielten Schlagzeugs dazu in meiner Wahrnehmung zunächst nicht. Dass der "Dominator" ein Biest ist, das mitunter grandiose Alben eingespielt hat, steht außer Frage, doch wie zur Hölle soll sein präzises Drumming mit der Atmosphäre von Outback-Black-Metal harmonieren? Zugegeben: Hätte ich Hrafngrímnir nicht interviewt, um mit ihm u.a. über diesen Aspekt zu sprechen, hätte ich mir wohl auch kaum die Zeit genommen, "Sogur frá Norðfirði" noch einige Male zu hören und nach und nach in die durchaus abwechslungsreiche Musik hineinzufinden.
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Ja, beim ersten Hören dachte ich angesichts des teilweise arg gekeiften Gesangs an eine wütende Comic-Ente, doch das mag auch an meiner Voreingenommenheit gegenüber einem Projekt gelegen haben, das in der Promotion die Gründung anno 1994 betont und von dem bis 2026 kein Ton zu hören war. Wie dem auch sei, insbesondere die Nordic-Folk-Passagen machen "Sogur frá Norðfirði" unterm Strich hörenswert, denn sie intensivieren den garstigen Black Metal MØRKGRIMs mit unverkennbar nordischem Flair. Das Stück "Freyja Kvað" ragt dank des Gastgesangs der Isländerin Saga heraus, und eine Fortsetzung dieser Zusammenarbeit würde dem Projekt sicher gut zu Gesicht stehen. Ob eine Pause von knapp sechs Minuten im Outro zum ultimativen Hörgenuss beiträgt, bezweifle ich, doch wenn es das Konzept erfordert...
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FAZIT: 32 Jahre nach der ursprünglichen Gründung legt das Projekt MØRKGRIM mit "Sogur frá Norðfirði" sein Debütalbum vor, auf dem es wohlige Nordic-Folk-Melodien mit rasantem Black Metal kreuzt, der in seiner Eigenartigkeit entdeckt werden möchte und mehr Potential andeutet als hier verwirklicht wurde.

Punkte: 11/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 27.09.2026

Tracklist

  1. Ramnen kvæd
  2. Blóðsorr
  3. Mørkt
  4. Nordljós
  5. Freyja kvað
  6. Garm
  7. Vardðlokkur
  8. Outro
  9. I mørkrets djupa skog (Bonus Track)

Besetzung

  • Bass

    Hrafngrímnir

  • Gesang

    Hrafngrímnir, Saga (guest)

  • Gitarre

    Hrafngrímnir, Dev Gohil

  • Schlagzeug

    Nils "Dominator" Fjellström

  • Sonstiges

    Hrafngrímnir

Sonstiges

  • Label

    Soulseller Records

  • Spieldauer

    32:09

  • Erscheinungsdatum

    02.10.2026

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