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Der Rest: Willkommen im Café Elend (Review)

Artist:

Der Rest

Der Rest: Willkommen im Café Elend
Album:

Willkommen im Café Elend

Medium: CD
Stil:

Alternative Rock plus

Label: Morganafilms/Motor Entertainment/Rough Trade
Spieldauer: 38:22
Erschienen: 14.12.2012
Website: [Link]

Besser ein gepflegtes Depressiönchen als eine ausgewachsene Psychose, scheint das lyrische Motto von Phil Taraz, dem Hauptsongschreiber und Texter von DER REST, zu sein. Oder wie er selbst es im Song „Situation Endstation“ ausdrückt: „Eine Spur weit negativ? Vielleicht schon!“.
Ironie findet kaum statt, hier kriegt das Leben voll eins auf die Fresse, wenn es nicht gerade selbst damit zugange ist auzuteilent. Das abgestandene Bier wird natürlich im „Café Elend“ getrunken, während draußen Schneeflocken besoffen und „schadenfroh“ (da muss man erst einmal drauf kommen) herumtorkeln. Städte, Menschen brennen, und wenn man fällt, wartet kein soziales Sicherungsnetz, sondern der dreckige Asphalt einer anonymen Stadt.

Taraz zieht das mit bemerkenswerter Konsequenz durch, lediglich der konterkarierende Epilog des aus einer einzigen Zeile bestehenden Openers („Ich ziehe eine Feuerspur hinter mir her, in ihr brennt alles, besonders hell die Freunde, die ich hinter mir ließ“) ist von verschmitztem Galgenhumor und vorsichtigem Optimismus. Der Widerhaken wird aber schon irgendwo versteckt sein…

Musikalisch passend wird ein berauschendes Gebräu geboten; ein bisschen so als würden TOCOTRONIC mit MARK LANEGAN (oder dem frühen NICK CAVE) die manische Intensität von SIXTEEN HORSEPOWER, ohne Country-Bezüge, beschwören. Nachtschwarze Hymnen, vorangetrieben von Chris Härtels schneidendem Orgelspiel, gestützt von einer knackigen Rhythmussektion. Taraz gibt den kompetenten Begleiter auf diversen akustischen Gitarren, lässt es gelegentlich aber auch elektrisch krachen. Wie im stärksten Stück, bzw. Stücken, dem Killer-Doppel „Requiem 1 + 2“. Hier werden Beziehungen, das eigene Leben zu Grabe getragen, und die Protagonistin „will nur noch diese Stadt brennen sehen“. Phil Taraz betätigt sich einmal mehr eher als Geschichtenerzähler denn als Sänger, und er macht das verdammt gut. Der Song lodert tatsächlich pulsierend und eruptiv, bevor er im zweiten Part seinen wehmütigen, flirrenden Abschluss im samtenen Untergrund findet.

Willkommen im Café Elend“ ist ein Album ohne Ausfälle, ein dicht gewobener Klangteppich voller hypnotischer Momente. Ein perfektes November-Album. Außer man schaut jede höhere Brücke, jeden Turm und Wolkenkratzer mit einem gewissen sehnsüchtigen Verlangen an.

FAZIT: Das Zweitwerk der Hamburger Band, reißt seine Hörer gleich mit dem furiosen Opener „Feuerspur“ in einen so finsteren wie faszinierenden Mahlstrom. Von lyrisch zart, dickes Lob an Violinistin Patricia Hevicke, bis zu fast schon postrockigen Soundwällen, begibt sich DER REST auf eine leidenschaftliche „Irrfahrt in eine schattenlose Welt“. Fröhlichkeit bleibt außen vor, German Angst regiert. Das perfekte Kontrastprogramm zu einer sich mit flachen Witzchen fütternden, medialen Bespaßungsgesellschaft. Oder wie es ein Kritiker ausdrückte: „Die etwas andere Hamburger Schule!“

Auf CD wird „Willkommen im Café Elend“ zwar erst Mitte Dezember veröffentlicht, digital ist das Album aber bereits seit dem 26.10. erhältlich.

Jochen König (Info) (Review 3183x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
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Tracklist:
  • Feuerspur
  • Situation Endstation
  • Abendwind
  • Schluss
  • Besser als geplant
  • Draussen
  • Ausstieg
  • Cafe Elend
  • Reqiuem 1
  • Requiem 2
  • Sonnenstrahl

Besetzung:

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