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Frank Zappa: Mothermania (1969) – 2019er Vinly-Master (Review)

Artist:

Frank Zappa

Frank Zappa: Mothermania (1969) – 2019er Vinly-Master
Album:

Mothermania (1969) – 2019er Vinly-Master

Medium: LP/Remaster
Stil:

Avantgarde, Progressive Rock

Label: Zappa Records/Universal Music
Spieldauer: 41:31
Erschienen: 19.07.2019
Website: [Link]

Was wäre das nur für eine hochinteressante Frage an einen Musiker, der für die Einen als genial, die Anderen als verrückt und der größte Provokateur aller Zeiten gilt, und der sich bekanntlich mit dem Gedanken trug, als Präsident für die United States Of America zu kandidieren, wenn man dem 1993 verstorbenen MOTHER-Kopf zuraunen dürfte: „Was sagst du eigentlich zu deinem amerikanischen Traum, seitdem das Land der Sterne und Streifen sowie unbegrenzten Möglichkeiten von ‚Bobby Brown‘ (dessen Deckname offensichtlich Donald Trump ist) regiert wird?“

„Bobby Brown“ jedenfalls klingt genauso, als hätte FRANK ZAPPA in weiser Voraussicht und einen Blick in seine Glaskugel dem aktuellen amerikanischen Präsidenten genau 40 Jahre später ein Musik-Denkmal gesetzt: „Oh Gott, ich bin Der Amerikanische Traum / Glaub nicht, dass ich zu sehr über die Stränge hau / Ich bin eine Drecksau und seh gut aus – / Oh Gott, ich bin Der Amerikanische Traum / Mit `ner Spindel im Arsch, die mich schreien lässt / Um voranzukommen bin ich zu allem bereit – Oh Gott! Oh Gott! Ich bin so fantastisch!“

Wahrscheinlich würde ZAPPA in seiner Antwort etwas über „Plastic People“ und den „Idiot Bastard Son“ erzählen, um am Ende mit „America Drinks & Goes Home“ zu resümieren. Drei Songs aus „Mothermania“, der grandiosen wiederaufgelegten „The Best Of Mothers“, die sehr gut von Bernie Grundman gemastert und mit exklusiven Mixen von 11 MOTHERS-Songs aus den Jahren 1966 bis 1968 ausgestattet und aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums der MOTHERS (OF INVENTION)-Compilation erstmals wieder auf Vinyl erscheint.

ZAPPA, der 1964 bei THE SOUL GIANTS eingestiegen war, wurde ganz schnell ihr Bandleader und änderte deren Namen am Muttertag 1964 in THE MOTHERS, was im Grunde verkürzt für „Motherfucker“ stand, da damals der Begriff in Los Angeles als eine Slang-Umschreibung für „gute Musiker“ gehandelt wurde. Ein guter Musiker musste eben etwas von seinem Geschäft verstehen, sein Instrument beherrschen und gehörig provozieren können – einer eben, vor dem die besorgten Eltern immer ihre aufsässigen Teenager warnten.
Als die MOTHER(FUCKER)S dann 1966 einen Plattenvertrag mit MGM bekamen, bestand die Plattenfirma allerdings auf das Abändern des Namens in MOTHERS OF INVENTION. Ein Kompromiss, den ZAPPA in seinen Anfangstagen noch hinnehmen musste und der ihn dann nach und nach zu einem der boshaftesten Kritiker der amerikanischen Plattenindustrie, die ohne Rücksicht auf die Musiker ihre kompromisslos-ökonomisch-orientierten Regeln durchsetzte, werden ließ.

Mit den MOTHERS ging ZAPPA seine ersten gemeinsamen Musiker-Schritte, aus denen auch 1969 dieses Album hervorging.
„Mothermania“ war die erste und zugleich letzte Song-Zusammenstellung in dieser achtköpfigen Besetzung und feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag.
ZAPPA selber stellte den Longplayer als eine Art Protestaktion gegen die Unmenge anderer „Best Of“-Alben, die 1969 mit dem immer wieder gleichen Material wie Pilze aus dem Musikboden schossen, zusammen und wählte dafür exklusive Fassungen aus den drei ersten MOTHERS OF INVENTION-Alben aus: „Freak Out!“, „Absolutely Free“ und „We‘re Only In It For The Money“. Aus diesem Grunde befinden sich unterschiedliche Mixe von „The Idiot Bastard Son“ und „Mother People“ auf dem Album, welches seit 1974 (eine italienische Pressung) nicht mehr erhältlich war.
Sogar „Mother People“ wird im Gegensatz zu der Version auf „We‘re Only In It For The Money“ komplett ausgespielt und enthält nun die von der Plattenfirma zuvor zensierte Textzeile: „Shut your fuckin‘ mouth about the length of my hair.“ („Halt deine blöde Fresse, wenn du über die Länge meiner Haare quatschen willst!“).
Auch dass gerade die ersten ZAPPA-Jahre unter der MOTHER-Ägide ganz besonders extrem, verrückt, provokativ und rundum abgefahren waren und klangen, werden wohl die Millionen von ZAPPA-Fans nur zu gut wissen. „Mothermania“ brachte so 1969 unter ZAPPAs Federführung das zusammen, was als Konglomerat der ersten drei Alben zusammengehört.
Wer nach Eingängigerem vom großen Maestro mit der charismatischen Nase und Musik sucht, der greife dann doch besser auf „Sheik Yerbouti“ oder den Sampler „Strictly Commercial“ zurück.

Und für diejenigen, denen neben der „Mothermania“-Musik auch die Gestaltung der Gatefold-LP am Herzen liegt, gibt‘s mit dem „Der Abend“-Zeitungsartikel „Die Spielsachen sind alle kaputt“ auf der LP-Rückseite noch einen verdammt aufschlussreichen Artikel zu dem desaströsen Auftritt der MOTHERS OF INVENTION 1968 im Berliner Sportpalast zu lesen, bei dem die Band mit Eiern beworfen und, nachdem ZAPPA in die Menge „Ihr Leute benehmt euch wie die Schweine!“ gerufen hatte, zum Konzertabbruch gezwungen wurde.

Nun also gibt‘s „Mothermania“ in deutlich besserer, von den Original-Analog-Bändern gemasterter Qualität auf schwarzem 180g-Vinyl im Original-Gatefold-Cover der Erstausgabe. Da kommt wohl kaum ein ZAPPA-Freund dran vorbei. Immerhin spart er dann aber die exorbitanten Liebhaberpreise, die man für das 69er-Original investieren muss.

FAZIT: „Mothermania“ (1969) von FRANK ZAPPA und den MOTHERS (OF INVENTION) feiert, als einzige „The Best Of Mothers“-Compilation, die je in dieser Besetzung erschien, ihren 50. Geburtstag und bekommt, nachdem die letzte Vinyl-Ausgabe des Albums auf das Jahr 1974 zurückgeht, eine ausgezeichnet gemasterte 180g-Vinyl-Pressung im Original-Gatefold-Cover der Erstausgabe spendiert. Noch dazu befinden sich auf dem Album Versionen der Songs, die von den Studio-Alben der Jahre 1966 bis 1968 abweichen. Ein echtes Freudenfest für alle ZAPPAraner, denen der Begriff „ZAPPAESK“ für immer und auf ewig als musikalisches Lebens-Elixier dient.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 2556x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • Seite A (21:06):
  • Brown Shoes Don‘t Make It – 1967 (7:31)
  • Mother People – 1968 (1:42)
  • Duke Of Prunes – 1967 (5:07)
  • Call Any Vegetabe – 1967 (4:23)
  • The Idiot Bastard Son – 1968 (2:25)
  • Seite B (20:25):
  • It Can‘t Happen Here – 1966 (3:18)
  • You‘re Probably Wondering Why I‘m Here – 1966 (3:40)
  • Who Are The Brain Police? – 1966 (3:32)
  • Plastic People – 1967 (3:42)
  • Hungry Freaks, Daddy – 1966 (3:30)
  • America Drinks & Goes Home – 1967 (2:46)

Besetzung:

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