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Of The I: Balance Instairs (Review)

Artist:

Of The I

Of The I: Balance Instairs
Album:

Balance Instairs

Medium: CD
Stil:

Progressive / Alternative Rock

Label: Just For Kicks
Spieldauer: 59:33
Erschienen: 2008
Website: [Link]

So viel Plagiiertes der Musikmarkt auch abwerfen mag, egal welcher Sparte, und so übelklingend uns manches Album schon die Nerven zermartert hat, so haben doch fast alle Veröffentlichungen, die nicht gerade von einer Marketingmaschinerie à la “DSDSS” ferngesteuert werden, so etwas wie eine eigene Aura. Die mag einem schmecken oder nicht, mal fällt sie intensiver aus als in anderen Fällen, doch grundsätzlich kann man selbst die grässlichsten Polycarbonatverbrechen individuell beschreiben und wiedererkennen, wenn man nur genau genug hinhört. Anderenfalls wäre meine Arbeit als Schreiberling auch bloß langweiliges Hantieren mit vorgefertigten Schablonen.

Woher die Aura kommt und wie ihr Klang zur Signatur des Künstlers wird, könnte möglicherweise sogar wissenschaftlich analysiert werden. Ausreichend für diese Rezension ist es, festzustellen, dass OF THE I’s Debüt zwar erschreckend wenig eigene Songideen vorzuweisen hat, dafür aber massig von dieser unsichtbaren Substanz namens “Aura” besitzt. Das rettet es vor der fast unausweichlichen Feststellung, dass “Balance Instairs” überflüssig sei, weil schon viele andere Bands längst verwirklicht haben, was da nun neuerlich komponiert wird.

Mag der gemächliche Einstieg noch unter den schwammigen Sammelbegriff “Atmosphäre” fallen, so zeugen bereits die allerersten Riffs nach TOOL-Rezeptur von kompositorischer Ehrfurcht vor den eigenen Vorbildern mit der Angst, von ihnen abzuweichen - zumal auch die letzten Riffs des Albums wieder TOOL gehören (“Stopping the World” ab Minute 5). Abgehackte Rhythmen mit konterkarierendem Hang zur Melodik driften in die 10YEARS-Richtung, derweil Sänger Jordan Davis zu allem Überfluss die ohnehin nadelöhrenge Lücke zwischen den Organen Maynard Keenans (TOOL, A PERFECT CIRCLE) und Jesse Haseks (10YEARS) ausfüllt. Zwischendrin lassen die Reggae-Grooves von PAYABLE ON DEATH grüßen (z.B. “Instars” oder “Mercenary”), Klavierthemen bäumen sich mit RIVERSIDE-Wucht auf (“Ascend”) und spätestens, als “Cathexis” nach vier Minuten in die Gewässer des bahnbrechenden THE MARS VOLTA-Erstlings “De-Loused in the Comatorium” einbricht, scheint alle Eigenständigkeit verloren.

Wäre da nicht jenes ungreifbare Element, das “Balance Instairs” so greifbar macht. Wie durch einen milchigen Schleier blickt man in die nackten Kompositionen hinein und erkennt, wie sie zusammengenommen ein unvergleichliches panoramengleiches Bild entstehen lassen, das alle Einflüsse vollends vergessen lässt. Auf Anhieb möchte man diesen Effekt auf die Vorliebe des Albums für Soundscapes schieben. Regenfall und Wind gehen eine dichte Symbiose mit der bass- und schlagzeuglastigen Produktion ein. Diese Aspekte tragen das ihre zur Aura des Albums bei, doch damit nicht genug.

Weiterhin fällt der schleppende, plötzlich dann aufgerüttelte Aufbau der Songs auf. Viele der zehn Stücke tragen mindestens zwei Gesichter, ein träges nämlich und ein wütendes, und nicht immer in dieser Rangfolge. Die Art und Weise, wie die unterschiedlichen, keineswegs aber gegensätzlichen Parts zusammengesetzt werden, ist die ureigene Handschrift von OF THE I. Daraus extrahiert sich eine dichte Stunde Musik, die sich anfühlt wie zwei. Ein Adler, der uns am Nacken packt und über Orte trägt, die wir nur aus dem Atlas kennen, könnte keine andere Wirkung erzielen. Man erkennt, was man da hört, hat es bisher aber noch nicht aus einer solchen Perspektive erlebt.

FAZIT: “Balance Instairs” ist ein Gemälde mit fremden Farben, gemalt nach fremden Formen, aber die Strichführung erweist sich als majestätisch. Wem es gelingt, mit solch sicherer Hand das Kopfkino anzuknipsen und einen mindestens zwei Stunden langen Film abzuspielen, dem kann man ob der verwendeten Motive kaum mehr böse sein. In Sachen Langzeitwirkung kann man von der Platte vermutlich keine Wunder erwarten, doch die Lungen sind fürs Erste mal wieder frei.

Erhältlich über www.justforkicks.de

Sascha Ganser (Info) (Review 3943x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • Entrance
  • Cold
  • Single Units
  • Between Being & Age
  • Cathexis
  • Instars
  • Mercenary
  • Ascend
  • Modern Equivalent
  • Stopping the World

Besetzung:

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