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Flotsam And Jetsam: High (Review)

Artist:

Flotsam And Jetsam

Flotsam And Jetsam: High
Album:

High

Medium: CD
Stil:

Metal

Label: Metal Blade
Spieldauer: 47:03
Erschienen: 14.07.1997
Website: [Link]

FORBIDDEN –Distortion/Green
OVERKILL – I Hear Black
TESTAMENT – Low
KREATOR – Cause For Conflict
VOIVOD – Negatron/Phobos
OBLIVEON – Carnivore Mothermouth
CHANNEL ZERO – Black Fuel
DESTRUCTION – Cracked Brain
CARCASS – Swansong
XENTRIX – Scourge

Was diese scheinbar wahllose – und nur beispielhafte – Aufzählung soll? All diese Alben haben eines gemeinsam: Sie sind im jeweiligen Werk der Bands die Ausreißer, weichen von den gewohnten, kompositorischen Schemata ab und erweitern ihr musikalisches Spektrum. Natürlich ist das sehr subjektiv und sollte auch so gelesen werden.

Einige dieser Truppen entwickelten ihren Stil zwar immer schon kontinuierlich weiter, gingen dann aber einen Schritt zu weit (VOIVOD, CHANNEL ZERO). Andere legten einen plötzlichen, radikalen Bruch hin (FORBIDDEN, XENTRIX). Und bei wieder anderen ist die Veränderung eigentlich gar nicht so groß, dass die teilweise vernichtenden Reaktionen verständlich wären (KREATOR). Doch sie waren es und sind es zum großen Teil noch immer – schließlich ist der Mensch ja ein Gewohnheitstier und gerade der Metaller in seinen Hörgewohnheiten zuweilen doch recht konservativ. Die Ablehnung großer Teile der Fans und der Journaille führte zu kommerziellen Bruchlandungen und nicht selten dazu, dass die Bands sich heute selber von diesen Alben distanzieren. So ignorieren FORBIDDEN ihre beiden besten Alben auf der Bühne völlig, VOIVOD spielen aus der Eric-Forrest-Ära gerade noch einen Song live. Wieder andere reisen zurück in die Vergangenheit, wärmen alte, vermeintlich erfolgreiche Formeln wieder auf und „geben den Fans, was sie hören wollen“. Mal abgesehen davon, dass das nichts mit künstlerischer Integrität zu tun hat, sind die latent uninspiriert wirkenden, baukastengleichen Aneinanderreihungen von Versatzstücken der letzten Platten von TESTAMENT oder METALLICA auch nicht besonders interessant anzuhören.

Und hier liegt nun der Grund für dieses Review, Denn der Rezensent meint – und wird seit Jahren in seinen Träumen von Gerechtigkeit davon heimgesucht: In allen Fällen gehören die „Abweichlerplatten“ zu den Sternstunden der Bands, sind durch stilistische Entgrenzung und kreativen Freiraum sogar oftmals die intensivsten und besten ihrer Karrieren. Stellvertretend für diese Gruppe sei hier einmal auf FLOTSAM AND JETSAMs grandiosen 97er Hinterbänkler „High“ hingewiesen.

Nachdem auch die Vorgänger schon die Fühler weg vom naiv-infantilen, lachhaft quietschig gesungenen und arg generischen Thrash in melodischere, groovigere und fettere Gefilde ausstreckten, brachten die FLOTS ihren erweiterten Horizont auf „High“ voll auf den Punkt. Hier komprimieren sie nicht nur ihre Charakteristika - allen voran den unvergleichlichen Gesang, sondern rekombinieren sie in ungemein spannender Weise. Rockige Thrasher oder thrashige Rocker wie „Hallucinational“ oder „It’s On Me“ locken mit einprägsamen Riffs, eingängigen Gesangslinien und einnehmendem Groove. „High Noon“ oder „Monster“ – die beiden besten Songs der Band? – gehen noch einen Schritt weiter weg vom Thrash Metal, ein Eindruck, der durch den Bombensound der verhältnismäßig wenig verzerrten Gitarren und das wunderbar natürlich produzierte Schlagzeug noch verstärkt wird. Kleine Experimente wie der jazzige Part in „Lucky Day“ oder das gelungene Cover des LARD-Klassikers „Fork Boy“ runden eine vergessene Perle von einem Album ab, die mit lauter Hits und einem fantastischen Sound daher kommt und die großartigen Einzelleistungen aller fünf Musiker zu einem nahezu perfekten Mannschaftergebnis vereint. Dass man mittlerweile wieder zum Konsensmetal zurückgefunden hat, ist aus kommerzieller Sicht zwar verständlich, hat aber umso mehr den schalen Beigeschmack des bereits angesprochenen, künstlerischen Offenbarungseides. „High“ dagegen ist, wie die anderen oben genannten Alben und noch einige mehr, eine kreative Explosion, eine wohl austarierte Grenzverschiebung und einfach ein verdammt fantastisches Album, das einem immer wieder die Freudentränen in die Augen schießen lässt.

I’m turning into a Monster,
I’ll turn the heat up high!

FAZIT: „Wat de Buer nich kennt, dat fret he nich“ – so hätte meine plattdeutsch sprechende Oma das Phänomen der Neophobie in Teilen des Metalkosmos kommentiert. Wenn auch etwas pointiert und wertend formuliert, ist es doch kaum zu leugnen, dass viele Truppen ihr Fähnlein gern mal in den Wind hängen und ebenso klar, dass dabei in der Regel keine Meisterwerke entstehen. Klar ist auch, dass die „Außenseiterplatten“ natürlich ebenfalls ihre Fans haben – nur eben zu wenige. Zumindest in den Fieberträumen eines unbedeutenden Rezensenten.

Hendrik Lukas (Info) (Review 4105x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Wertung: 14 von 15 Punkten [?]
14 Punkte
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Tracklist:
  • Final Step
  • Hallucinational
  • It's One Me
  • High-Noon
  • Your Hands
  • Monster
  • Lucky Day
  • Toast
  • High
  • Everything
  • Fork-Boy
  • Surgery (Japan Bonus Track)

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
Kommentare
Andreas Schiffmann
gepostet am: 15.07.2011

Yes, endlich sagt es mal einer: Geiles Ding, das letzte richtig gute von ihnen. "Drift" war übrigens auch klasse. Neil Kernon mal wieder als Endveredler an den Reglern. Sehr eigen, aber mitreißende Songs.
hendrik [musikreviews.de]
gepostet am: 15.07.2011

Stimmt, "Dirft" ist ebenfalls sehr geil - für meine Ohren ihre Zweitbeste. Liest man sich dann aber die Reviews zu den beiden letzten Scheiben durch (super, Rückkehr zu alter Stärke/altem Stil etc., auch hier auf musikreviews.de), fragt man sich, was sich die Leute bei diesem unflüssigen, melodiemäßig mauen Riffegeschiebe hören, was ich nicht höre. Sind für mich beste Beispiele für "kalkuliertes Künstlern" mit dem im Review angesprochenen Ergebnis.
Andreas Schiffmann
gepostet am: 15.07.2011

Meine Rede, einhundertprozentig.
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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