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Trusties: Human Wheel (Review)

Artist:

Trusties

Trusties: Human Wheel
Album:

Human Wheel

Medium: CD
Stil:

Moderner Progressive-Rock mit einem Hauch Heavy Metal und Weltmusik

Label: Eigenvertrieb / Just For Kicks
Spieldauer: 69:37
Erschienen: 06.06.2009
Website: [Link]

Es gibt mitunter Musik, auf die man nur dadurch aufmerksam wird, weil ihre Darstellung im weltweiten Netz dermaßen spannend klingt, dass sie einen neugierig macht. Mir zumindest ging es beim Lesen der folgenden Zeilen so: „Die TRUSTIES spielen modernen progressiven Rock mit Einflüssen von Heavy Metal und Weltmusik. ‚Human Wheel’ lädt den Hörer zu einer 70-minütigen Reise in das Zentrum der Menschheit ein – nicht immer eine angenehme Reise. Aus der Perspektive einer Testperson, die dazu verurteilt ist, das Rad der Menschheit am Laufen zu halten und die Folgen seiner eigenen Geschichte zu erleben, entwickelt sich die textliche und musikalische Handlung des Albums… Das Rad ist in Bewegung, pass auf, dass du dabei nicht deinen Kopf verlierst!“

Wen solche Zeilen nicht neugierig machen, der sollte sich schnell wieder den Verlockungen seiner, von anderen geschaffenen virtuellen Traumwelt per Mouseklick und Tastaturbefehl hingeben. Ich setze da lieber die CD in Bewegung und passe auf, dass ich beim Hören der Musik, die direkt aus Finnland ihren Weg bis in das verschlafene Städtchen Riesa, das mit Sport und Industrie um einen guten Ruf kämpft und ihn durch die Beheimatung der braunen Grützköpfe von der „Deutschen Stimme“ wieder verspielt, fand, nicht meinen Kopf verliere. Vorsicht ist angesagt – und was soll ich schreiben? Gut, wenn ich hierbei schon nicht den Kopf verlieren darf, aber ich bin sprichwörtlich ziemlich aus dem Häuschen. Denn die Spannung, die sich durch die Beschreibung der Musik angekündigt hat, findet auf dieser CD anfangs tatsächlich ihre Vollendung.

Human Wheel“ ist ein Album, das für mich in gewisser Weise eine besondere Bedeutung erlangte. Selbst wenn diese überhaupt nichts mit der finnischen Band zu tun hat, so greifen doch die Rädchen zwischen den TRUSTIES und einer anderen Band, die sich überraschend und zum Leidwesen ihrer Fans plötzlich ohne ersichtlichen Grund auflöste, ineinander. Kurz vor deren Trennung führte ich noch eins meiner schönsten Interviews mit den Musikern (auf diesen Seiten nachzulesen), war begeistert von ihrer letzten Studio-CD „Paramount“ und hatte gerade ihre Live-CD „Playgrounds“ positiv besprochen, wohl auch unter dem Eindruck meiner eigenen Liveerfahrungen mit den Jungs, die sich gerade als neuen, hoffnungsvollen Sänger einen Holländer ins Boot geholt hatten. Bereits wenn sich das „Rad der Menschheit“ mit „Radiobeings“ in Bewegung setzt, sind sie da, die Erinnerung an SIEGES EVEN. Doch nicht nur daran, sondern auch an ein weiteres, in progressiven Metal-Kreisen hoch geachtetes Album: „The Perfect Element – Pt.1“ von PAIN OF SALVATION. Nicht nur musikalisch, sondern auch textlich finden viele „Elemente“ auf „Human Wheel“ ihren Zugang.

Allerdings ist dies nur die eine Seite der musikalischen Medaille – die andere hat eine deutlich mehr melodisch rockende. Ein wenig ASIA trifft hierbei auf TOTO und besonders auch YES – zu Zeiten, in denen die zwei TREVOR (RABIN – an der Gitarre & HORN – als Produzent) entscheidend zur Veränderung der musikalischen Ausrichtung der ehemaligen Prog-Dinosaurier in Richtung eingängiger Melodien und poppigem Schönklang beitrugen. Glücklicherweise verfielen sie dabei niemals anbiedernder Pop-Peinlichkeit. Zusätzlich bewegen sich viele der dunklen Momente verstärkt im Umfeld von BLACK SABBATH oder CARPTREE. Musikalisch verlockend ist das allemal, auch wenn die besungene Geschichte weniger Optimismus verbreitet – typisch „The Perfect Element“ eben.

Das Stück, welches dem Album seinen Namen verlieh, fällt dagegen völlig aus der Rolle. Ein extrem finsterer, sechsminütiger Instrumentaltitel, der locker zur Untermalung solch beeindruckender Horrorfilme wie SAW oder SIEBEN geeignet ist. Womit wir bei der Stimmung des Albums wären. Der Kreislauf der Menschheit unter dem TRUSTIES-Blickwinkel ist nicht von sonnigen Momenten geprägt. Schon beim Entnehmen der CD wird dies an einem, einer Blume mit vielen symmetrisch angeordneten Blättern gleichenden Rad, gefüllt mit einer Unmenge Symbolen, ersichtlich – auf jedem Blatt entdeckt man Zeichen: Yin und Yang, genauso wie das christliche Kreuz sowie der Judenstern neben dem Hakenkreuz, das Peace-Zeichen neben dem Dollarzeichen oder das menschliche Herz neben dem kommunistischen Hammer-und-Zirkel-Symbol. So viele Unterschiede, so viele Gegensätze – überzeugend vertont durch die Finnen, die definitiv nicht spinnen, sondern hier in textlicher DANIEL-GILDENLÖW-Manier düstere Zukunftsvisionen entwickeln.

Bis hierhin läuft also alles bestens, doch dann …

… dann flacht mit einem Mal die Musik hörbar ab. Die Einfälle, ob kompositorisch oder auch spieltechnisch, gehen den Finnen aus. Sie versuchen ihr Album in die Länge zu ziehen, Zeit zu schinden, das Kaugummiprinzip anzuwenden. Plötzlich beginnt das Rad in eine unangenehme Richtung zu holpern, die nach einer stark abgespeckten Variante von TANGENT (auch der Gesang ähnelt TILLISONs Vokalakrobatik) und platter DREAM THEATER-Klauerei klingt. Man fühlt sich an einen unbekannten Marathon-Läufer erinnert, der sich die ganze Zeit auf sich selbst verließ und das Ziel schon fest im Blick hat. Aber dann besinnt er sich noch während des Laufs und einem Blick über seine Schulter all der großen Namen, die mit ihm laufen, und vor lauter Hochachtung lässt er sie an sich vorbeiziehen, um am Ende zwar nicht gesiegt oder unglaublich überrascht zu haben, dafür aber wenigstens noch die Anerkennung von denen erntet, die er vorbei ließ.

Und so geht ein anfänglich sehr hoffnungsvoll klingendes Album mit einem hoffnungslosen Abgang zuende.

FAZIT: Es gibt eine Vielzahl von Alben, die unentdeckt ein musikalisches Schattendasein fristen, sich aber trotzdem durch einen ungewöhnlichen Abwechslungsreichtum, unerschöpfliche Kreativität und textliche Tiefgründigkeit auszeichnen. Zu dieser Kategorie gehören hundertprozentig SEVEN STEPS TO THE GREEN DOOR oder CARPTREE. Ein weitere Anwärter auf diese Kategorie ist die finnische Band TRUSTIES, die allerdings dafür durchgängig die musikalische Qualität halten muss, mit der sie bei „Human Wheel“ einsteigt.

Erhältlich über www.justforkicks.de

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 2503x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 9 von 15 Punkten [?]
9 Punkte
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Tracklist:
  • Radiobeings
  • Autopilot
  • Free Fall
  • Rituals & Routines
  • Human Wheel
  • When Sense Meets Its Marker
  • Them Or Us
  • Djemoniee
  • Is This The Last Round?
  • You Can Only Lose
  • Endless Run
  • Reinvention Of The Wheel

Besetzung:

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