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Agusa: Högtid (Review)

Artist:

Agusa

Agusa: Högtid
Album:

Högtid

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Psychedelic/Progressive/Krautrock

Label: Transubstans Records
Spieldauer: 44:05
Erschienen: 02.04.2014
Website: [Link]

Schweden ist das Land, in dem eine milliardenschwere Automarke werbewirksam und patriotisch von einem überbezahlten, aber hoch talentierten Fußballgott (oder doch nur -profi?) angepriesen wird, der noch dort per Fallrückzieher zum Torschuss ansetzt, wo andere die Kugel aufgrund fehlender Alternativen verzweifelt auf die Tribüne hämmern. Auch die dort ansässige Musikszene, die zurzeit vor allem die 70er in allen erdenklichen Farben und Facetten einzufangen versucht, verkauft sich weltweit wie geschnitten Brot. Doch im Gegensatz zu den genannten Institutionen kommen AGUSA ganz ohne millionenschwere Werbung oder Gehälter aus. Mehr als dass das Quartett eine "psychedelic progressive krautrock band" sein soll, ist dem eigentlich allwissenden Internet erst mal nicht zu entlocken. Ob das ausreicht, um die namhafte Konkurrenz zu zlatanieren?

Erst mal rufen AGUSA "Högtid", also einen Feiertag aus und laden zu diesem Anlass zum Tanzen und Fröhlichsein, aber nicht zum Singen. Die Schweden musizieren nämlich ausschließlich instrumental, was dem ein oder anderen beim oben genannten Genremix und Songlängen von bis zu 14 Minuten schon vorzeitig angestrengte Sorgenfalten ins Gesicht treiben könnte. Wer sich jetzt angesprochen fühlt, darf sich schnell wieder beruhigen und mit seinen Schlaghosen in den Sessel fletzen, denn die Band aus Malmö weitet ihre Kompositionen zwar gerne zu mehrminütigen Jamsessions aus, weiß aber genau, wann genug ist. Daraus entsteht ein lässiger Sound, der zum längeren Verweilen lädt, um sich am Ideenreichtum AGUSAs zu laben.

Nur mit Gitarre, Bass, Orgel und Schlagzeug bewaffnet, rollen die Vier einen luftigen Soundteppich aus, in dem es aber trotzdem eine Menge zu entdecken gibt. 'Uti Vår Hage' eröffnet den Reigen mit einem behutsamen Beginn, der in einen swingenden Jazzbeat und ein buntes Stück Musik mündet. AGUSA spielen mit laut und leise, langsam und schnell, dunkel und hell und varieren das Thema immer wieder auf spannende Art und Weise, sodass die 11 Minuten Spielzeit wie im Flug vergehen. Auch folkloristische Anleihen wie in 'Melodi Från St Knut' finden immer wieder Einzug in den bandeigenen Sound und addiert sich mit Anleihen von 70er-Helden wie AMON DÜÜL, DEEP PURPLE und EMERSON, LAKE & PALMER zu einem eigenständigen Retrococktail, der auf eine angenehme Art betrunken macht.

Der 14-Minuten-Opus 'Östan Om Sol, Västan Om Måne' verbindet eine düstere Atmosphäre mit fernöstliche Tonleitern und fügt dem Album so eine ungeahnte Wendung und eine weitere Spielwiese für alle Instrumente hinzu. Über die gesamten 45 Minuten des Albums dürfen die Musiker zeigen, was sie können. Gitarrensoli stellen sich gleichberechtigt neben riffrockende, röhrende John-Lord-Gedächtnis-Orgeln, gut zu hörende Basslines ergänzen sich mit dem variantenreichen Schlagzeugspiel zu mehr als nur einem Fundament, aber alles das verkommt nie zu blosser Effekthascherei. "Högtid" ist kauzig und locker, aber zu keiner Zeit langweilig oder überbordend. Viel kann man AGUSA also nicht vorwerfen. Vielleicht fehlt hier und da noch der Feinschliff, die komplette Abnabelung von den Vorbildern in den letzten beiden Songs und, ja vielleicht sogar eine lupenreine Ballade. All das ist aber Jammern auf hohen Niveau und für ein Debütalbum unter Umständen etwas zu hoch angesetzt, aber wer sich an den innovativsten Bands einer ganzen Generation orientiert, der hat sich nicht den einfachsten Weg ausgesucht. Trotzdem sollte man AGUSA als Fan der genannten Bands und/oder Genres unbedingt eine Chance geben.

FAZIT: AGUSA spielen (wie versprochen) einen 70er-Mix aus Psychedelic, Progressive und Krautrock angereichert mit eigenen Ideen und Anleihen aus der heimischen Folklore. Zwar fehlt am Ende der Feinschliff, doch trotzdem findet "Högtid" einen geschmackvollen Mittelweg zwischen luftigen Kompositionen und anspruchsvollen Jamausflügen. Am Talent der Schweden gibt es also keine Zweifel.

Norman R. - Stellvertretender Chefredakteur (Info) (Review 3293x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Uti Vår Hage
  • Melodi Från St Knut
  • Östan Om Sol
  • Västan Om Måne
  • Stigen Genom Skogen
  • Kärlek Från Agusa

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

  • Högtid (2014) - 12/15 Punkten
  • Två (2015) - 11/15 Punkten
Interviews:
  • keine Interviews
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