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Nightwish: Endless Forms Most Beautiful (Review)

Artist:

Nightwish

Nightwish: Endless Forms Most Beautiful
Album:

Endless Forms Most Beautiful

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Symphonic Metal

Label: Nuclear Blast/Warner
Spieldauer: 78:52
Erschienen: 27.03.2015
Website: [Link]

Dass NIGHTWISH-Kopf Tuomas Holopainen den Posten der Sängerin mit Floor Jansen bestmöglich besetzt hat, weiß man spätestens seit "Showtime, Storytime". Die Liveaufnahmen vom Wacken Open Air 2013 zeigen, dass Floor dem Material stimmlich absolut gewachsen ist, eine tolle Bühnenpräsenz hat und mehr "Metal" ist, als ihre beiden Vorgängerinnen zusammen. Man durfte also gespannt sein, wie dieses Dreamteam sich auf dem ersten Studioalbum in der neuen Konstellation machen würde.

Das Ergebnis liegt nun vor und trägt den leicht sperrigen Titel "Endless Forms Most Beautiful". Der bezieht sich auf ein Zitat von Charles Darwin und inhaltlich geht es um Biologie, Evolution und Wissenschaft - weshalb man den berühmten Evolutionsbiologen Richard Dawkins dafür gewinnen konnte, dem Album mit gesprochenen Passagen im ersten und letzten Song einen Rahmen zu geben. Das Thema findet sich im leicht überfrachteten Coverartwork wieder, in dem aberdutzende Tiere zu sehen sind, wobei man selbst bei der Vinylversion sehr genau hinschauen muss.

Dass sich am musikalischen Ansatz von NIGHTWISH nichts geändert hat, ist klar. Und warum die Band die gesamte Genrekonkurrenz mühelos in die Tasche steckt, macht auch Album Nummer acht überdeutlich. Es ist wirklich erstaunlich, wie gut es gelingt, Orchester, Chöre, Floors Gesang, das metallische sowie das folkige Instrumentarium so zu arrangieren, dass die Songs nicht gnadenlos überladen wirken. Das wird der puristische Metalfan gewiss komplett anders sehen, aber der interessiert sich ja auch schon lange nicht mehr für die Band. Erfreulich ist, dass die Gitarre wieder ein bisschen heavier klingen darf, als zuletzt, wenngleich sie naturgemäß nicht im Fokus des musikalischen Geschehens steht.

Der Gesang von Floor Jansen gibt keinerlei Anlass zur Kritik. Zumeist darf sie in mittleren bis tiefen Lagen singen, die ihr perfekt liegen. Hier und da darf sie gar die Rockröhre auspacken, in höhere Etagen geht es nur selten. Wenn man mit NIGHTWISH nicht zwingend Soprangesang verbindet, ist sie auch auf Platte eine perfekte Wahl. Dass Marco Hietala auf einem Album schon mal mehr Gesangsanteile hatte, als auf "Endless Forms Most Beautiful" nimmt man zur Kenntnis, störend ist es indes nicht.

War der Voränger "Imaginaerum" in Sachen Songwriting vergleichsweise mutig ausgefallen, kann man das von "Endless Forms Most Beautiful" nicht unbedingt behaupten. Zwar bekommt man alles, was man von der Band erwartet, auch geboten, ein bisschen wirkt es aber auch wie ein Nummer-sicher-Album. Auch zünden ein paar Songs nicht sofort, entwickeln aber mit mehreren Durchläufen eine Hartnäckigkeit, mit der sie sich im Gedächtnis festsetzen und gleichzeitig das Verlangen wecken, das Album nochmal zu hören. Man stellt jedoch auch fest, dass einem hier und da Melodien oder Riffs bekannt vorkommen, da hat sich Holopainen dann wohl unbewusst am eigenen Repertoire bedient.

Das flotte, eröffnende "Shudder Before The Beautiful" ist so ein Song, der einem einerseits bekannt vorkommt, der aber schnell Ohrwurmqualitäten offenbart, ohne eine klassische Single zu sein. Perfekt also, um ein Album und später auch die Konzerte zu eröffnen. Zu den härtesten Songs des Albums zählen das folgende "Weak Fantasy" sowie "Yours Is An Empty Hope". Ersterer mit interessanten Strophen und explodierendem Refrain, zweiterer mit tollen Gesangslinien und getragenerem Refrain im Duett mit Marco. "Élan" war die erste Singleauskopplung und dafür typisch. Ebenso geeignet dafür wäre das traumhafte, leicht melancholische "Edema Ruh" mit poppiger Note, einer dieser Songs, die erst spät zünden, dafür aber umso nachhaltiger. Die obligatorische Ballade ist "Our Decades In The Sun", eine sanfte Hommage an Holopainens Eltern, von Floor mit viel Gefühl gesungen.

In seiner Fröhlichkeit wirkt "My Walden" mit folkigen Elementen anfangs fast schon penetrant, mit der Gewöhnung kommt aber das Gefallen. Der Titeltrack und "Alpenglow" sind dagegen reinrassige, starke NIGHWISH-Songs. "The Eyes Of Sharbat Gula" ist ein ruhig gehaltenes Instrumental, das ein bisschen wie ein Intermezzo wirkt, dafür aber mit über sechs Minuten zu lang geraten ist. A propos: mit 24 Minuten ist das fünfteilige "The Greatest Show On Earth" das bislang längste Stück in der Geschichte von NIGHTWISH und dementsprechend opulent, soundtrackartig und in sich abgeschlossen. Auch hier hat man ein bisschen das Gefühl, als wäre der Song länger als nötig, dafür hat er aber auch viele beeindruckende Passagen zu bieten.

FAZIT: Der erwartete Triumphzug bleibt aus, weshalb die 13 Punkte nur knapp erreicht werden. Was aber nichts daran ändert, dass NIGHTWISH der Konkurrenz (mal wieder) jegliche Existenzberechtigung entziehen.

Andreas Schulz (Info) (Review 6086x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Shudder Before The Beautiful
  • Weak Fantasy
  • Élan
  • Yours Is An Empty Hope
  • Our Decades In The Sun
  • My Walden
  • Endless Forms Must Beautiful
  • Edema Ruh
  • Alpenglow
  • The Eyes Of Sharbat Gula
  • The Greatest Show On Earth

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
Kommentare
Acuros
gepostet am: 09.06.2015

Dass Nightwish / Tuomas Holopainen was auf dem Kasten haben, kann auch ich nicht bestreiten, will's auch gar nicht.

Aber einerseits weiß das Album nicht, ob es nun betont einfach sein will oder doch eher anspruchsvoll, sodass desöfteren die Liedchen eher inkonsequent wirken, auf der anderen Seite ist der Ideenklau am eigenen Material nicht nur vorhanden, sondern schon so offensichtlich, dass es regelrecht dreist wirkt. All das ärgert mich dann einfach zu sehr.

Wenn sich der Kopf der Band entschließt, beim nächsten Mal etwas zu kreieren, das sowohl weniger inkonsequent als auch streckenweise nicht so derb abgekupfert ist, bin ich mit Freuden wieder mit von der Partie - aber diesen Silberling lasse ich mit schwerem Herzen aus. Daher auch keine Wertung.

Eins hat das Werk aber auch gezeigt: Wenn Floor Jansen konsequent ohne Leine gehalten wird, dann kann sie Nightwish durchaus auf noch eine höhere Stufe hieven. Die Frau kann's einfach. Ebenso funktionieren die beiden im Duett prima, generell darf Herr Hietala gern wieder mehr ran.
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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