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Wildwood Morning: Wildwood Morning (Review)

Artist:

Wildwood Morning

Wildwood Morning: Wildwood Morning
Album:

Wildwood Morning

Medium: LP/Download/LP farbig
Stil:

Folk, Psyche, Rock, Pop

Label: Dynamite Platten
Spieldauer: 45:08
Erschienen: 15.11.2020
Website: [Link]

Schon das psychedelische 60er/70er-Jahre-Cover von WILDWOOD MORNING zeigt klar die Richtung an, welche das italienisch-deutsche Duo aus Berlin-Neukölln einschlägt: hippiesker Folk mit Blumenkinder-Attitüde, psychedelisch abgehobener Rock und verträumter Nostalgie-Pop. Eine ideale Mischung – Nostalgie hin oder her – für all diejenigen unter uns, die sich noch immer nach einer Zeit sehnen, in der Musik mehr sein konnte, als der gestreamt-herzlose Klang aus der Retorte, sondern ein Lebensgefühl voller Leidenschaft, bei dem man nicht nur „Make Love No War“ oder „Give Peace A Chance“ sang, sondern auch danach lebte. Und wenn man (s)eine Knarre rausholte, dann höchstens, indem man am Reißverschluss seiner Hose nästelte und sie runter ließ, um sich zu vereinigen, statt andere „Feinde“ mit Blei vollzupumpen, wie damals in Vietnam oder heute in Syrien...

Verklemmte Tabus waren und sind dazu da, sie zu brechen und biedere Moralapostel gefälligst zu entzaubern, statt ihnen traditionell-kleinbürgerlich in den Allerwertesten zu kriechen.
WILDWOOD MORNING – aka Henning Wienecke und Laura Lazzarin – leben genau dieses Gefühl auf ihrem Retro-Album voller Nostalgie-Appeal aus. Und natürlich passen die Beiden ideal auf ein Platten-Label wie Dynamite Platten, das als Untertitel den Slogan „Gut für Ohren und Geist“ trägt!

So wird gleich der erste Song des Albums zur Anklage gegen etablierte Politiker und rücksichtslose Wirtschaftler, denen das Klima nur in ihren leeren Worten noch wichtig ist, während ihre Taten eine andere Sprache sprechen. „Greta Thunder“ ist der Titel – und bei dem Namen die Botschaft klar: Greta ist noch da, auch wenn momentan Corona wichtiger zu sein scheint.

Da mit Laura Lazzarin bei WILDWOOD MORNING eine italienische Musikerin mit am Start ist, gibt es zudem mit „Fermati Tempo“ und „Misteri Di Alleghe“ gleich zwei Stücke, die in italienischer Sprache vorgetragen werden – und beide gehören auch zu den Highlights von „Wildwood Morning“, das manchmal unter musikalischem Aspekt etwas banal erscheint. Kinderliedchen-Rhythmen oder Flötentöne für Anfänger erscheinen etwas über- oder untertrieben, auch wenn besagter Song extra für die Tochter geschrieben wurde – aber wenn der Text mit so einem schönen Bild wie: „Dein Lächeln leuchtet, wenn deine Träume tanzen wie Schmetterlinge, die ich noch niemals sah...“, beginnen, dann verzeiht man gerne auch mal übertrieben banal-pathetische Musikschwelgereien.

Neben solch herzerwärmenden Kinderliedern und austauschbaren Pop-Songs gibt es auch sehr intime Balladen und düstere Folklieder, sodass für die unterschiedlichsten Blumenkinder-Geschmäcker etwas auf dem Album dabei ist, das durch eine farbig gesprenkelte, sehr liebevoll hergestellte LP überzeugt. Konsequenterweise gibt’s noch nicht einmal eine CD-Version von „Wildwood Morning“, denn wer diese Musik mag, der hat garantiert auch einen Plattenspieler.

Im Inneren der LP entdeckt man zusätzlich eine Postkarte mit „Saluti da Alleghe“ sowie einen LP-großen Einleger mit allen Texten auf der einen und Musikerfotos auf der anderen Seite. Da wurde an nichts gespart, wobei auch der Sound sich deutlich an den Frühsiebzigern orientiert. Rundum authentisch eben.

Der zweite italienisch gesungene Song, der die LP-B-Seite eröffnet und mit gut sieben Minuten zugleich der längste Titel des Albums ist, wartet etwas überraschend mit symphonischen Elementen auf, die sich mir Folk-Psychedelia und an die MAMAS & PAPAS erinnernden Melodien vereinen. Traumhaft und recht verspielt. So wird „Misteri Di Alleghe“ mit seinem zusätzlichen folkloristischem Chanson-Charakter zum besten Stück auf „Wildwood Morning“.

Das folgende „Deep Shadow“ glänzt demgegenüber mit einem unerwarteten E-Gitarren-Solo, das die getragenen Grundrhythmen durchfräst, um dann dem psychedelischsten Stück „Love Speaks Silence“ den kräutrigen Weg zu ebnen. Ein echter Kiffer-Song!

„Arlo“ verabschiedet uns mit zarter Akustik-Gitarre und Duett-Gesang aus der LP. Schwebend wie ein Albatros am blauen Himmel – und so entschwebt auch „Wildwood Morning“ auf den braungesprenkelten Rillen vergangener Zeiten und winkt einer Blumenkinder-Ära hinterher, der nicht nur viele Mamas und Papas heutzutage noch hinterhertrauern und -singen. Dream a little dream of me!

FAZIT: WILDWOOD MORNING schlagen recht traumhaft und Hippie-verliebt samt psychedelischer 70er-Folk-Atmosphäre auf ihrem schwer nostalgisch angehauchten gleichnamigen Debüt auf. Mal wieder Zeit für einen Joint, mein Freund, und ein „Back To The Nature“. Wer sich heutzutage nach diesen angenehmen Erinnerungen sehnt und noch dazu neben der englischen auch die italienische Sprache liebt, der ist bei diesem deutsch-italienischen Duo bestens aufgehoben. Nur echt auf farbigem Vinyl!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 643x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (22:16):
  • Greta Thunder (4:02)
  • Fermati Tempo (3:17)
  • All New Gets Old (5:57)
  • Song For My Daughter (3:48)
  • These Times (3:55)
  • Intermezzo (1:17)
  • Seite A (22:52):
  • Misteri Di Alleghe (7:10)
  • Deep Shadow (3:38)
  • Secret Of My Life (3:36)
  • Love Speaks Silence (5:31)
  • Arlo (2:57)

Besetzung:

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