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Steve Earle: Townes (Review)

Artist:

Steve Earle

Steve Earle: Townes
Album:

Townes

Medium: CD
Stil:

Americana

Label: New West Records / Blue Rose Records
Spieldauer: CD 1: 54:16 / CD 2: 39:00
Erschienen: 15.05.2009
Website: [Link]

Am 12.11.1996 saß ein ausgemergelter Mann auf einem Barhocker im Odeon in Münster. Zur akustischen Gitarre sang er mit brüchiger Stimme seine Songs, erzählte in den Pausen witzige, sarkastische und traurige Anekdoten. Zwischendurch zog er seine Schuhe aus, um es gemütlicher werden zu lassen. Als ob das nötig gewesen wäre... Ein intimes, ergreifendes Konzert vor einem nicht mal halb gefüllten Saal, tief im Herzen Westfalens. „Pancho And Lefty“ waren da, natürlich, und Townes VAN ZANDT zelebrierte eine beeindruckende Version des „Sanitarium Blues“. Ihm war jederzeit anzumerken, dass er genau wusste wovon er sang.
Knapp zwei Monate später war der schmächtige, von langjährigem Drogen- und Alkoholmissbrauch gezeichnete, texanische Songwriter tot, einem Herzinfarkt erlegen, als er an den Folgen einer Hüft-OP laborierte.

Die Welt nahm kurz Notiz, bevor sie sich wieder anderen Dingen zuwandte. Nur ein paar Freunde, Fans und Musikliebhaber behielten sein Andenken im Herzen und beschworen gerne VAN ZANDTs – oft verkannte – Größe herauf.
STEVE EARLE ist einer davon. Als musikalischer Ziehsohn war er VAN ZANDT mehr als freundschaftlich verbunden. Von ihm stammt auch das schöne Zitat: „Townes VAN ZANDT is the best songwriter in the whole world and I'll stand on Bob Dylan's coffee table in my cowboy boots and say that.” Um die Aussage einerseits zu relativieren, andererseits VAN ZANDTs Größe noch einmal zu betonen, fügte EARLE später hinzu: “ Do I believe that he was a better writer than Bob Dylan? No. Do I believe he deserves to be talked about in the same breath as Bob Dylan? Yes. And I think Bob Dylan does, too. I was opening for Dylan in 1988, and the first night I was on the tour Bob played 'Pancho and Lefty.'

Obwohl diverse Musiker (u.a. Country-Stars wie WILLIE NELSON, MERLE HAGGARD oder EMMYLOU HARRIS, aber auch genrefremde Größen wie Julia Roberts, die sein „I Need You“ im Film „Seite an Seite“ zum Besten gab) große Erfolge mit Townes VAN ZANDTs Songs hatten, blieb ihm große Aufmerksamkeit versagt. Ob STEVE EARLEs Tribute-Album „Townes“ etwas daran ändert, darf bezweifelt werden, eine lohnenswerter Angelegenheit ist es allemal und eine gute Möglichkeit in den Kosmos eines exzellenten Musikers einzusteigen.

Wie kaum anders zu erwarten nähert sich EARLE den Songs mit Respekt und versucht nicht, sie zu dekonstruieren. Er instrumentiert sie dezent anders, etwas opulenter als die Originale. Dazu seine eigene Stimmfärbung, kräftiger als die VAN ZANDTS, leicht nasal, aber immer gefühlvoller Interpret der Vorlagen. Neben dem wohl bekanntesten Song als Opener „Pancho And Lefty“ widmet sich STEVE EARLE auch unbekannteren Stücken des Songwriters. Dabei deckt er das ganze Spektrum von melancholischer Ballade a la „Colorado Girl“ über den fast fröhlichen Country-„Weight Freightliner Blues“ bis zum kongenial-lärmigen „Lungs“ mit RAGE AGAINST THE MACHINEs Tom Morello an der Gitarre, das belegt, dass die kurz vor VAN ZANDTs geplante Zusammenarbeit mit SONIC YOUTH alles andere als eine abwegige Angelegenheit war. Quer durch das Album ziehen sich Geschichten über das Unterwegs sein, die Rastlosigkeit des Outlaws und die (vergebliche) Sehnsucht nach Nähe und irgendwann anzukommen. „Townes“ ist der abwechslungsreiche Soundtrack zu dieser Reise.

FAZIT: Dass der Mann, der seinen Sohn Justin 'Townes' Earle nannte – und der ihn auf diesem Album begleitet – genau der Richtige ist, ein Tribute Album für den hoch geschätzten, aber leider medial unterrepräsentierten Songschreiber und Musiker Townes VAN ZANDT aufzunehmen, ist eigentlich keine große Überraschung. STEVE EARLE, dessen Biographie gewisse Ähnlichkeiten mit der VAN ZANDTS aufweist, mit dem Unterschied, dass er die Drogen hinter sich lassen konnte und recht erfolgreich unter den Lebenden weilt, hat mit „Townes“ ein gleichzeitig fragiles und kräftiges Werk veröffentlicht, dass auf sympathische Weise die unterschiedlichen Qualitäten VAN ZANDTs beleuchtet. Auch wenn die Musik teilweise beschwingt daher kommt, sorgen die nachdenklichen, melancholischen Lyrics für eine Herbstzeit-Stimmung, die in sämtlichen Facetten zu Herzen geht.

Neben der einfachen Standardausgabe, erscheint „Townes“ auch als Special Edition, die eine zweite, knapp vierzigminütige CD namens „The Basics“ enthält. Hier präsentiert STEVE EARLE „Rohversionen“ von elf der fünfzehn Tracks der „Townes“-Albums. D.h. er entkleidet die Songs auf ihr Grundgerüst, das nur aus akustischer Gitarre und seiner Stimme besteht. Das ist noch asketischer, wehmütiger als das Hauptwerk und relativ dicht am großen Vorbild dran. Schlicht und ergreifend.

PS.: Townes VAN ZANDTs lakonische Replik auf EARLEs BOB DYLAN-Vergleich lautete übrigens: „I've met Bob Dylan and his bodyguards, and I don't think Steve [Earle] could get anywhere near his coffee table.”

Jochen König (Info) (Review 2739x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Pancho and Lefty
  • White Freightliner Blues
  • Colorado Girl
  • Where I Lead Me
  • Lungs
  • No Place To Fall
  • Loretta
  • Brand New Companion
  • Rake
  • Delta Momma Blues
  • Marie
  • Don t Take It Too Bad
  • Mr. Mudd and Mr. Gold
  • (Quicksilver Daydreams of) Maria
  • To Live Is To Fly

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

  • Townes (2009) - 12/15 Punkten
Interviews:
  • keine Interviews
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