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Kerretta: Pirohia (Review)

Artist:

Kerretta

Kerretta: Pirohia
Album:

Pirohia

Medium: CD
Stil:

Instrumental Rock

Label: Golden Antenna
Spieldauer: 43:18
Erschienen: 05.09.2014
Website: [Link]

Hände klatschen im Takt, eine dunkle Gitarre verfolgt gleichzeitig ihren ganz eigenen, und nach nur wenigen Sekunden ist bereits klar: KERRETTA üben immer noch den gleichen Reiz aus wie vor drei Jahren mit „Saansilo“. Sie benutzen Reibung, physischen Kontakt von Rhythmen und die elektronische Entladung beim Verschieben der Tempi.

So stelle man sich eine Hintergrundanimation in drei Ebenen aus einer Trickaufnahme vor, einer erwachsenen, melancholischen Version der „Augsburger Puppenkiste“ vielleicht: Drei Linien in Wellenform sind hintereinander gelegt und bewegen sich schwingend auf und ab, jede einzelne vollkommen autonom betrieben von einem eigenen Statisten. Die vordere vielleicht etwas gemächlicher, mit ruhigerer Hand, die hintere womöglich wild und zappelnd, als geschehen weit hinten im Meer Dinge, die den Vordergrund noch nicht tangieren. Und das Gesamtbild bietet einen Panorama-Blick auf eine lebendige Welt voller Unwägbarkeiten, die jeglicher Synthetik entbehrt.

Holmes, Walker und Waters heißen einmal mehr die Statisten hinter diesen Soundwällen. Das angenehm kompakte dritte Album des Trios folgt kaum irgendwelchen Regeln, nicht mal jenen naturalistischen, denen der Post Rock gemeinhin hörig ist. Laut-Leise-Dynamiken entstehen nicht über Ebbe-und-Flut-Logik, sondern unverhofft in der sich zufällig ergebenden Symmetrie asymmetrisch angelegter Einzelbestandteile. Erneut sticht der Schlagzeuger heraus, dem es weniger um Schnelligkeit als vielmehr um Intensität und Variabilität geht. Er legt mächtige Strukturen vor, denen Bass und Gitarre nur dann folgen, wenn sie es gerade für richtig halten. Meist verteilen sich die Instrumente in alle Winde, um auf einmal gemeinsam für eine unheimliche Dichte zu sorgen, die man – vergleichbar mit RUSSIAN CIRCLES oder auch AMPLIFIER – einer Drei-Mann-Konstellation aus dem Stand kaum zutrauen würde.

Das Grande Finale von „Warnlands“ generiert solch einen majestätischen Eindruck erstmals in vollem Breitwandformat; die Gitarren wehklagen und dehnen sich vor Leid, das Schlagzeugfell pulsiert in Ekstase. „His Streets Of Honey, Her Mouth Of Gold“ wurde im April bereits gemeinsam mit dem Stück „Denizen“ im Mini-Format veröffentlicht, doch auch im größeren Kontext bettet es sich wunderbar ein, gefolgt von „Iron Hail“, das titelgemäß heftig und galoppierend die Eisen klirren lässt.
Bemerkenswert, dass „Pirohia“ auch in der zweiten Hälfte die Luft nicht ausgeht. Auf „Kawea T?tou Ki Ng? Hiwi“ wird sogar kurz der Instrumentalpfad verlassen, „Sister, Come Home“ gehört aufgrund eines starken Riffs mit Taktverschiebung als Höhepunkt einer ohnehin schon großartigen Herleitung über Glockenspielklänge dann zu den memorabelsten Momenten des Albums, wohingegen „The Last Rivers“ ein eher typischer Ausklang ist, auf dem das Gespann seine Affinität zu Ambientflächen ausleben kann.

FAZIT: Instrumentalrock mit modern interpretiertem Post-Präfix auf sehr hohem Niveau. KERRETTA agieren zwar insofern traditionell, als dass sie dem kunstfertigen, artifiziellen Progressive Rock einen Gegenentwurf bieten, doch bedienen sie sich dazu in einem längst ausgedorrten Genre frischer Mittel: Sie lassen die Entladung unvermittelter geschehen und erzeugen so ein hohes Maß an Spannung, das sich über weite Strecken eines alles andere als maßlosen Albums hält, das genau die richtige Länge hat.

Sascha Ganser (Info) (Review 2453x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Ossein Trail
  • The Roar
  • Warnlands
  • His Streets Of Honey, Her Mouth Of Gold
  • Iron Hail
  • Kawea T?tou Ki Ng? Hiwi
  • Sister, Come Home
  • The Last Rivers

Besetzung:

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