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Amadeus Awad: Death Is Just A Feeling (Review)

Artist:

Amadeus Awad

Amadeus Awad: Death Is Just A Feeling
Album:

Death Is Just A Feeling

Medium: CD
Stil:

Progressiv-Symphonischer Art-Rock

Label: Melodic Revolution Records / Just For Kicks
Spieldauer: 45:59
Erschienen: 20.08.2015
Website: [Link]

Es ist schon komisch, aber immer wenn irgendwo der Name AMADEUS rumgeistert, dann überfallen uns Erinnerungen an unseren Musikunterricht oder an Bücher & Filme, aber auch an eine Schokoladen-Kugel oder den Hit eines österreichischen Musikers, dessen Gier nach Drogen, Alkohol und Geschwindigkeit im Februar 1998 auf einer Straße in der Dominikanischen Republik endete. Dagegen lässt sich als allseitig gebildeter, dem deutschen, bildungspolitischen Kultur-Leitbild unterworfener Zeitgenosse nichts machen.
Aber wem bitte kommt dabei der Name eines Libanesen in den Sinn?
AMADEUS AWAD?!
Wer bitte ist das?
Vielleicht sollte Deutschland endlich doch mal mehr progressives Gedankengut als planunterworfenes Bildungs- und Polit-Gut zulassen, denn was der MOZART für die Klassik ist, ist ein AWAD für die progressive Rockmusik.

Auf „Death Is Just A Feeling“ gelingt AMADEUS AWAD der schwierige Spagat, eigene Todes-Sehnsüchte und -Erfahrungen in ein tiefschwarzes progressives Gewand zu kleiden, dessen Gewebe „Actual Fantasy“ und dessen Musik-Schneider AYREON heißen könnten.
Die Musik sowie die Texte, welche sich hinter dem tiefschwarzen Digi-Pack von „Death Is Just A Feeling“ verbergen, tragen eine dermaßen bedrückende Musikerhandschrift, dass man ihre Strahlkraft fast unweigerlich während jeder Minute des gut dreiviertelstündigen Konzept-Albums wahrnimmt. Warum das so ist, ergibt sich wohl aus den Worten, die AMADEUS AWAD selber zu seinem aktuellen Werk verliert, so schwer sie ihm wohl auch fallen mögen:
„Dieses Konzeptalbum ist das Ergebnis meiner persönlichen Erfahrungen mit dem Tod. Der tragische Verlust meines Vaters, meines Bruders und eines guten Freundes inspirierten mich dazu. Aber auch ein Selbstmordversuch, den ich beging und der scheiterte - und über den ich zum wiederholten Male nachdachte.“
Natürlich kommen einem dabei auch sofort die Worte von „Out Of The Dark“ in den Sinn, wo FALCO kurz vor seinem (un- oder doch freiwilligen?) Tod fragte: „Muss ich denn sterben, um zu leben?“
Aus finanzieller und musikalischer Sicht beantwortete sich die Frage nach millionenfachen „Out Of The Dark“-CD-Verkäufen umgehend, selbst wenn FALCO, ganz im Gegensatz zu seiner Plattenfirma, davon nicht mehr profitierte.

Vor einer ganz ähnlichen Frage stand wahrscheinlich auch der libanesische Musiker mit dem gleichen Vornamen unseres lebhaften, in Buch, Film und Musik verewigten Musik-Genies, das am 5. Dezember 1791 mit 35 Jahren als armer, aber musikalisch genialer Hund starb, der heute gemessen an seinen CD-Verkäufen ein Multi-Millionär wäre. Ja, die Kunst und die Zeit sind irgendwie immer verdammt ungerecht.
Welch Glück, dass sich AMADEUS AWAD nur auf das Fragen beschränkt, ohne nach dem missglückten Versuch erneut zur Tat zu schreiten, selbst wenn der einzige Satz, den man nach dem Öffnen der CD-Umhüllung liest, doch sehr mysteriös klingt: „Am 22. Mai 2015 regnete es nicht.“

Uns jedenfalls wäre aus musikalischer Sicht viel verloren gegangen, wenn wir nicht das Glück gehabt hätten, diese CD in den Händen zu halten, sondern stattdessen vielleicht eine belanglose, im weltweiten Netz untergegangene Todesanzeige lesen müssten, die vom Suizid eines libanesischen Musikers, der seine eigenen progressiven Lebenswurzeln ausreißt, berichtet.
Wir hätten auch nicht all die namhaften Musiker, die sich auf „Death Is Just A Feeling“ (Hat sich schon mal jemand Gedanken über die Aussagekraft solch einer Feststellung, verewigt im Titel einer CD, gemacht?) erleben dürfen und dem Album genau die Atmosphäre verleihen, welche wir aus den besten Werken von AYREON kennen - also „The Final Experiment“, „Actual Fantasy“ und „Into Electric Castle“. Fast kurios erscheint es auch in dieser Beziehung, dass AMADEUS AWAD mit keinem Wort auf dem Digi-Pack die beteiligten Musiker erwähnt, obwohl sie aus heutiger Sicht zum Who-Is-Who der progressiven Rockmusik gehören, weswegen sie hier eine besondere Erwähnung finden:
*ARJEN LUCASSEN (Wer glaubt noch an Wunder? Hier ist eins!) - der Kopf hinter AYREON, STREAM OF PASSION, THE GENTLE STORM und GUILT MACHINE;
*ANNEKE VAN GIERSBERGEN - die begnadete holländische THE GATHERING-Sängerin, die ebenfalls gemeinsam mit Lucassen bei AYREON und THE GENTLE STORM mitwirkte;
*ELIA MONSEF - der singende männliche Gegenspieler, dessen Stammband OSTURA heißt;
*MARCO MINNEMANN - ein deutscher Teufels-Drummer, der die Felle bereits bei STEVEN WILSON, JOE SATRIANI, THE ARISTOCATS und bei einigen KING CRIMSON-Musikern bearbeitete;
Ihn unterstützt dann auch gleich ein weiterer Drummer, der bei SPOCK‘S BEARD nicht mehr wegzudenken ist, aber auch schon SANTANA oder JOHN WAITE zur Verfügung stand - *JAMES KEEGAN!
Aber auch der Erzähler, *DAN HARPER, der mit seiner tiefen, fast bedrohlichen Stimme in diesem Konzeptalbum die Handlungsstränge eröffnet, zusammenhält und beendet, darf auf keinen Fall unerwähnt bleiben, genauso wie der Klarinettist *RAFI NASHANIKIAN und der Cellist *NAREG NASHANIKIAN. Alle akustischen und elektrischen Gitarren sowie Bässe und Keyboards samt Orchestration übernimmt *AMADEUS AWAD selbst.

Am Ende erlebt der Hörer von „Death Is Just A Feeling“ nicht etwa ein dark-waviges Prog-Werk, sondern ein ziemlich rockiges, sehr intensiv klingendes Album, das immer wieder an PINK FLOYD und natürlich AYREON erinnert, aber trotzdem in der ungewöhnlichen Mischung eine sehr eigene Ausstrahlung besitzt. Kein Wunder, wenn man die emotionalen Hintergründe zur Entstehung des Werkes kennt, dass beispielsweise durch den Erzähler und den bombastischen Einstieg mit „Opia“ sofort Erinnerungen an „Actual Fantasy“ von AYREON weckt, in „Sleep Paralysis“ als traurigen Ballade beginnt, die plötzlich schwermetallisch losrockt, um dann unterbrochen von düsteren Electronics und dem Erzähler mit „Monday Morning“ die Handlung verknüpft bis akustische & E-Gitarren plus Synthie-Flächen & Bässe übernehmen. „Tomorrow Lies“ überrascht daraufhin mit jeder Menge Floydismen, während der „Lonesome Clown“ mit weltmusikalisch-ethnischen Klängen und Gesängen beginnt, bis diese mit jeder Menge metallischen Breitseiten gespickt werden. Und immer wieder ist da diese faszinierende Van-Giersbergen-Stimme, zum Heulen schön, aber auch todtraurig, der die tiefe Harper-Erzähler-Stimme gegenübersteht.

Death Is Just A Feeling“ ist offensichtlich eine progressive Herzensangelegenheit von AMADEUS AWAD, für die er sich viel Zeit gelassen hat und der man ihre emotionale Tiefe anhört. Darum ließ er sich wohl auch bei der Wahl der beteiligten Musiker nur auf die hier genannten ein: „Jeder Charakter in der Geschichte weist eine spezielle Seite von mir auf. Darum wünschte ich mir, mit den größten Persönlichkeiten aus dem Prog und Metal zusammenzuarbeiten. Es ist für mich eine große Ehre, dass meine Idole tatsächlich gemeinsam mit mir dieses Werk verwirklichten!“

Ein kleines, bedrückend-bewegendes Prog-Meisterwerk ist das Ergebnis dieser Zusammenarbeit.

FAZIT: Der Libanon war bisher größtenteils ein weißer Fleck auf der progressiven Musik-Landkarte. AMADEUS AWAD ist nun ein tiefschwarzer Punkt darauf, den man definitiv nicht mehr übersehen kann!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 2433x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
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Tracklist:
  • Opia
  • Sleep Paralysis
  • Monday Morning
  • Tomorrow Lies
  • Lonesome Clown
  • Temporary

Besetzung:

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