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Hundreds: The Current (Review)

Artist:

Hundreds

Hundreds: The Current
Album:

The Current

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Indie/Alternative/Electronic

Label: Embassy Of Music
Spieldauer: 46:59
Erschienen: 14.02.2020
Website: [Link]

„Philipp und ich wissen immer relativ genau, wenn ein Song HUNDREDS ist. Es ist unser Anspruch, dass ein fertiger Song exakt dieses Gefühl bei uns beiden auslösen muss.“ (Eva Millner)

Warum die HUNDREDS aus Hamburg selbst in Deutschland noch immer nach drei grandiosen Alben und gut zehn Jahren Banddasein als Insider- und Geheimtipp gelten, ist garantiert nicht nur für Musik-Kritiker ein großes Geheimnis. Denn das Geschwisterpaar Eva und Philipp Millner, die mit ihrer ganz speziellen Mischung aus verspielten Elektro-Klangwelten sowie charismatischem weiblichen Gesang und verstärkt durch reale (!!!) Schlagzeug-Sounds von Drummer Florian Wienczny aufwarten, spielen im Rahmen der Indie-Alternative-Electro-Pop/Rock-Szene in ihrer ganz eigenen Liga, wofür ihr aktuelles viertes Album „The Current“ ein mehr als klangvoller Beweis ist. Es untermauert nicht nur diesen Eindruck, sondern zementiert diesen für alle Zeiten, selbst im internationalen Electro-Pop-Universum, was nunmehr auch dazu führte, dass die offizielle deutsche DEPECHE MODE-Fan-Seite (https://www.depechemode.de/) „The Current“ zu ihrem Album des Monats erkor! Allerdings können DEMO nur ansatzweise als Vergleichsgröße für die HUNDREDS herhalten, weil das deutsche Geschwisterpaar Organisches und Elektronisches in sich vereinen und zu einer ureigenen Klangwelt aus Natürlichem und Künstlichem vermengen, in der sich eigentlich jeder Freund guter moderner Musik zwischen Minimalismus und Krautrock bequem einrichten kann.

Noch dazu kommt die charismatische Stimme von Eva Millner, die damals wie heute nicht nur SUZANNE VEGA verdammt ähnlich sah/sieht, sondern in den schönsten Momenten, wie beispielsweise beim noch von der Elektro-Akustik-Tour geprägten Album-Opener „Vessel In The Sky“ oder der auf Hit getrimmten Nummer „Ready Shaking Silent“ und dem bitterbösen „The Bombs“ – eine Abrechnung mit dem Größenwahn auf Kosten der vermeintlich Schwächeren –, nach ihr klingt!

So gilt nunmehr nach Album 4 als in Musikstein gemeißelter Fakt, dass bei den HUNDREDS und ihren allesamt auch als Vinyl veröffentlichten Scheiben grundsätzlich gilt: Bereits der erste Ton des ersten Songs zieht einen in seinen Bann – und dann dauert diese „ohrale Gefangenschaft“ bis zum letzten Ton des Albums an, der diesmal mit dem außergewöhnlichen, weil ohne Gesang auskommenden, Titel „Riptide“ ausklingt. Doch selbst rein instrumental hauen einen die HUNDREDS vom Hocker und klingen hier nach einer gewagten Mischung aus Krautrock und E-Pop, so als hätte ein BRIAN ENO dabei den Dirigentenstab geschwungen!

Bleibt allerdings zu hoffen, dass THE HUNDREDS endlich mit „The Current“ genau den Ruhm der öffentlichen Aufmerksamkeit einheimsen, den sie längst verdient hätten. Und Achtung, sogar Freunde von MIKE OLDFIELD sollten mal ein Ohr bei „You're The Storm“ riskieren, da erwartet sogar euch eine Überraschung, welche sich dann mit „Riptide“ fortsetzt. Außerdem kann keiner bzw. keine solche Textzeilen wie „Leave me paralyzed, love / Leave me hypnotized, love“ so wunderschön wie Eva Millner singen!

Einen der gewagtesten HUNDREDS-Brüche finden wir auf „Calling“, ein Song der wie eine Synthie-Ballade beginnt und den Hörer bewusst auf eine falsche Fährte führt, um dann beinahe brachial mit Posaunen-Tönen auszubrechen – ein absolutes HUNDREDS-Novum – um sich dann in eine regelrechte Hymne zu entwickeln, die mit jeder Menge Beats um sich haut und der singenden Eva alle Facetten abverlangt, so als würde sie ihrem Adam den musikalischen Apfel reichen, während die Schlange schon hinterhältig im Musikparadies lauert, das für viele leider nur „Mainstream“ heißt, aber im Grunde doch nur die Hölle ist. Doch vor der sind die HUNDREDS gefeit, selbst wenn sie nicht in göttliche Himmelschöre einstimmen, die viel zu glatt und angepasst sind. Da steht man doch eher auf Harfen als auf Electro-Beats und Blasinstrumente.

Das HUNDREDS-Label Embassy Of Music fügte „The Curent“ ein sehr umfangreiches, aussagekräftiges und wahrhaft liebevoll formuliertes Promo-Schreiben bei, dass einen spüren lässt, wie eng es an der Band, aber nicht den etwa zu erwartenden Profit orientiert ist. Da ist irgendwie Liebe zwischen beiden – und eine Vorahnung, die fast unvermutet mit einem Schlag eintrat, ohne dass man dies auch nur beim Verfassen dieses Schreiben erahnen konnte.

Darum hier mal der ansatzlose Übergang von Vision
„Es gibt Alben, die einen genau im richtigen Moment erwischen. [...] 'The Current' ist die perfekte Platte, wenn man gerade durch die letzten Tage des dunklen Winters schleicht, weltenmüde von all den beschissenen Nachrichten, die einem jeden Morgen den Kaffee vergrätzen, und man es kaum erwarten kann, dass bald endlich wieder der Frühling vor der Tür steht und uns Hoffnung gibt.“ ...

… und Wirklichkeit: „Dann kommt dieses Album, packt einen erst mit dieser sanften, dann bestimmten Strömung und zieht einen langsam heraus“ …

… doch dann knallt einem auch noch die natürliche, völlig unerwartete und zugleich unvorstellbare Realität ihren Corona-Virus entgegen und zwingt so einige Arschgeigen endlich zum Umdenken, oder im HUNDREDS-Sinne: … „aus diesem Stimmungsloch, diesem Pessimismus, aus dieser wehleidigen Lethargie, aufs offene Meer.“
Ganz genauso wie den „Body Of Water“!

FAZIT: Wer sich auf HUNDREDS einlässt, wird nie verlassen, egal, ob ein Corona-Virus sein Unwesen genauso treibt wie der Mainstream-Virus der Radio- und Streaming-Plattformen. HUNDREDS bleiben sich und ihrem Indie-Electro-Pop voller Magie und Schönheit treu. „The Current“ kann dabei gerne auch als der musikalische Impfstoff in Zeiten krankhafter Mainstream-Musik-Pandemien, ausgelöst durch allmächtige Label-Mechanismen, verstanden werden! Wer's jetzt noch immer nicht kapiert, der sollte weiterhin an seinem 3-Affen-Grundsatz fest- und ganz intensiv seine Ohren zuhalten!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 3264x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 14 von 15 Punkten [?]
14 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (22:28):
  • Vessel In The Sky (3:53)
  • Calling (4:41)
  • In The Air (3:35)
  • Body Of Water (3:10)
  • The Current (3:55)
  • Ready Shaking Silent (3:14)
  • Seite B (24:31):
  • Untold (4:09)
  • Consequence (5:36)
  • The Bombs (4:42)
  • You're The Storm (5:26)
  • Riptide (4:38)

Besetzung:

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Kommentare
Musikfan
gepostet am: 16.04.2020

User-Wertung:
9 Punkte

Echt jetzt? Ganz ehrlich, ich finde das Album belanglos und zwar in jeder Hinsicht (Komposition, Instrumente, Mischung, Gesang, ...). Desswegen ist es nicht schlecht, aber sticht (für mich) auch nicht aus der "Masse" ähnlicher Musik heraus.
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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