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Frollein Smilla: Great Disaster (Review)

Artist:

Frollein Smilla

Frollein Smilla: Great Disaster
Album:

Great Disaster

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Indie/Alternative-Pop, Singer/Songwriter

Label: t3 records
Spieldauer: 51:36
Erschienen: 03.12.2021
Website: [Link]

Eigentlich ist es ja die Frøken Smilla aus dem Roman „Frøken Smillas fornemmelse for sne“ von Peter Høeg , welche uns als Bandname eingedeutscht als FROLLEIN SMILLA begegnet – aber klar doch, wir lesen ja schließlich auch nicht das dänische Originalbuch, sondern eben den ungemein erfolgreichen Roman, der ins Deutsche übersetzt „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ heißt.
Und dieses Fräulein oder eben Frollein bzw. Frøken ist eine Frau der Extraklasse, taff und voller Tiefe, cool und voller Weitblick…
Ideal also, um sich als Berliner Band samt einer richtig guten Sängerin mit einem ebenso eindrucksvollen Namen – Des Wackerhagen – nach eben diesem Frøken Smilla wortneuschöpferisch als FROLLEIN SMILLA zu benennen. Allein das spricht für viel Tiefe und Einfallsreichtum – genau wie die Musik und die englischen wie deutschen und spanischen Texte auf dem bereits dritten Album „Great Disaster“, bei dem sich das Berliner Sextett mit Leib und Seele dem nachdenklich-ruhigen Soul- und Funk- und Pop- und Singer/Songwriter-Gefilde hingeben.

Nur dieses Album trägt nichts Schreckliches, sondern absolut Wunderbares, wofür man FROLLEIN SMILLA auch als Kritiker nur von ganzem Herzen gratulieren kann, in sich.

Im Grunde beginnt die Begeisterung für das Album schon beim Cover. Man hat die Musik noch nicht einmal gehört, da schaut einen doch, bevor man die LP aus dem Cover zieht (Übrigens unbedingt als Vinyl-Freund zu dem großartigen Sound-Spektakel auf LP entscheiden, es lohnt sich ernsthaft!), tatsächlich ein Schaf mit echtem 'Schafsblick' an – eine Kombination aus traurig und neugierig – so als würde es uns mitteilen: „Hey Mensch, wie kannst du Idiot mich, meine Artgenossen und meine Freunde, die Rinder und Schweine sowie alles zweibeinig durch ihr Leben watschelndes Federvieh, eigentlich fressen? Schau mich nur mal an und dann sage noch einmal, wir würden nichts spüren oder fühlen, bevor ihr uns mit euren Bolzenschussgeräten das Gehirn aus dem Schädel blast, damit ihr eure oftmals viel zu fetten Mägen weiter füllen könnt! Für uns ist das alles ein großes Desaster, für euch ein befriedigendes Wohlstands-Völlegefühl!“

Und hier schon beginnt man langsam darüber nachzudenken, warum das Album mit solch einem Cover den Titel „Great Disaster“ verpasst bekam.

Als nächstes sollte man sich dann die mit den bedruckten Texten versehene dickpappige Innenhülle schnappen, denn auch hier gilt, dass neben dem malerischen Kunstwerk poetische Kunstwerke stehen, denn auf solche lyrischen Bilder wie: „Du warst schon immer lauter im Verschweigen / Und deine Worte schienen immer ohne Trost verbogen...“, müssen einem erst einmal einfallen – und ehrlich, den meisten würde so etwas heutzutage sowieso nicht mehr in den Geist und Sinn kommen.
Aber klar doch werden wir bei diesem einzigen deutschen Song dann auch an eine andere Vokal-Zauber-Band, die sich schon längst ihr eigenes Denkmal gezimmert haben, erinnert: WIR SIND HELDEN.

Doch die Musik von FROLLEIN SMILLA hat auch ein Gespür für andere ganz große lyrische Bands, die leider noch immer viel zu wenig Beachtung fanden und finden – als da wären POEMS FOR LAILA oder PRAG.
Oder wie es so schön im Begleittext zu dem Album heißt, erwarten uns auf „Great Disaster“: „Wurzeln, die tiefer und Blicke, die weiter reichen.“
Der Stil, den FROLLEIN SMILLA besitzt, liegt in seiner 'Stillosigkeit', dem Willen, sich nicht in Schubladen einordnen und registrierend abheften zu lassen. Akustisches und Elektrisches, viel Leises, aber auch so einiges Lautes sowie Umschmeichelndes und Bissiges geben sich übergangslos die Notenschlüssel in die Hand.

Nehmen wir einfach nur „La Vuelta“, den einzigen spanischen Song, der sich mit einem Leben beschäftigt, das sich wendet und zurückkehrt, weil irgendwas schief gelaufen ist, auf dem bis dahin eingeschlagenen Weg: „Ich bin die Wende auf deinem Weg, denn das ist mein Kurs.“
Eine herzzerreißende Ballade, der schon kurze Zeit später „Jürgen Meyer“ mit funkigen Bläsern und flotten Rhythmen die Traurigkeit austreibt, denn: „Your silence makes me loud“, auch wenn gleich im An- und Abschluss des Albums mit „Words & Definitions“ noch einmal in Emotionen sowie Sehnsüchten geschwelgt wird.

Nach einer FROLLEIN SMILLA und diesem Schafskopf-Album geht man nicht in die Küche, um sich was zum Futtern zuzubereiten, sondern man lehnt sich still zurück und genießt – eben nicht mit dem Bauch, sondern mit dem Geist und den Ohren.

FAZIT: Danke FROLLEIN SMILLA für die „Island“, die du uns als natürliches kleines Wunder in den hektischen Alltag pflanzt und auf der man friedlich alles Leben genießt und achtet, bis dann irgend so ein Arsch mit seinem Kampfschiff um die Ecke kommt, um dir querdenkend die frische Luft zu verpesten oder im schlimmsten Falle mit Hass deine durch die Musik entstandene innere Wärme mit seinem hirnlosen Kanonenrohr dumpfbackig wegzublasen. Wer „Great Disaster“ hört, dem gehört die Schönheit dieser Welt, aber nicht die Idioten – die bleiben bei FROLLEIN SMILLA vor der Tür und frieren im Schnee…

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 1741x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (26:12):
  • Wake Up (3:28)
  • Great Disaster (4:14)
  • That's All I Thought (4:43)
  • Loyalty (5:41)
  • Schon immer lauter (2:44)
  • Interlude I (0:23)
  • Kielhol'n (4:06)
  • Interlude II (0:53)
  • Seite B (25:24):
  • La Vuelta (4:10)
  • Longing (4:08)
  • Context (5:25)
  • Interlude III (0:45)
  • Island (2:25)
  • Jürgen Meyer (4:15)
  • Words & Definitions (4:16)

Besetzung:

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