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Tuner: Pole (Review)

Artist:

Tuner

Tuner: Pole
Album:

Pole

Medium: CD
Stil:

Avantgarde / Artrock

Label: Unsung Records / Just For Kicks
Spieldauer: 63:57
Erschienen: 03.10.2008
Website: [Link]

Und hier die Preisfrage:

„Tuner – Pole“

Was ist das?

a) Das fehlende Bindeglied zwischen TOOL und KING CRIMSON?
b) Hochkomplexe, weltfremde Avantgardemusik?
c) Absoluter Nonsense?
d) Eine originelle, innovative Rockscheibe?

Die Antwort: Reingelegt! Gar nichts davon. Aber doch gleichzeitig alles.

Naja wie auch immer. Ich will mal einen vorsichtigen Versuch wagen, TUNER irgendwie in Worte zu fassen.

„Pole“, das zweite Album des Duos Markus Reuter (Gitarre) und Pat Mastelotto (Schlagzeug), ist nämlich mehr als nur Effekthascherei, ist nicht nur musikalische Selbstbeweihräucherung und heiße Luft. TUNER dürfte als einer der ganz wenigen wirklich „avantgardistischen“ Acts, ähnlich wie GUAPO, auch dem breiteren Progpublikum inzwischen ein Begriff sein. Dass „Pole“ im Modern Drummer Magazin unter die „besten 50 Prog Rock Alben aller Zeiten“ gefallen ist, dürfte für sich sprechen. Und mal ganz ehrlich – diese Auszeichnung kommt nicht von Irgendwo.

„Pole“ ist eine Grenzwanderung im Klangkosmos: ziemlich kaputte Gitarrenriffs der Marke KING CRIMSON treffen auf jazzige Keyboardläufe, seltsame, mit Widerhaken bewehrte Hooklines fräsen sich in die Gehörgänge, unterlegt von einem Sound, der seine Wurzeln in TOOL, den Industrialklängen von NINE INCH NAILS und dem düsteren Triphop a la MASSIVE ATTACK hat.

Schon beim druckvollen, neumetallischen Starter „White Cake Sky“ lassen TUNER die Gitarren herrlich bratzen und bauen, als wäre es das normalste der Welt, ein durch einen Stimmverzerrer gejagtes Growlen ein. „Black well Monotony“, „Arson Dandy“ und der unwiderstehliche Track „Pole“ haben diese Art von Refrains (wenn man das so nennen kann?), die zuerst anwidern, faszinieren und dann schließlich süchtig machen. Experimenteller Stoff wie „Gate 9“, „Dig“ oder „URIM“ erinnern an eine Melange aus Dark Ambient und moderner Psychedelic. Das zehnminütige„11-11“ ist quälend lang, hypnotisch, fesselnd. Ich könnte eigentlich ewig so weiter machen. Jeder Song hat trotz der höchst anspruchsvollen Instrumentierung und der unwirklichen Melodien ein eigenes Gesicht – jeder will uns eine Geschichte erzählen. „Stalker“, „Repulsive and Delicious“, „URIM“ (was für Soundscapes!) …

Das Konzept von TUNER ist also Musik nicht zum Selbstzweck, sondern zur Untermalung von Emotionen. Und diese Emotionen werden des öfteren von diversen Gastsängern und -sängerinnen (wie Sirenée, Peter Kingsbery oder Lisa Fletcher) über dadaistische Lyrics und expressionistische Sangeskunst näher gebracht. Das reicht vom schrillen Kreischen bis hin zum unheimlichen Geflüster, was auf viele gemäßigte Progger schon sehr ungewohnt wirken kann.

Die wahren Protagonisten sind aber – wie sollte es auch anders sein – Mastelotto und Reuter. Was die beiden hier zusammenklampfen, trommeln und herum“basteln“ ist der schiere Wahnsinn. Und als wäre das noch nicht genug, erinnert der stark perkussive Sound oft an neuere KING CRIMSON in ihrer „Thrak“-Phase. Nun, wenn man bedenkt, dass der gute Herr Mastelotto selber schonmal Drummer bei den „Roten Tyrannen“ war… dies dürfte ja sowieso für die Qualitäten dieses hervorragenden Schlagzeugers sprechen.

Wie gut, dass dieses kleine, aber feine Juwel zwischen Anspruch und Eingängigkeit endlich auch in Deutschland über Just for Kicks Music veröffentlich wurde. Sollte man nicht verpassen!

FAZIT: Avantgarde meets Alternativerock meets Industrial mit einer Prise Prog Rock. Anspruchsvoll und manchmal anstrengend, aber nach mindestens zehn Durchgängen macht TUNERs “Pole” absolut süchtig. Unterstrichen vom Songwritertalent eines Markus Reuter und der perkussiven Perfektion eines Pat Mastelotto, behält diese Scheibe – darauf verwette ich meinen Allerwertesten – auch noch in unzähligen Jahren ihren kalten, faszinierenden Glanz. Sehr zu empfehlen!

Benjamin Feiner (Info) (Review 3688x gelesen, veröffentlicht am )

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  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • White Cake Sky
  • Black well Monotony
  • 11-11
  • Pole
  • Gate 9
  • Stalker
  • So High
  • Dig
  • Down Below
  • Repulsive and Delicious
  • Creatures
  • Pencilhead
  • Arson Dandy
  • URIM
  • To crush a Sweet Peach

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

  • Pole (2008) - 12/15 Punkten
Interviews:
  • keine Interviews
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