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Spain: Carolina (Review)

Artist:

Spain

Spain: Carolina
Album:

Carolina

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Ruhiger Americana und Singer/Songwriter-Folk

Label: Glitterhouse / Indigo
Spieldauer: 40:42
Erschienen: 03.06.2016
Website: [Link]

SPAIN ist nicht nur ein Land im Südwesten Europas, sondern auch der unvorteilhafte Band-Name SPAIN, den sich JOSH HADEN einfallen ließ, damit er unter dieser Bezeichnung seine traurige Americana-Melancholie ausleben darf. Jedenfalls wenn man ihr aktuelles Album „Carolina“ hört. Zwar verzaubert uns die „Lorelei“ auch mal mit ein paar knackigeren Rhythmen, aber auch etwas schief liegendem Gesang, doch die Grundstimmung bleibt viel zu oft fest verschlossen im dunklen Musik-Keller getragener Behaglichkeit mit nicht nur einem Schuss, sondern einer ganzen Salve Melancholie.

Zwei Jahre ließ sich JOSH HADEN für „Carolina“ Zeit. Besonders glücklich oder lustig schien er währenddessen nicht zu sein, wenn so viel Trauer in seinen Songs liegt, die immer wieder auch ein paar Ausflüge in die Country-Musik unternehmen dürfen, bei denen dann zusätzlich Lap- und Pedal-Steel sowie ein Banjo ihre Klagegesänge anstimmen dürfen.

Haden selber gibt in einem Interview Auskunft über den Grund für die in jeder Note zu hörende Traurigkeit von „Carolina“. Sein Vater CHARLIE HADEN, einer der bedeutendsten Kontrabassisten des 20. Jahrhunderts, der den Free-Jazz maßgeblich und stilprägend beeinflusste, starb wenige Wochen vor seinem 77. Geburtstag im Juli 2014 in Los Angeles. „Carolina“ ist das erste Album von SPAIN, das nach dem Tod von Hadens Vater entstand: „I wanted to get back to my musical family roots of country and of my dad who passed away two years ago. This is the first album I released since my dead died.“

Carolina“ bewegt sich so musik-atmosphärisch zwischen MAZZY STAR und ruhige WALKABOUTS sowie die SILOS, deren WALTER SALAS-HUMARA eine ganz ähnliche, fast hypnotische Ausstrahlung wie JOSH HADEN besitzt. Doch trotz all der Trauer hinter „Carolina“ bleiben am Ende nur gut vierzig Minuten gepflegt Americana-Langeweile mit einem todtraurigen Hintergrund übrig, die für Haldens traumatische Aufarbeitung des Todes seines Vaters wohl sehr wichtig sind, für den Hörer aber ziemlich eintönig.

SPAIN haben einen Namen, der nicht nur Aufmerksamkeit durch die Verwendung ihrer Musik in den Filmen bzw. Serien „The End Of Violence“ von WIM WENDERS und „Six Feet Under“ fanden, sondern deren Songs sogar von JOHNNY CASH und den RED HOT CHILI PEPPERS gecovert wurden. „Carolina“ ist anders als die vorherigen SPAIN-Alben, stellt Haden fest. Und das ist nicht unbedingt besser, denn während SPAIN sich zuvor „stilvoller“ in Richtung WILCO bewegten, erklingt nunmehr rückwärtsgewandt Melancholie, sehr spartanisch, größtenteils akustisch instrumentiert. Die Texte darauf drehen sich nicht nur um die Gegenwart, sondern auch die Vergangenheit, welche weit zurück reicht. „The Depression“ beschäftigt sich beispielsweise mit der Wirtschaftskrise der 30er Jahre, die Hadens Großvater so intensiv erlebte, dass er sogar weinte - was er sonst nie tat -, wenn er seinen Enkeln aus dieser Zeit erzählte, die er als „Große Depression“ bezeichnete. Aber auch das Farmington-Minen-Unglück aus dem Jahr 1968 wird von Haden aus der Sicht eines unmittelbar betroffenen Minen-Arbeiters vertont. „Battle Of Saratoga“ wiederum erzählt die Geschichte eines Heroinabhängigen, der in den 60ern von einem Schneesturm erfasst wird. Und immer, wenn die Musik noch einen Ticken trauriger klingen soll, erhebt sich zu den anspruchsvollen Texten die leidvoll klingende Geige seiner Schwester PETRA HADEN.

Am Ende des Albums wird es dann sehr persönlich!
JOSH HADEN besingt auf „Station 2“ seine Kindheit in Malibu, dort zurückgelassene Freundschaften und eine verlorene Jugendliebe, nämlich Carolina, die diesem Album auch ihren Namen verleiht.

FAZIT: „Carolina“ ist kein Album für die Spaßgeneration 2.0 anno 2016, sondern für in größtenteils noch in traurigen Erinnerungen schwelgen könnende Musikliebhaber, denen bei dem Klang einer wehleidig klingenden Pedal Steel oder Geige schon mal eine Träne in den Augen auftauchen kann. Americana mit viel Gefühl, der manchmal aber auch in etwas zu ruhige Eintönigkeit abrutscht.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 2853x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 10 von 15 Punkten [?]
10 Punkte
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Tracklist:
  • Tennessee
  • The Depression
  • Apologies
  • Lorelei
  • One Last Look
  • In My Hour
  • Battle Of Saratoga
  • Starry Night
  • For You
  • Station 2

Besetzung:

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