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Puscifer: Existential Reckoning (Review)

Artist:

Puscifer

Puscifer: Existential Reckoning
Album:

Existential Reckoning

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Art Pop / Rock

Label: BMG / Warner
Spieldauer: 60:57
Erschienen: 30.10.2020
Website: [Link]

Nach so langer Sendepause fühlt man sich in Anbetracht des archaisch wie bei den Pionieren Kraftwerk pluckernden Drumcomputers auf diesem Quasi-Comeback wie zuhause; dass PUSCIFER die Deutschen bewundern, hat man schließlich schon in ihrem jüngsten Video gesehen, das schon im Mai in "Mensch-Maschine"-Optik zu 'Apocalyptical' veröffentlicht wurde. Chiptune-Spitzfindigkeiten und naives MIDI-Gedudel verschärfen den Retro-synthetischen Charakter von "Existential Reckoning" zusätzlich, doch unabhängig von alledem hat das Projekt um Tool-Sänger Maynard James Keenan scheinbar beiläufig sein bisher stärkstes Werk vorgelegt.

Der ruhige Opener 'Bread And Circus', wo gleich zu Beginn der Titel des Albums zitiert wird, fungiert trotz seiner ausladenden sechseinhalb Minuten als Intro, das die inhaltlichen Eckpunkte sämtlicher darauffolgender Stücke festlegt. "Existential Reckoning" weist schmerzhaft direkt auf den schiefen politischen und gesellschaftlichen Haussegen insbesondere der sogenannten westlichen Welt hin, doch wem das auf Dauer zu arg wird, der dürfte keine Schwierigkeiten haben, den textlichen Überbau auszublenden.

Die Songs an sich sind nämlich ohne Ausnahme stark und machen süchtig - nicht zuletzt wegen des oft zweistimmigen Gesangs, wobei die britische Singer-Songwriterin Carina Round längst nicht mehr wegzudenken ist. Sie und Keenan geben sich wortgewandt wie immer, etwa in der verschmitzten Großtat 'Bullet Train To Iowa', wo er das letzte Wort des Titels pfiffig zu "Ayahuasca" verlängert. Egal wie tief PUSCIFER schürfen, unverschämt leicht zugängliche Grooves nehmen dem Material ungeachtet der latenten Melancholie, die sich hindurchzieht, seine Schwere.

Die zahlreichen New-Wave-Flausen, die sich das Ensemble erlaubt, zeugen einmal mehr von ihren Wurzeln bei Devo, David Bowie und Co., während die flächigen Akkordkadenzen, auf denen die meisten Songgerüste gründen, auch trendigen Synthwave-Alleinunterhaltern der Gegenwart prima stünden.

Das nervös zockelnde 'The Underwhelming' gehört genauso wie 'Theorem' mit seinen zerdehnten Gitarrenlicks zu den rockigeren Tracks, ehe PUSCIFER für 'UPGrade' nur den treibenden Rhythmus von jener Marschroute beibehalten, aber ansonsten eher manchen Art-Pop-Pionieren (Japan, Dali's Car, Talk Talk) Tribut zu zollen scheinen - insbesondere im späten Highlight 'A Singularity'

Nummern wie das minimalistische Gebrummel 'Grey Area' mit verfremdeten Vocals oder die erste Hälfte des letztlich zu langen 'Personal Prometheus' belaufen sich bloß auf gewieftes Klangdesign, das für die Gesamtatmosphäre allerdings unerlässlich ist. Gegen Ende wird die Platte tatsächlich noch besser - weitere Anspieltipps: das quirlige 'Postulous' und das aggressiv gespuckte 'Fake Affront', das gar an Michael Jackson Mitte der 1980er erinnert.

FAZIT: kunstreicher Electro Rock, dessen Einzigartigkeit einmal mehr die charismatische Stimme des Sängers ausmacht, außerordentlich verspielt und auch im Zeitalter von 5.1-Surround mit verblüffenden Stereo-Effekten ausgestattet - PUSCIFERs "Existential Reckoning" ist State-of-the-Art-Synth-Pop mit eindringlichen Textbotschaften, die einem beim Mitsingen - die Band verführt auf nachgerade perfide Weise dazu - im Hals steckenbleiben.

Andreas Schiffmann (Info) (Review 1408x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Bread And Circus
  • Apocalyptical
  • The Underwhelming
  • Grey Area
  • Theorem
  • UPGrade
  • Bullet Train To Iowa
  • Personal Prometheus
  • A Singularity
  • Postulous
  • Fake Affront
  • Bedlamite

Besetzung:

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