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Syntension: Within Yet Without (Review)

Artist:

Syntension

Syntension: Within Yet Without
Album:

Within Yet Without

Medium: CD/Download
Stil:

Progressive Metal

Label: Eigenvertrieb
Spieldauer: 46:43
Erschienen: 23.09.2016
Website: [Link]

So kann man sich täuschen: Ließen Bandname, -logo und Cover noch auf eine weitere entseelte Djent-Kapelle schließen, die Musik mit der kreativen Schaffenskraft von Geogebra generiert, überraschen SYNTENSION auf sehr positive Weise.

Die Jenaer spielen sympathischen Progressive Rock/Metal, der sich sowohl bei klassischen Hardrock-Elementen bedient, als auch am Gabentisch der verqueren Riffs und Taktarten aus der Djent-Ecke. Dabei räumen sie Melodien als überspannendem Regenbogen eine prominente Stellung ein - auch gesanglich, Growls stehen nicht auf dem Programm.

Die eigene Messlatte legen sich SYNTENSION mit dem Opener „Invading Desire“ gleich ordentlich hoch und (Spoiler!) erreichen sie auf dem restlichen Album nur noch ansatzweise: Der Song beginnt mit einem Ohrenschlacker-Ausbruch – chaotisch-technische Riffs, Power-Gesang an der Grenze zum Geschrei, Doublebass-Gewitter –, in den sich immer wieder kleine atmosphärisch-leise Schnipsel schleichen, bis man sich in einer epischen Steigerungstat endlich freischwimmen kann. Weil es damit aber noch nicht genug ist, lässt man das Ganze sich urplötzlich in farbigem Dunst auflösen und schafft Raum, in dem sich ein PINK-FLOYDiges Saxophon ausbreiten kann. Mit mehrstimmigen Gitarren und später mehrstimmigem Gesang nach HAKENscher Machart schüttelt das Quintett lässig ein mächtiges Crescendo aus dem Ärmel, das sich in einer letzten Synkopen-Ejakulation entlädt – zum Niederknien!

Die beiden eher prägnanten Folgenummern „Do Without It“ und „Parasite“ können eben deshalb auch nicht derart überzeugen, wie ihr Vorgänger: Zwar warten SYNTENSION auch hier mit melodisch orientierten Parts auf und Roy Burkhardts Stimme gelingt es hinlänglich, die etwas trockenen und stacheligen Riffs beisammen zu halten, insgesamt fehlt dem Ganzen jedoch das „gewisse Etwas“.

Was allgemein noch zu sagen ist: Die Produktion klingt ordentlich, ob die Tatsache, dass das Album eher warm und nicht übermäßig auf „fett“ getrimmt klingt, jetzt das Ergebnis einer bewussten Entscheidung oder der eingeschränkten Möglichkeiten eines DIY-Projekts ist, egal, mir gefällt's.
Zum Gesang sei noch angemerkt, dass des Sängers offensichtliches Bestreben, der Musik sowohl Seele als auch mitreißende Emotionen einzuhauchen, sowohl ein richtiger Ansatz, als auch meistens von Erfolg gekrönt ist. Allerdings verlegt er sich meinem Empfinden nach zu oft auf jene Art von Pressgesang, die sowohl extrem passioniert als auch super männlich klingen soll. Ab und zu ist dieses Stilmittel sicher nicht verkehrt, aber zu oft hat man den Eindruck, dass hier offene Türen eingerannt werden, dass eine natürlichere Herangehensweise sogar noch effektvoller gewesen wäre.

Das Album beschließt der zweigeteilte Longtrack „The Inner Enemy“. Ob DREAM THEATERs „The Enemy Inside“ hierfür Pate gestanden hat? Zumindest musikalisch lässt sich keine Verbindung herstellen (und das ist auch gut so). Was der Feind im Inneren zu bieten hat, ist viertelstündige exquisite Unterhaltung, die trotz aller progressiven Schrullen den Eindruck von Stringenz erweckt und erfolgreich alles unternimmt, um keine Langweile aufkommen zu lassen. Was dem Doppelpack allerdings fehlt, ist Luft zum Atmen. So hätte es dem Ganzen sehr wohl getan, wenigstens einmal konsequent den Fuß vom Gaspedal zu nehmen und Raum für Atmosphäre (und Erhabenheit) zu schaffen. Hat doch bei „Invading Desire“ auch geklappt, warum nicht den Epic Sax Guy (Ralf Kummer) nicht für einen zweiten Gig in the Sky einladen?

„Habt ihr eine Ballade für mich, Jungs?“, soll Elton John gefragt haben, als er das Queens Of The Stone Age-Studio betrat. Zumindest in Jena hätte man guten Gewissens mit „Ja!“ antworten können: Mit „Fox“ wagen SYNTENSION einen interessanten Exkurs in ruhigere Fahrwasser und was zunächst noch ein wenig skeptisch stimmt, entwickelt sich nach mehrmaligem Hören zu einem der interessantesten Songs des Albums: Eine facettenreiche Rockballade, die aber weit davon entfernt ist, in kitschige SCORPIONS-Gefilde abzurutschen und der man höchstens vorwerfen könnte, dass sie mit fast sieben Minuten ein bisschen zu breit ausgewalzt ist.

FAZIT: SYNTENSION gelingt ein interessantes und vielversprechendes Debüt – Prog mit Seele und Hingabe!

Tobias Jehle (Info) (Review 3324x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 10 von 15 Punkten [?]
10 Punkte
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Tracklist:
  • Invading Desire
  • Do Without It
  • Parasite
  • Fox
  • The Inner Enemy Pt. 1
  • The Inner Enemy Pt. 2
  • Pathfinder (Bonustrack)

Besetzung:

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