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Neal Morse: So Many Roads (Live In Europe) (Review)

Artist:

Neal Morse

Neal Morse: So Many Roads (Live In Europe)
Album:

So Many Roads (Live In Europe)

Medium: Download
Stil:

Retro Progressive Rock

Label: Radiant Records
Spieldauer: CD 1: 63:42 , CD 2: 78:34, CD 3: 70:55
Erschienen: 12.03.2010
Website: [Link]

Der Meister der ausladenden Opulenz ist zurück. Ein Triple-Set mit rund dreieinhalb Stunden Spielzeit – Live. Ein Vergnügen?
Obwohl NEAL MORSE-Konzerte tatsächlich so lange dauern können, bietet „So Many Roads“ eine Zusammenstellung mehrerer Auftritte in Deutschland und den Niederlanden. Das funktioniert immerhin so bruchlos, dass selbst der Zusammenschnitt aus Bochum UND Zaandam „Stranger In Your Soul/Bridge Across Forever“ nicht gestückelt wirkt. Zeigt natürlich ebenfalls, wie sehr MORSE und seine holländische Begleitband mittlerweile aufeinander eingespielt sind. Der Verzicht auf große Namen sollte zukünftig eigentlich auch im Studio nicht allzu schwer fallen.
Besonderes Lob an Jessica Koomen, deren volle und gleichzeitig ätherische Stimme MORSEs Gesang hervorragend ergänzt.

Zu den teils plakativen und phrasenhaften Texten ist an anderer Stelle genug gesagt worden, man weiß, was NEAL MORSE ideell bewegt, und so bekommt man ihn auch. Ähnliches gilt für die Musik.
„So Many Roads“ bietet einen recht repräsentativen Querschnitt durch sein Schaffen. Gleich der Einstieg „At The End Of The Day“ geht zurück in alte Spock’s Beard Tage zu Zeiten von „V“ und überzeugt durch eine druckvolle Interpretation. Danach geht es weiter mit „Leviathan“, dem sperrigsten Stück des letzten Studioalbums „Lifeline“. Achtbar, man sollte bloß nie auf die Idee kommen, den Song mit ähnlich gearteten Monstren VAN DER GRAAF GENERATORs zu vergleichen. Die folgende Ballade „The Way Home“ gewinnt durch den etwas raueren Vortrag gegenüber dem Studio-Original, bleibt aber immer noch ein ziemlich banales Sinagalong-Liedchen. Überzeugender sind die beide karg instrumentierten Stücke „That Crutch“ (vom „Songs From The Highway“–Album) und „We Need Some Light“, die durch ihre unprätentiöse Art zu den Höhepunkten des Sets gehören. Wie MORSE überhaupt oft am besten ist, wenn der ganze Bombast ein wenig zurück geschraubt wird, und der Singer/Songwriter, bzw. bei „Help Me/The Spirit and the Flesh“ der Mann mit Bluesfeeling durchschimmert.

Bringt es die erste CD immerhin auf sieben Stücke, schmücken sich die restlichen beiden Scheiben lediglich mit je drei Liedern, oder besser gesagt Epen...
Die Readers Digest-Versionen von „Question Mark“ und „Testimoney“, das „Testimedley“, komprimieren die zugrunde liegenden Alben sehr effektiv; Glanzstück ist aber das zwölfminütige, abwechslungsreiche „Help Me/The Spirit And the Flesh“, das wieder den zurückhaltenden NEAL MORSE zum Vorschein bringt. Klasse Song.
Bleiben auf der abschließenden CD, „So Many Roads“, das schon auf dem allzu glatten „Lifeline“ gefiel und im Konzert dazu gewinnt. Das etwas verwaschenere Klangbild und die druckvollere Spielweise tun dem Lied gut. Und dass die Band an dem TRANSATLANTIC-Longtrack „Stranger In Your Soul/Bridge Across Forever“ nicht scheitert, zeigt ihre Klasse. Die vorliegende Interpretation braucht sich hinter keiner bestehenden Version zu verstecken, mit derart viel Verve und Sicherheit wird sie gespielt.

Ein adäquater Abschluss der kleinen, aber nicht kurzen NEAL MORSE-Nabelschau. Man mag über das Konzept streiten, mehrere Auftritte und Auftrittsorte zu einem Album zusammen zu schweißen. Aber die Live-Atmosphäre kommt gediegen rüber – wie durch das gut aufgelegte, mitsingende Publikum bei „We All Need Some Light“ - und unterstreicht außerdem den Vorteil, den eine Konservierung besitzt: man muss sich dreieinhalb Stunden voluminösen MORSE-Code nicht an einem Stück zu Gemüte führen. Und entgeht so der Gefahr, sich an „too much Drama, Baby“ satt zu hören

FAZIT: Abgesehen von dem Verzicht auf Auszüge aus “Sola Scriptura” (vielleicht dem 2008er Live-Paket „Sola Scriptura And Beyond“ geschuldet) und den ersten Solo-Alben, bietet „So Many Roads (Live In Europe)“ einen perfekten Überblick und eventuellen Einstieg in NEAL MORSEs Schaffen. Und damit der frühen SPOCK’S BEARD. Und TRANSATLANTICs. Und der Epigonen.
Wer also in jene Welt der retroprogressiven (was für ein Widerspruch) Rockmusik hineinschnuppern möchte, der ist bei diesem Mammutprodukt exzellent aufgehoben. Ein gut aufgelegter NEAL MORSE, fähige Begleiter und weitgehend ansprechendes Songmaterial („Lifeline“ bleibt allerdings – vom instrumentalen Beginn abgesehen – eine überkandidelte, platte Jubelarie. Doch was soll’s - erste CD, letztes Stück...) machen „So Many Roads“ zum vielleicht hörenswertesten Live-Album des veröffentlichungswütigen Ex-Bartes.

Nein, zu den Texten schreibe ich nix. Und dass die Musik, mit etwas Distanz betrachtet, dem feuchten Traum eines alten Mannes, auf der Suche nach dem Sound seiner Jugend, nahe kommt, auch nicht. Aber wie erreicht man etwas, das bereits Vergangenheit ist? Fragen wir NEAL MORSE in einem halben Jahr oder so. Wenn der nächste Output ansteht...

Jochen König (Info) (Review 5520x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • CD 1:
  • At The End Of The Day
  • Leviathan
  • The Way Home
  • Author Of Confusion / I'm The Guy
  • That Crutch
  • We All Need Some
  • Lifeline
  • -
  • CD 2:
  • Question Mark Medley
  • Help Me
  • Testimedley
  • -
  • CD 3:
  • Walking On the Wind
  • So Many Roads
  • Stranger In Your Soul / Bridge Across Forever

Besetzung:

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