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Reviews

Wilfried: Nachts in der City - Live

Stil: Ösi-Rock mit Dialekt, Liedermacher

Cover: Wilfried: Nachts in der City - Live

<b>„Wilfried war für mich ja das einzige österreichische 'Rockviech' auf der Bühne – als großes Kompliment gemeint – und zugleich einer der unterschätztesten Pop-Musiker der deutschsprachigen Szene.“</b> (Rudi Dolezal im Booklet von „Nachts in der City - Live“)

Während FRANK ZANDER in Deutschland noch seinen Kurt ganz ohne Helm und Gurt kommen ließ, erledigt das in Österreich der gute WILFRIED, wenn er seine Mary kommen lässt und mit seiner Debüt-Single im Jahr 1973 „Mary, Oh Mary” seinen ersten Nummer-eins-Hit in den österreichischen Charts platzierte. Von 1978 bis Mitte 1979 war er sogar Sänger der österreichischen Pop-Rock-Band der ganz besonders humorvollen Art – ihr auch in Deutschland sicher fast jedermann bekannte Name: ERSTE ALLGEMEINE VERUNSICHERUNG (EAV).
Sogar beim 'Grand Prix Eurovision de la Chanson' vertrat er in den 80er-Jahren seine österreichische Heimat mit „Lisa Mona Lisa”.
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Doch seit dieser Zeit ist viel Wasser den Fluss bzw. die Donau heruntergeflossen, um diesen lustigen wie kritischen, gar zynischen Liedermacher „Nachts in der City – Live“ begrüßen zu dürfen. Von seiner „Mary, Oh Mary” hat er sich wohl auch schon losgesagt. Dafür aber definiert er auf der Bühne zu Konzertbeginn mit „A,B,C – X,Y,Z“ gleich mal alphabetisch ganz Österreich durch, um dann mit einer österreichischen FOREIGNER-Version das „Rockvieh Rudi“ folgen zu lassen.
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Wer jetzt neugierig geworden ist, der darf hier kurz ein paar historische Fakten zu dem 1950 in Goisern geborenen WILFRIED erfahren, die leider vor knapp 10 Jahren abrupt mit seinem Tod (Krebserkrankung) endeten.
Der in Oberösterreicher als Wilfried Scheutz geborene Sänger gründete 1964 mit THE PROVOS seine erste Beatband. Fünf Jahre später verließ er die beschauliche Provinz und zog nach Graz, um dort sein Studium aufzunehmen. Parallel dazu arbeitete er an seiner musikalischen Karriere, spielte bei mehreren Bands mal als Bassist, mal als Gitarrist und sang 1972 auf der letzten Single „Song / Mexican Desert” der Grazer Hardrocker HIDE & SEEK.
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Ein Jahr später hatte er als WILFRIED mit seiner englischsprachigen Debütsingle „Mary, Oh Mary” seinen ersten Nummer-eins-Hit in den österreichischen Charts und klang dabei gewissermaßen wie der Shane McGowan (von den POGUES) aus Ösi-Land.
Und dann ging es tatsächlich Schlag auf Schlag, wobei ein ganz besonders intensiver dann Ende der Siebzigerjahre mit der EAV – auch ohne einen Banküberfall – nicht nur aus musikalischer Sicht sehr erfolgreich werden sollte.
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Zuvor aber wechselte er mit „Ziwui, Ziwui” vorübergehend zum Dialektgesang und etablierte sich als früher Vertreter des Austropop. Seine rockige Interpretation des „Kufsteinliedes” aus dem Jahr 1981 kann als frühes Beispiel der „Neuen Volksmusik” gelten.
Von 1978 bis Mitte 1979 war er, wie bereits erwähnt, Sänger der österreichischen Pop-Rock-Band ERSTE ALLGEMEINE VERUNSICHERUNG (EAV), allerdings schlugen die Jungs dann erst später in allen Hitparaden ein.
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Das klingt doch mehr als spannend und macht immer neugieriger auf diese dank MIG music remasterte Aufnahme des Live-Albums von WILFRIED aus dem Jahr 1991.
Hier gibt es allerdings nicht nur lustige Rockkabarett-Songs der EAV-Gesinnung oder musikalischen Zynismus im RINGSGWANDL-Stil, sondern auch nachdenkliche („Lauf Hase lauf“ oder „Erwachsen wie ein Kind“) und traurige („Dass sie dich lieben“ mit der für jeden Künstler 'schrecklichen Textzeile': „Wie tot musst du sein, um zu leben?“) oder weitere Coverversionen auf Österreichisch wie beispielsweise „River Deep Mountain High“, welche in dem Fall den kuriosen Titel „Nix hat Nagel“ trägt.
Auch Stücke von Georg Danzer und Ulla Meinecke werden präsentiert, bis zum großen Finale der bluesige Zehnminüter „Adler Bluusz“, welcher das erste Mal überhaupt auf einer CD erscheint, dieses Live-Album abschließt.

Im Falle von WILFRIED lohnt es sich, mit ihm „Nachts in der City“ (samt knackigem Schlagzeug-Solo) live seinem Konzert zu lauschen, auch wenn diese Aufnahmen nur noch Erinnerung sind und bleiben werden, da – wie wir längst in vielen traurigen Momenten erfahren mussten – der Krebs ein gottverdammter Musikhasser sein muss. So bleibt „Nachts in der City – Live“ uns nur noch als eine letzte Live-Erinnerung auf einem Silberling erhalten.
Eine Erinnerung, die auch heute noch sehr lebendig klingt.
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FAZIT: „Friedl, du fehlst – gut dass es dieses hervorragende Dokument 'Nachts in der City' gibt – da spürt man es wieder – das Rockviech WILFRIED. Live.“ So lautet der letzte Satz im Booklet von WILFRIEDs „Nachts in der City – Live“-Album, verfasst von Rudi Dolezal, dem bekannten österreichischen Filmproduzenten und Regisseur. Und diesen Dolezal-Ausführungen am Anfang und nunmehr auch am Ende dieser Review kann man sich nur anschließen. WILFRIED ist und bleibt (selbst wenn er bereits seit fast zehn Jahren nicht mehr unter den lebenden Musikern weilt) nach dieser Live-CD das humorvolle wie nachdenkliche Austropop-Rockviech der Extraklasse, der sogar bei der ERSTEN ALLGEMEINEN VERUNSICHERUNG, dem Grand Prix de Eurovision und im Hardrock seine ganz eigene Musik-Geschichte schrieb.

Erschienen auf www.musikreviews.de am 30.06.2026

Tracklist

  1. A,B,C – X,Y,Z
  2. Rockviech Rudi
  3. Alles Leiwand
  4. Der Rock'n'Roll kommt aus dem Radio
  5. Orange
  6. Nix hat Nagel / River Deep Mountain High
  7. Lauf Hase lauf
  8. Lass mi bei Dir sein
  9. Südwind
  10. Erwachsen wie ein Kind
  11. Dass sie Dich lieben
  12. Highdelbeeren
  13. Nachts in der City
  14. Masgumje
  15. Adler Bluusz

Besetzung

  • Bass

    Mischka Krausz

  • Gesang

    Wilfried Scheutz

  • Gitarre

    Freddy Tezzele

  • Keys

    Gerhard Wambrechtshamer

  • Schlagzeug

    Hossein Muhammad Rastegar

Sonstiges

  • Label

    Bellaphone Records/MiG music

  • Spieldauer

    79:03

  • Erscheinungsdatum

    27.02.2026

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