Ein spannende multikulturelle Band aus Deutschland, die sich da hinter dem Bandnamen TAIHR verbirgt (Vertauscht man das I mit dem H, dann entsteht daraus der arabische Begriff für Reinheit und Tugendhaftigkeit). Obwohl die musikalische Melange aus Progressive- und Alternative/Indie-Rock sowie Jazz, Funk und Math Rock nichts Reines, sondern die kunterbunte Vielfalt in sich tragen.
Auch der Titel ihres zweiten Albums „Allicanto“ stellt unmittelbare Bezüge zur chilenischen Herkunft zweier Bandmitglieder her, da hier ein Fabelwesen der chilenischen Mythologie heraufbeschworen wird, das sich ähnlich wie der Phoenix aus der Asche erhebt und Gold frisst, weswegen sein Gefieder golden schimmert und sein Gesang die Menschen verführt, was durchaus tödlich für sie enden kann. Also Vorsicht vor diesem Vogel! Außer er endet so wie auf dem „Allicanto“-Albumcover von TAIHR.
<br><center><br><center><iframe style="border: 0; width: 350px; height: 350px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=13440382/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/minimal=true/track=3924995054/transparent=true/" seamless><a href="https://taihr.bandcamp.com/album/allicanto">Allicanto von Taihr</a></iframe></center></br></center></br>
In puncto Gesang muss diese Legende ja sicher Bedeutung haben. Vielleicht bietet daher die Sängerin ihre Lieder auch in verschiedenen Sprachen dar. Anfangs gefällt der weibliche Gesang, der allerdings auf die Dauer (selbst wenn die Sprache wechselt) zu eintönig ausfällt – leidenschaftlich und phrasiert zwar, zwischen Gesang und Sprechen, aber im Laufe der 35 Album-Minuten doch etwas zu unflexibel, selbst wenn man manchmal an die großartigen BENT KNEE oder MILA MAR erinnert wird, wenn beispielsweise der schwere Regen aus unseren Lautsprecher-Boxen gießt.
<br><center><iframe style="border: 0; width: 350px; height: 350px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/track=2293891887/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/minimal=true/transparent=true/" seamless><a href="https://taihr.bandcamp.com/track/heavy-rain-single-edit">Heavy Rain - Single Edit von Taihr</a></iframe></center></br>
Demgegenüber versteht allerdings gerade das Saxophon immer wieder zu überraschen und baut herrliche Spannungen auf. Mehr Saxophon, weniger Gesang – und schon wäre die Mischung auf „Allicanto“ perfekt.
Gerade weil die in sich verschmelzende Stile von Art-Pop bis hin zum Progressive Rock und mitten durch den Jazz- sowie Math-Rock und breit gefächerte Weltmusik für viel Spannung sorgen.
Und die reißt bis zu den groove-funkigen „Tortugas“, die das Album mit einem fulminanten zweisprachigen Finale beenden, nicht ab, nachdem zuvor sogar die Skelette mit ein paar frei jazzenden Klängen in „Skeleton Hoofs“ ihr Unwesen trieben.
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Dass mit TAIHR ein Septett voller Musiker-Persönlichkeiten am Start ist, von denen sich alle auf ihre Art einbringen, ist unüberhörbar. Chile trifft hier tatsächlich auf Deutschland und lässt es auf ganz eigen(ständig)e Weise krachen.
<br><center><iframe style="border: 0; width: 350px; height: 350px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/track=3202699653/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/minimal=true/transparent=true/" seamless><a href="https://taihr.bandcamp.com/track/tortugas-single-edit">Tortugas - Single Edit von Taihr</a></iframe></center></br>
FAZIT: Sie sind ein spannungsgeladenes Septett mit Wurzeln in Deutschland und Chile, die sich musikalisch komplex zwischen Art-Rock und Prog, Funk und Jazz, Ethno und Dance ineinander verwinden. TAIHR gelingt auf „Allicanto“ eine geballte Ladung Ideen in nur 35 Musik-Minuten zu gießen, die es kompositorisch wie atmosphärisch in sich haben und bei denen besonders das Saxophon und der charismatische weibliche Gesang eine wichtige Rolle spielen. Muss man einfach gehört haben. Denn danach versteht man auch ohne den Text zu kennen, die wilde Geschichte hinter dem in der chilenischen Mythologie heraufbeschworen Fabelwesen „Allicanto“, das sich ähnlich wie der Phoenix aus der Asche erhebt und Gold frisst, weswegen sein Gefieder golden schimmert und sein Gesang die Menschen verführt, was durchaus tödlich für sie enden kann. Also Vorsicht: den Einen oder die Andere könnte „Allicanto“ umhauen!
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 08.07.2026
Tobias Losch
Genesis Trinidad Galvez Jaramillo
Leon Schmidtke, Maximilian Hartmann
Mauricio Ricardo Inostroza Andrade
David Zilz
Martin Halbfass (Saxophon)
Tonzonen Records
34:58
19.06.2026