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Hoggwash: The Last Horizon (Review)

Artist:

Hoggwash

Hoggwash: The Last Horizon
Album:

The Last Horizon

Medium: CD
Stil:

Progressive Rock

Label: Caerllysi Music / Just For Kicks
Spieldauer: 66:44
Erschienen: 2007
Website: [Link]

HOGGWASH? HOGGWASH! Was´n das? Ein Name? Eine Wäscherei? Eine Erfindung?

Ein ferner, nicht mehr kalt-kriegerischer Blick in Richtung Osten bringt uns der Antwort näher. Bis in das Land des ehemaligen KGB-Spitzels und stellvertretenden Bürgermeisters von Sankt Petersburg Wladimir Wladimirowitsch, den heute wohl jeder nur als den nach außen hin fein säuberlichen, durchtrainierten und knallharten „Demokraten“ PUTIN kennt, und der heute Ministerpräsident Russlands ist. Aus diesem Land also kommt eine „Grupa Progressiva“, die uns neoprogressiv-symphonische Töne ganz ohne Balalaika präsentiert – und wohl nicht umsonst diesen Namen gewählt hat.

HOGGWASH steht nämlich aus Sicht des Sängers und Keyboarders ANTONY KALUGIN für den Geist, der die Menschen heimsucht, wenn sie voller Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit sind – und der ihnen dabei hilft, den richtigen Weg aus der Dunkelheit ans Licht zu finden. Er ist das Licht am Ende des Tunnels, wenn man seine letzte Hoffnung aufgegeben hat … und die Lösung seiner Probleme nicht nur in Sto Gramm Vodka sucht.

Plötzlich aber war in den Zeiten des sich öffnenden eisernen Vorhangs sogar die Vereinigung mit einem britischen Musiker und Label-Besitzer (Caerllysi Music) möglich, WILL MACKIE – und so trifft wohl östlich-musikalische Kreativität auf den westlich-materiell-notwendigen Hintergrund, um dieses Album überhaupt veröffentlichen zu können.

Das Bild vom Licht am Ende des Tunnels entspricht gleichermaßen auch dem musikalischen und textlichen Konzept von „Last Horizon“. Mark, ein kleiner Junge, der sich aus der Dunkelheit, die ihn umgibt, zu befreien versucht, hört auf die Worte des „Wizeman“ (steht wohl für „Zauberer“ & „weiser Mann“ zugleich). Dieser empfiehlt ihm, mutig, stark, gut und immer er selbst zu sein. So befreit sich Mark aus der Dunkelheit ins Licht, um sich auf den steinigen Weg, gepflastert von einer Vielzahl von Fallen („The cages we are trapped within“ – The Road Of Many Challenges) zum letzten Horizont zu begeben. Besondere Hürden sind dabei „schmutziges Geld“, Spielsucht und vieles mehr, was einem heutzutage so als die „wahren Werte“ verkauft wird – die aber nichts Anderes sind als die Profitgier von eiskalt berechnenden Typen, die für ein bisschen mehr Gewinn über Leichen gehen.

Aber einem Wunder gleich findet man gerade auf den Wegen abseits des bequem gepflasterten und so verlockenden Asphalts etwas ganz Besonderes: die Liebe … oder man genießt Sonnenuntergänge und gelangt mit der Hilfe des Wizeman, der „has many others to touch help live their dreams“, zum letzten Horizont, wo die weisen Worte „Be Brave, Be Strong – Be You“ ihre Verwirklichung finden. Aber das ist wohl noch nicht das Ende der Reise, denn im Booklet lautet der letzte Hinweis: To be continued HOGGWASH 2.

Die musikalische Reise aus der Dunkelheit beginnt mit einem sehr epischen, 15-minütigen Long-Track. Hier werfen die Musiker gleich alles in die Wagschale, was sie so zu bieten haben: nämlich hauptsächlich stark an CAMEL erinnernde Klang-Epen, die wir in den frühen Zeiten der „tierischen“ Band so sehr liebten. Dazu kindliches Gerede, sehr sanftmütig-zarten Gesang, mal Akustik, mal Bombast – aber immer mit einer deutlichen Dominanz der vielfältig eingesetzten Keyboards aller Couleur. Diese Musik ist schön … nur manchmal auch ein bisschen zu schön. Und so kommt beim Hören öfters die Frage auf, warum die Musiker es nicht manchmal etwas mehr „krachen“ lassen. Denn bei dem (textlichen) Konzept des Albums wäre dies durchaus wünschenswert. Stattdessen klingt die Scheibe auf die Dauer zu entspannt und es macht sich mitunter so ein PENDRAGON-Gefühl breit, also: Sehr neoLI(E)Beral, aber viel zu wenig komplex progressiv. Das wird natürlich durch die Vielzahl der eingesetzten Instrumente, wie Flöte, Streicher, Oboe, noch deutlicher betont.

Ein Album für Hörer, die (Vielleicht ist das ein blöder, aber trotzdem durchaus passender Vergleich.) in ihrem Leben nicht so sehr auf die bissigen Hunde stehen, die gleich zuschnappen, wenn man ihnen zu nahe kommt, sondern mehr auf die, die einen in jeder Situation ganz lieb anschauen und mit ihrer Zunge von oben bis unten abschlabbern.

HOGGWASH besitzt aber auch eine etwas andere Perspektive, die mir vielleicht erst nach dem siebenten oder achten Hördurchgang auffiel. Denn mit einem Mal erinnerte ich mich an Bands aus der interessanten deutschsprachigen Neo-Prog-Szene (zumindest räumlich aber nicht sangestechnisch betrachtet), die leider heutzutage längst vergessen zu sein scheinen. Die eine Band kommt aus der Schweiz, die andere aus Deutschland: CLEPSYDRA und CHANDELIER. Und alle, die sich noch an „More Grains Of Sand“ oder „Facing Gravity“ erinnern und diese beiden Alben mochten, die kommen an „The Last Horizon“ in gewisser Weise nicht vorbei – demnach ist HOGGWASH eine Entdeckung, die alte Zeiten heraufbeschwört, welche leider in ihrer deutsch-schweizerischen Faszination nie bewusst wahrgenommen wurden. Die Russen machen´s eben möglich – Long live HOGGWASH

To be continued … (Und ich freue mich schon darauf!)

FAZIT: Musik jenseits des eisernen Vorhangs, die Erinnerungen an deutschsprachige, aber englisch singende Bands weckt, die diesseits des eisernen Vorhangs kaum ein Chance hatten, weil sie sich schlicht und ergreifend mit ihrem (neo)progressiven Konzept in einem nur nach dem Markt schielenden Musiksektor nicht durchsetzen konnten: CHANDELIER & CLEPSYDRA!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 2759x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 9 von 15 Punkten [?]
9 Punkte
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Tracklist:
  • Out Of The Darkness
  • Reflections Of Life
  • Under A Rainbow Sky
  • Road Of Many Challenges
  • Like A Miracle
  • Watching The Sun Go Down
  • Another Friday Night
  • The Last Horizon

Besetzung:

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