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Giant Hedgehog: Giant Hedgehog (Review)

Artist:

Giant Hedgehog

Giant Hedgehog: Giant Hedgehog
Album:

Giant Hedgehog

Medium: CD/Download
Stil:

Progressive Rock

Label: Eigenvertrieb/Onbones Collective
Spieldauer: 25:54
Erschienen: 20.05.2016
Website: [Link]

Heimlich, still und gar nicht leise schleicht sich ein GIANT HEDGEHOG aus Deutsch-, aber keinesfalls Harry-Potter-Land, durch die Hintertür progressiven Instrumental-, Avantgarde- und Jazz-Rocks an und besetzt ohne großes Gehabe gleich mal das Zimmer mit der Aufschrift: Extraklasse!
Dieser Riesen-Igel sieht unglaublich süß aus, man möchte ihn regelrecht streicheln, doch wenn er seine musikalischen Stacheln ausfährt, dann zieht man anfangs erschrocken seine Hand zurück und öffnet stattdessen weit seine Ohren bei so viel komplex-progressiver Rock-Euphorie, die sich ganz besonders neben den mitunter brachialen Rockklängen durch ein schwer beeindruckendes Saxofon-Gewitter mit Stachelgarantie auszeichnet.
Hier wird nicht gestreichelt...
Hier wird gestochen!
Und zwar mitten in das Wespennest, das die Riesen-Wespen eines Schlages von KING CRIMSON und VAN DER GRAAF (ohne Hammill) im MAGMA eines Vulkans hinterließen. (GENTLE?) GIANT (HEDGEHOG) ist ein Musik-Vulkan, der mal ruhig mit tiefen Basstönen blubbert, dann bedrohlich mit Schlag- und E-Gitarren-Rhythmen brodelt und endgültig mit wildem Saxofon-Geheul ausbricht, um ganz schnell wieder zur Ruhe zu kommen. Doch irgendwo ist schon wieder ein Brodeln zu hören – und der wilde Tanz um den Vulkan beginnt erneut. Der Riesenigel auf dem wunderschönen Cover von POUL DOHLE scheint mit seiner Gitarre nicht auf einem Hügel zu sitzen, sondern auf einem musikalischen Feuerspucker.

GIANT HEDGEHOG ist zugleich eine progressiv schwer rockende Band aus Münster sowie ein Song, der 26 Minuten lang ist und auf ihrer ersten EP mit dem Namen aufwartet, den sich die Band anno 2009, aus was für einer Laune auch immer heraus, gegeben hat.
Hört man die Flöten-Teile im Song, dann vermutet man hinter dem GIANT auch ein gehöriges GENTLE!
Hört man das Saxofon vermutet man keinen Igel, sondern einen riesigen GENERATOR zur Erzeugung elektrischer Gleichspannungen, den ein gewisser Robert VAN DE(R) GRAAF(F) erfand und dessen musikalische Heiligsprechung besonders durch den Saxofonisten und Querflötisten DAVID JACKSON erfolgte. Verrückt, dass genau diese beiden Instrumente in wilder Ausgelassenheit und alle Grenzen überschreitend auch von THOMAS MROSEK gespielt, traktiert und (im positiven Sinne) „vergewaltigt“ werden. Anber auch Bassist PATRICK AGUILAR scheint ganz besonders den „Graaf“-Bassisten NIC POTTER zu verehren und ihm leidenschaftlich nachzueifern. Verdammt riesige Musik-Brocken, auf die sich da GIANT HEDGEHOG stürzen.
Und – welch große Überraschung – sie haben‘s tatsächlich drauf.
Sie spielen wild drauflos.
Sie beherrschen ihre Instrumente.
Sie habe ein Gespür für die verrücktesten Stimmungswechsel.
Sie improvisieren geschickt und komponieren mindestens genauso geschickt.
Sie sehen Prog Rock nicht als etwas Starres, fest Strukturiertes und Bierernstes, sondern verleihen ihm mit viel Sinn für Humor Freiheiten, die sich im Metal genauso wie im Free Jazz und Kinderliedmelodien wohlfühlen, ohne auch nur ein einziges Mal ein peinliches Schulterzucken zu verursachen.
Sie erschaffen eine Kakophonie, um die sie so lange eine Mauer aus Noten bauen, bis sie in die ungewöhnlichsten, sehr kurvigen, manchmal fast klassischen Bahnen gelenkt werden kann.
Der Riesen-Igel hat viele Stacheln – und alle sind sie scharf und stechen gehörig zu.
Und was kommt einem plötzlich noch in den Sinn?!
Beim Schreiben und wiederholtem Hören dieser Zeilen war der Vergleich plötzlich da. Und er wollte einfach aus dem Kritikerkopf nicht wieder raus. Den Stachel konnte man partout nicht ziehen. Auch wenn der Gesang fehlt, der gerade bei dieser Band durch die ausgesprochen charismatische Sängerin einmalig ist. Stellen wir uns einfach mal vor, besagte Band hätte wie PETER HAMMILL den Generator kurz abgeschaltet, um mit „The Long Hello“ den instrumentalen VAN DER GRAAF zu strapazieren. Ja, genau dann sind wir bei BENT KNEE ohne Courtney Swain.
Auch die sind ein riesiger Vulkan – genauso wie GIANT HEDGEHOG, die, wenn sie so weiter machen, bald nicht vor dem Aus-, sondern dem Musik-Durchbruch stehen sollten!
Eine ungeheurliche EP von einem so süßen GIANT HEDGEHOG!

Darum als FAZIT hier noch einmal wiederholt: GIANT HEDGEHOG legen eine außergewöhnliche EP vor, die sie gleich genauso wie ihre Band benennen. Darauf ein 25 Minuten langer Prog-Rock-Song, der wild im Jazz, Metal und Siebziger-Prog wildert und durch seinen Abwechslungsreichtum ungebremst Freude macht. „Giant Hedgehog“ ist ein entfachter Prog-Vulkan, der ständig vor dem Ausbruch steht und sich irgendwann ungebremst in unsere feuerroten Ohrmuscheln brennt.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 1911x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • Giant Hedgehog

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