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Brian Eno: Apollo: Atmospheres & Soundtracks - Extended Edition (Review)

Artist:

Brian Eno

Brian Eno: Apollo: Atmospheres & Soundtracks - Extended Edition
Album:

Apollo: Atmospheres & Soundtracks - Extended Edition

Medium: CD/Download
Stil:

Ambient / Soundtrack

Label: Universal
Spieldauer: 104:25
Erschienen: 19.07.2019
Website: [Link]

Nachdem BRIAN ENOs klassische Ambient-Werke bereits äußerst würdevoll in Vinyl-Form aufbereitet wurden, setzt sich die Reihe der Wiederveröffentlichungen des einstigen Innovators mit einem Mitte 2019 sehr naheliegenden Album fort: "Apollo: Atmospheres & Soundtracks" erscheint pünktlich zum 50. Jahrestag der Mondlandung von Apollo 11 in einer beträchtlich erweiterten Version, deren Zusätze beileibe nicht nur etwas für Erbsenzähler sind.

Die Verantwortlichen spendieren neben dem obligatorisch remasterten Original (Abbey Road Studios) immerhin eine zusätzliche CD voller komplett neuer Musik, die ebenfalls im Zeichen des ursprünglichen Konzepts steht. Bekanntlich erschien "Apollo" erstmals 1983 als Auftragsarbeit zur abendfüllenden Filmdokumentation "For All Mankind" von Regisseur Al Reinert (erst 1989 fertiggestellt) über das bahnbrechende Ereignis im Rahmen des frühen NASA-Weltraumprogramms und entstand unter Mitwirkung von Bruder Roger Eno sowie Brians langjährigem Weggefährten Daniel Lanois.

Die Produktion fand wiederum bei dessen Bruder Bob zu Hause in Hamilton in der kanadischen Provinz Ontario statt und warf eine Vielzahl von Stücken ab, die heute untrennbar mit ihren Schöpfern verbunden sind, weil sie oftmals wiederverwertet wurden, sei es für Spielfilme wie "Trainspotting", Werbespots oder in jüngerer Zeit die Eröffnungsfeier der 2012er Olympiade in London.

"Atmospheres & Soundtracks" ist hervorragend gealtert. Bei den Tracks handelt es sich größtenteils um kurze akustische Vignetten, wohingegen das achtminütige 'Stars' am Ende allerdings den atmosphärischen Zungenschnalzer der Platte markiert. Eine gewisse Einheitlichkeit, was die Tonmotive und Klangmuster betrifft, liegt in der Natur der konzeptionellen Sache, da sich dies für Begleitmusik zu bewegten Bildern aufdrängt. Dementsprechend hinterlässt das Album auch den Eindruck eines Gesamtwerks.

Unabhängig von einem leitmotivischen dumpfen Pochen, das gewissermaßen dem Erzeugen von Spannung dient, und teils bis zur Unkenntlichkeit verfremdeten Gitarrenspuren gehört "Apollo" zu den am leichtesten zugänglichsten Platten des Künstlers, und nicht nur deshalb erscheint es gar nicht so abwegig, wenn Eno-Hardliner sie als eine seiner Sternstunden (im wahrsten Sinn des Wortes) bezeichnen. Lanois' glockiger Kontrastpunkt 'Silver Morning' ragt ebenso heraus wie 'Deep Blue Day', das abseits des eher düsteren Grundtons der restlichen Tracks gleichermaßen "aufmunternd" anmutet, weshalb man die beiden Nummern damals wohl auch zusammen auf eine Single packte.

Die elf Tracks der "Verlängerung" sollen als alternative Interpretation des Soundtracks zur Doku verstanden werden. Das Trio fand für dieses Projekt erstmals seit Anfang der 80er wieder zusammen, wobei Lanois und Roger je drei Kompositionen beisteuerten - ‘Capsule’, ‘Last Step From The Surface’ und ‘Fine-Grained’, respektive‘Waking Up’, ‘Under The Moon’ und ‘Strange Quiet’. Sie reihen sich im Grunde nahtlos hinter den Originalkompositionen ein und stellen wirklich eine sinn- bzw. wertvolle Ergänzung dar.

Über die Soundqualität der aktuellen Variante im Vergleich zur Erstauflage über EG Records und zu den Virgin- bzw. Caroline-Nachpressungen mögen sich Experten auslassen, denn die Dynamik raubt so, wie sie jetzt ist, mitunter buchstäblich den Atem, worin ja auch der Hauptreiz dieser Art von Musik besteht - Klangnuancen, Lautstärkesprünge und die Möglichkeit, kleinste Details nicht nur auszumachen, sondern auch emotional zu erfassen.

Dies funktioniert gleichwohl nur, wenn man sich dem Material aufmerksam widmet; ansonsten ist es Ambient im herkömmlichen Sinn - reine Soundberieselung eben.

FAZIT: Dieses Album bleibt auch an heutigen Standards gemessen meisterliche Programmmusik mit meditativem Charakter. Ob man sich für diese remasterte Variante mit absolut hörenswertem Bonusteil oder das Original entscheidet, eine Auseinandersetzung mit BRIAN ENOs Ambient-Hochphase, die sich in diesem Werk fortsetzte, lohnt unbedingt, weshalb man "Apollo" (auch zum Verständnis seiner Musikphilosophie) als historisch interessierter Musikfreund kennen sollte.

Andreas Schiffmann (Info) (Review 570x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • Under Stars
  • The Secret Place
  • Matta
  • Signals
  • An Ending (Ascent)
  • Under Stars II
  • Drift
  • Silver Morning
  • Deep Blue Day
  • Weightless
  • Always Returning
  • Stars
  • The End Of A Thin Cord
  • Capsule
  • At The Foot Of A Ladder
  • Waking Up
  • Clear Desert Night
  • Over The Canaries
  • Last Step From The Surface
  • Fine-Grained
  • Under The Moon
  • Strange Quiet
  • Like I Was A Spectator

Besetzung:

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